Corona-Impfung

Booster-Impfung früher als nach sechs Monaten - wie es geht

| Lesedauer: 4 Minuten
Ab fünften Monat Booster-Impfung möglich

Unter bestimmten Voraussetzungen ist eine Booster-Impfung schon nach fünf Monaten möglich.

Wir befinden uns mittlerweile in der vierten Corona-Welle. Aufgrund der zu niedrigen Impfquote steigen die Zahlen enorm an. Die Booster-Impfungen sind im vollen Gange.

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Berlin  Für immer mehr Menschen in Deutschland kommt die Booster-Impfung infrage. Wer sie will, muss nicht zwingend volle sechs Monate warten.

  • Der Schutz der Corona-Impfungen lässt nach wenigen Monaten nach
  • Daher ist eine Booster-Impfung nötig
  • Wann ist der richtige Zeitpunkt für die Auffrischung?

Mehr als zwei Drittel der Menschen in Deutschland sind mittlerweile vollständig gegen das Coronavirus geimpft. Um die Zahl der Neuinfektionen gering zu halten, reicht das nicht. Die Pandemie hat im Herbst wieder an Fahrt aufgenommen – die täglich gemeldeten Corona-Zahlen erreichen täglich neue Höchstwerte und die Intensivbetten werden knapper.

Das Robert Koch-Institut (RKI) hält eine Impfrate von 85 bis 90 Prozent für notwendig, um das Virus zu bekämpfen. Doch auch die Zahl der Impfdurchbrüche steigt. Denn der Schutz der Vakzine sinkt mit der Zeit. Sogenannte Booster sollen deshalb die Impfkampagne ergänzen. Ab wann kann man die Auffrischungsimpfung bekommen?

Corona-Booster: Auffrischungsimpfung für alle

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat sich dafür ausgesprochen, allen Menschen in Deutschland, die bereits vollständig geimpft sind, den Booster anzubieten. Grundsätzlich ist das laut der Impfverordnung des Bundes auch möglich. Der Anspruch auf die Schutzimpfung gegen das Coronavirus umfasst auch Folge- und Auffrischimpfungen.

Doch über Spans Pläne gibt es Uneinigkeit. Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfahl die Auffrischungsimpfungen zunächst nur für bestimmte Personengruppen wie über 70-Jährige und Menschen in Heimen. Das hat sich geändert: Auch die Stiko empfiehlt die Booster-Impfung inzwischen für alle ab 18 Jahren inzwischen, rät aber dazu, Risikogruppen zu priorisieren.

Booster-Impfung: Intensivmediziner wollen mehr Tempo

Intensivmediziner-Präsident Gernot Marx hat angesichts rasant steigender Corona-Fallzahlen schnellere Auffrischimpfungen gefordert: "Mir erschiene es mit den Erfahrungen aus Israel sinnvoll, die Sechs-Monats-Spanne nicht voll auszureizen, sondern ab einem Intervall von fünf Monaten die Impfungen aufzufrischen," sagte der Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi) der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

Entscheidend sei, dass so viele Menschen wie möglich die dritte Spritze erhielten, betonte der Direktor der Klinik für Operative Intensivmedizin an der Uniklinik Aachen. "Je schneller die Auffrischungsimpfungen kommen, umso flacher wird die Welle ausfallen", sagte er. "Das ist das wirkungsvollste Instrument, um das Virus auszubremsen und Impfdurchbrüche zu minimieren."

Booster: Dritte Dosis nach sechs Monaten

Inzwischen ist entschieden: Jeder und jede vollständig Geimpfte über 18 kann sich boostern lassen. Die Stiko schreibt: "Die Auffrischungsimpfung soll frühestens sechs Monate nach der aus zwei Impfstoffdosen bestehenden Grundimmunisierung verabreicht werden." Darauf bezieht sich auch die Impfverordnung, in der steht: "Von der Ständigen Impfkommission beim Robert Koch-Institut empfohlene Abstände zwischen Erst- und Folge- sowie Auffrischimpfungen sollen eingehalten werden."

Spahn bezieht sich in seinen Plänen ebenfalls auf einen Abstand von sechs Monaten, sagte aber jüngst auf einer Veranstaltung der "Süddeutschen Zeitung", dass alle Personen ab 18 Jahren in Deutschland auch schon vor Ablauf der Frist von sechs Monaten nach der letzten Impfung eine Auffrischungsimpfung gegen das Coronavirus bekommen können. Auch das Robert Koch-Institut (RKI) schreibt: "Eine Verkürzung des Impfabstandes auf 5 Monate kann im Einzelfall oder wenn genügend Kapazitäten vorhanden sind erwogen werden."

Booster: In einigen Fällen schon nach fünf Monaten

Es gibt jedoch grundsätzliche Ausnahmen von der Stiko-Empfehlung. Ein Beschluss der Gesundheitsministerinnen- und Gesundheitsministerkonferenz zieht in folgenden Fällen einen früheren Booster in Betracht:

  • Personen mit einer schweren Immunschwäche oder Immunsuppression sollen die Auffrischung in der Regel ab vier Wochen nach der Grundimmunisierung bekommen
  • Auch Personen, die mit dem Vakzin von Johnson & Johnson geimpft wurden, sollen den Booster in der Regel ab vier Wochen nach der Grundimmunisierung bekommen

In diesen Bundesländern gibt es den Booster früher

Der RKI-Empfehlung sind bisher einige Bundesländer gefolgt. Hier gibt es Auffrischungsimpfungen bereits nach fünf Monaten:

  • Bayern
  • Berlin
  • Rheinland-Pfalz
  • Thüringen

Corona-Impfung: Booster beim Arzt schon früher?

Die Auffrischungsimpfungen können laut Gesundheitsministerium durch niedergelassene Ärztinnen und Ärzte, mobile Teams der Impfstellen, durch Betriebsärztinnen und Betriebsärzte oder auch in den Impfzentren der Länder verabreicht werden. In der Vergangenheit konnten niedergelassene Ärzte von den Empfehlungen der Stiko abweichen und beispielsweise den Impfstoff von Astrazeneca auch unter bestimmten Bedingungen nicht empfohlenen Personengruppen verimpfen.

Eine offizielle Stellungnahme, ob die Mediziner gegebenenfalls auch vom Impfschema der Booster abweichen können, liegt derzeit nicht vor. Das RKI rät aber generell davon ab, zugelassene Impfschema zu modifizieren. Das könnte sich sonst negativ auf einen langandauernder Immunschutz auswirken.

(jtb mit dpa)

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