Corona: Unter diesen Bedingungen dürfen Friseure öffnen

Berlin.  Seit 16. Dezember sind die Friseure in Deutschland geschlossen. Beim Corona-Gipfel wurde nun eine Öffnung ab dem 1. März vereinbart.

Lesedauer: 6 Minuten
Merkel kündigt Öffnungsschritte bei "stabiler" Inzidenz an

Der Corona-Lockdown in Deutschland wird bis zum 7. März verlängert. Allerdings kündigt Bundeskanzlerin Angela Merkel "nächste Öffnungsschritte" im Falle einer "stabilen" Inzidenz von höchsten 35 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen an. Dabei geht es um die Öffnung des Einzelhandels sowie von Museen und Galerien.

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  • Seit Dezember sind Friseure in Deutschland wegen der Corona-Lage geschlossen
  • Nun dürfen sie bald wieder arbeiten - aber nur unter strengen Regeln
  • Ab wann dürfen Friseure wieder öffnen? Welche Hygiene-Auflagen gelten in den Salons?
  • Wir beantworten die wichtigsten Fragen zum Thema

Neue Frisuren wagen, lästigem Spliss Ade sagen, den Bart trimmen: Derzeit ist all das höchstens vor dem heimischen Badezimmerspiegel möglich, denn die Friseure bleiben wegen des aktuell geltenden Corona-Lockdowns geschlossen.

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Bereits zum zweiten Mal seit Beginn der Pandemie sind die Friseurläden bundesweit geschlossen – eine Katastrophe für die Salons. Vor allem die Schwarzarbeit sei unter dem Gesichtspunkt der Pandemiebekämpfung zu einem echten Problem geworden, so Jörg Müller, der Chef des Zentralverbands des Deutschen Friseurhandwerks.

Beim Corona-Gipfel am 10. Februar wurde nun aber beschlossen, dass es für die Branche frühere Lockerungen geben wird. Wir beantworten die wichtigsten Fragen zum Thema.

Corona: Friseure dürfen unter bestimmten Auflagen öffnen

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Regierungschefs und -chefinnen der Länder einigten sich auf eine Verlängerung des Lockdowns bis zum 7. März. Friseurbetriebe können allerdings ab 1. März "unter Auflagen" wieder Kundschaft empfangen, heißt es in der Vereinbarung.

Anders als das Kanzleramt wollten die Länder Friseuren die Öffnung noch im Februar ermöglichen. Auf Druck Merkels einigte man sich dann jedoch auf den Termin rund eine Woche später. Zur Begründung hieß nach Angaben der Deutschen Presse-Agentur, dass man glaube, dann bei den Neuansteckungen pro 100.000 Einwohner unter der kritischen Marke von 50 zu liegen.

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Ab wann sind Friseure offen?

Friseurbetriebe sollen unter strengen Hygienemaßnahmen vom 1. März an wieder öffnen dürfen.

Warum öffnen Friseure?

Vor dem Hintergrund der Bedeutung von Friseuren für die Körperhygiene und der jetzt bereits seit längerem bestehenden Schließung erscheine es erforderlich, die Inanspruchnahme zu ermöglichen, da erhebliche Teile der Bevölkerung, insbesondere ältere Menschen, auf diese angewiesen seien, heißt es in dem Beschluss.

Ministerpräsident Markus Söder sagte, dass Friseure "unabhängig davon, dass es für manche einen ästhetischen Mehrwert definieren könnte", auch etwas "mit Hygiene und mit Würde" zu tun hätten. "Sind Friseure wichtig? Ja, ich finde das schon, denn es spielt in dieser Pandemie auch eine Rolle für viele Menschen dabei, sich selbst wiederzufinden", begründete Söder die Entscheidung in der Pressekonferenz nach den Beratungen

Welche Hygieneauflagen gelten für Friseure ab 1. März?

Schon während des ersten Lockdowns ab März 2020 mussten die Friseure in Deutschland schließen. Danach durften sie allerdings wieder öffnen – sofern bestimmte Hygienevorschriften eingehalten wurden. So war beispielsweise neben dem Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes das Haarewaschen für alle Kunden Pflicht. Zudem waren Dienstleistungen wie Wimpern- und Augenbrauenfärben, Rasieren und Bartpflege verboten.

Zu den obligatorischen Auflagen zur frühzeitigen Öffnung von Friseuren ab 1. März 2021 zählen:

  • Abstands- und Hygienemaßnahmen
  • Steuerung des Zutritts mithilfe von Reservierungen
  • Nutzung medizinischer Masken

Warum dürfen Friseure öffnen, Kosmetiker und Nagelstudios aber nicht?

Bund und Länder sind bisher nicht explizit auf diese Frage eingegangen. Experten der Technischen Universität (TU) Berlin, die die Teilnehmer der Bund-Länder-Konferenz beriet, sind zu dem Schluss gekommen, dass das Infektionsrisiko bei Friseuren gering ist.

Bei der Priorisierung von Friseuren könnte es sich um eine pragmatische Entscheidung handeln: Der Anteil der Bevölkerung, der regelmäßig Nagelstudios oder Kosmetiker und Kosmetikerinnen aufsucht, dürfte geringer sein als der Anteil, der zum Friseur geht - sind hier alle Altersklassen sowie alle Geschlechter gleichermaßen eingeschlossen.

Sollte man sich im Lockdown selbst die Haare schneiden?

Angesichts geschlossener Friseursalons, wuchernder Mähnen und zahlreicher YouTube-Anleitungen ist die Versuchung groß, selbst zur Schere zu greifen. Davon raten Profis - nicht ganz überraschend - grundsätzlich ab. Wer es trotzdem versuchen will, sollte eine sehr gute Schere verwenden, wie Jens Dagné von der Friseurvereinigung Intercoiffure Mondial empfiehlt. Auf keinen Fall sollte eine Haushalts- oder Bastelschere verwendet werden, denn Scheren minderer Qualität quetschen die Haare und erzeugen nach ein bis zwei Wochen Spliss, so der Fachmann.

Der Schnitt sollte so simpel wie möglich sein. Experten raten deshalb, höchstens ein paar Zentimeter zu schneiden – denn was ab ist, ist ab. Die Haare sollten dabei trocken sein, weil sie im nassen Zustand länger erscheinen, wodurch der neue Schnitt schnell zu kurz wird. Eine detaillierte Anleitung finden Sie hier: Haare schneiden zu Hause – Diese Tipps helfen dabei

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Darf ein Friseur im Lockdown nach Hause kommen und Haare schneiden?

Vielen ist der Do-It-Yourself-Haarschnitt zu riskant – doch ist es eigentlich rechtlich möglich, sich den Friseur einfach nach Hause zu holen? Die Antwort ist ganz klar: nein. Die Corona-Verordnungen der Länder sehen vor, dass die Friseurdienstleistung an sich untersagt ist. Bei Missachtung drohen Bußgelder.

Friseure in der Corona-Krise: Wie geht es mit der Branche weiter?

Viele Menschen sorgen sich, ob der Friseursalon ihres Vertrauens nach der Corona-Krise noch existieren wird. Die Sorge ist wohl berechtigt: Laut einer Befragung des Zentralverbandes des Deutschen Friseurhandwerks zu den Folgen der Corona-Krise zu Beginn des laufenden Jahres befürchteten 70 Prozent der Friseure für das Jahr 2020 Umsatzverluste von mindestens 30 Prozent. Mehr als die Hälfte litt schon zu dem Zeitpunkt unter starken oder sehr starken Existenznöten.

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Nach Angaben des Zentralverbandes des Deutschen Friseurhandwerks gibt es in Deutschland mehr als 80.000 Friseursalons mit über 240.000 Beschäftigten und rund 20.000 Auszubildenden.

(raer/mit dpa)

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