Pandemie

Booster-Impfung: Was beim Corona-Gipfel beschlossen wurde

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Ab dritten Monat Booster-Impfung möglich

Stiko: Booster-Impfungen für alle

Wir befinden uns mittlerweile in der vierten Corona-Welle. Aufgrund der zu niedrigen Impfquote steigen die Zahlen enorm an. Die Booster-Impfungen sind im vollen Gange.

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Berlin.   Mit Booster-Impfungen soll die Verbreitung des Virus verlangsamt werden. So wollen Bund und Länder die Weichen stellen.

Die vierte Welle der Corona-Pandemie in Deutschland lässt die Infektionszahlen in Rekordhöhen schießen. Die Krankenhäuser stehen kurz vor der Überlastung oder haben diese Grenze mancherorts schon erreicht. Darum konzentriert sich die Corona-Politik mit großen Hoffnungen auf die Booster-Impfungen. Beim Gipfel waren sich Bund und Ländern einig, dass es hier mehr Anstrengungen bräuchte.

Denn Bundesregierung und Experten wie Christian Drosten sind sich einig: Jetzt sind so schnell wie möglich Booster-Impfungen für alle notwendig, um die Verbreitung des Virus auch unter Geimpften abzubremsen. Das Bundesgesundheitsministerium hatte am Mittwoch bereits 20 bis 25 Millionen Auffrischimpfungen bis Ende des Jahres als Ziel ausgegeben. Die mRNA-Impfstoffe von Biontech und Moderna stünden dafür ausreichend zur Verfügung.

Corona-Gipfel will Bundesländer für Booster-Impfungen in die Pflicht nehmen

Doch darüber, wie der Impfstoff in den Arm der Impfwilligen kommt, besteht Unklarheit. Nicht alle Bundesländer wollen dafür bereits geschlossene Impfzentren wiedereröffnen. Hausärzte warnen gleichzeitig davor, einen möglichen Ansturm nicht alleine stemmen zu können, und wollen teilweise von der Booster-Kampagne ausgenommen werden.

Das sorgte bei der Bund-Länder-Runde schon für Ärger: Der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) erklärte, die Ärzte sollten jetzt unbedingt mehr impfen, immerhin würden sie doch jetzt "einen Haufen Geld" bekommen. Seine rheinland-pfälzische Kollegin Malu Dreyer (SPD) pflichtete ihm bei: "Ärzte impfen viel zu wenig", berichteten Teilnehmer gegenüber unserer Redaktion.

Außerdem diskutierten die Ministerpräsidenten, wie jetzt die Impfzentren schnell wieder aktiviert werden können. Merkel erinnerte daran, dass Bund und Länder im Sommer beschlossen hatten, dass die Impfzentren in Bereitschaft bleiben sollen – für den Fall, dass man sie kurzfristig wieder benötige.

Impfen: Bund und Länder wollen Corona-Impfkampagne stärken

Bund und Länder haben beim Corona-Gipfel nun erneut mehrere Maßnahmen beschlossen, um die Impf-Logistik zu stärken und das Tempo der Impfkampagne – vor allem auch beim Verteilen der Booster – zu beschleunigen. Die Bundesländer sollen aber weiter hauptverantwortlich für die Umsetzung sein. Das geht aus den Beschlüssen der Konferenz hervor, die dieser Redaktion vorliegt.

Bund und Länder wollen laut Beschlusspapier mobile Impfteams, Impfzentren, Krankenhäuser, niederschwellige Angebote, Arztpraxen, Betriebsärzte und Ärzte der Gesundheitsämter in die Impfkampagne einbeziehen. Auch Kindern zwischen fünf und elf Jahren soll nach der Ende November bevorstehenden Zulassung des erforderlichen Impfstoffs und der entsprechenden Verfügbarkeit in der zweiten Dezemberhälfte nach individueller Beratung und Risikoeinschätzung rasch eine Impfung angeboten werden.

Zuvor hatte am Donnerstag die Ständige Impfkommission (Stiko) ihre Empfehlung zu Auffrischimpfungen auf alle Personen ab 18 Jahren ausgeweitet. Auch ein flexiblerer Umgang mit dem Zeitabstand ist demnach vorgesehen: Die Auffrischimpfungen sollen in der Regel im Abstand von sechs Monaten zur letzten Impfstoffdosis der Grundimmunisierung erfolgen. Eine Verkürzung des Impfabstandes auf fünf Monate könne im Einzelfall oder wenn genügend Kapazitäten vorhanden sind erwogen werden.

Diese Maßnahmen für Booster-Impfungen wurden beschlossen:

  • Alle Bürgerinnen und Bürger über 18 Jahre sollen prinzipiell eine Booster-Impfung sechs Monate nach Verabreichung der zweiten Dosis erhalten können
  • Die Länder sollen die dafür notwendigen Kapazitäten selbst schaffen und die Impfmöglichkeiten ausweiten
  • Haus- und Betriebsärzte werden dazu angehalten "intensiv" die Auffrischungsimpfungen anzubieten
  • Als Anreiz soll die Vergütung für jede Impfung erhöht werden
  • Die Bundesländer sollen zuerst alle Bürgerinnen und Bürger im Alter von über 60 Jahren gezielt anschreiben und schrittweise zur Impfung einladen

(bml/jas mit dpa)

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