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Biontech oder Moderna: Deutliche Ansage von Virologin Ciesek

| Lesedauer: 7 Minuten
Impfstoffforscher: Booster-Impfung senkt Covid-Risiko drastisch

Impfstoffforscher: Booster-Impfung senkt Covid-Risiko drastisch

Leif Erik Sander, Lungenarzt und Impfstoffforscher an der Berliner Charité, hebt die Bedeutung der Corona-Auffrischungsimpfung hervor. Biontech und Moderna seien fast vergleichbar und annähernd gleich gut, sagte der Mediziner in Berlin.

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Berlin  Klare Aussage zur Wirkung der Corona-Impfstoffe. Die Virologin Sandra Ciesek hat sich im NDR-Corona-Podcast geäußert. Darum ging es.

  • Biontech oder Moderna? Diese Frage stellen sich aktuelle viele Patientinnen und Patienten – egal ob vor der Erstimpfung oder dem Booster
  • Zudem sorgte Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) mit Aussagen zu einer Deckelung der Biontech-Liefermengen für Wirbel
  • Im NDR-Corona-Podcast hat sich die Virologin Sandra Ciesek sich nun zur Wirkung der beiden mRNA-Impfstoffe geäußert

Für über 30-Jährige sind die Impfstoffe von Biontech und Moderna für die Booster-Impfung gleich gut geeignet und wirksam, sagte die Virologin Sandra Ciesek in der neuen Podcast-Folge "Coronavirus-Update" des NDR. Nach der dritten Impfung dauere es zudem nur eine Woche, bis ein deutlich besserer Impfschutz aufgebaut ist, so Ciesek. Das zeigten erste Untersuchungen aus den USA.

Laut einer Studie mit 10.000 Teilnehmern besteht sieben Tage nach der dritten Impfung mit dem Vakzin von Biontech wieder ein 95-prozentiger Schutz vor einer Covid-Erkrankung mit Symptomen. Der Moderna-Impfstoff wirke nach Studiendaten mindestens genauso gut, sagt die Virologin.

Booster-Impfung: Lieber Biontech oder Moderna?

"Wichtig ist, dass man sich boostern lässt", betont die Direktorin der Medizinischen Virologie am Universitätsklinikum Frankfurt. Mittlerweile gehe man davon aus, dass man ab 18 Jahren eine dritte Impfung braucht, um überhaupt ein vollständiges Impfschema zu haben. "Und ich kann nur raten, das zu nehmen, was da ist. Ob Biontech oder Moderna ist bei Leuten über 30 relativ egal."

Laut Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) wird Schwangeren und allen Menschen unter 30 in Deutschland Moderna ohnehin nicht angeboten, um das Risiko von Herzmuskelentzündungen zu senken. "Aber bei über 30-Jährigen besteht das erhöhte Risiko nicht. Da gibt es überhaupt keinen Grund, Moderna nicht zu nehmen."

Ob eine Booster-Impfung nach fünf oder sechs Monaten erfolgt, ist laut Ciesek nicht entscheidend. Doch ob eine Auffrischung noch früher, etwa schon nach drei Monaten, sinnvoll sein könnte, müsste erst noch geklärt werden. "Man bräuchte dafür eine Vergleichsstudie nach drei Monaten und nach sechs Monaten. Aber dafür gibt es noch keine Daten."

Impfreaktionen ähnlich wie bei Erst- und Zweitimpfung

In der bereits zuvor genannten Biontech-Studie wurden auch Impfreaktionen nach Injektion der dritten Dosis untersucht. Die Studie kam zu dem Ergebnis, dass die Reaktionen sehr ähnlich ausfallen wie bei der ersten und zweiten Impfung – von überhaupt keiner Reaktion bis zu Schüttelfrost und Fieber über ein, zwei Tage. Auch Herzmuskel- oder Herzbeutelentzündungen wurden in der Teilnehmergruppe nicht beobachtet. Es traten aber etwas mehr Lymphknotenschwellungen und -schmerzen (Lymphadenopathien) auf als nach Erst- und Zweitimpfung.

Für nicht sinnvoll hält es die Virologin, vor einer Booster-Impfung die Zahl der Antikörper bestimmen zu lassen. Bislang ist kein eindeutiger Grenzwert für einen sicheren Immunschutz definierbar. Sie habe Menschen mit extrem hohen Titern gesehen, die sich trotzdem infiziert haben. "Antikörper sind nur ein ganz kleiner Teil der Immunantwort. Wir können im Labor nicht bescheinigen: Du wirst dich auf gar keinen Fall anstecken."

2G und 2G plus: Virologin hält Regelungen für problematisch

Mit Blick auf die derzeitig hochdramatische Infektionslage in Deutschland wies Sandra Ciesek auch in dieser Podcast-Folge auf Risiken bei 2G- oder 2G-plus-Regelungen hin. "2G heißt nicht, dass man sich nicht anstecken kann. Natürlich steigt die Gefahr, je häufiger man große Veranstaltungen besucht, dass man das Virus mit nach Hause nimmt zur Großmutter oder zur schwangeren Freundin." Auch zusätzliche Antigentests würden keine Sicherheit bieten, weil nach Datenlage etwa die Hälfte der Infektionen übersehen wird.

"Ein tagesaktueller PCR-Test wäre ideal, aber das ist kaum umsetzbar bei allen Veranstaltungen", sagte Ciesek. Ähnlich hatte sich vor wenigen Tagen auch der Virologe Christian Drosten geäußert, mit dem Ciesek den Podcast im Wechsel macht.

Kontakte reduzieren und Veranstaltungen in Innenräumen meiden, wären die sinnvollsten Maßnahmen, so Ciesek. Großveranstaltungen halte sie im Moment generell für nicht sinnvoll. "Wir können die Zahlen nicht mehr ändern, das Kind ist in den Brunnen gefallen."

Hospitalisierungsrate ein "Blick in den Rückspiegel"

Die viel kritisierte Hospitalisierungsrate, die nun als wichtigster Parameter für das Inkrafttreten jeweils strengerer Corona-Maßnahmen beschlossen wurde, hält auch Ciesek für nicht geeignet zur Beurteilung der Pandemie-Lage. Bei der Zahl der binnen einer Woche ins Krankenhaus eingewiesenen Covid-19-Patienten pro 100.000 Einwohner entstünde durch Meldeverzug und große regionale Unterschiede eine Verzerrung.

Zudem würden viele Patienten auch nicht schon binnen einer Woche in Kliniken aufgenommen, sondern später. "In Sachsen lag die Hospitalisierungsrate in der vergangenen Woche bei 4,39 - das passt ja nicht zu den Geschehnissen dort", sagt Ciesek. Die Hospitalisierungsrate sei zudem ein "Blick in den Rückspiegel", bei Erreichen von Schwellenwerten sei es bereits zu spät zum Gegensteuern.

Viel wichtiger sei in ihren Augen die Korrelation zwischen der Zahl der Neuinfektionen und der Zahl der Neuaufnahmen auf Intensivstationen. "Man geht davon aus, dass ungefähr 0,8 Prozent der Menschen mit Neuinfektionen auf der Intensivstation behandelt werden müssen."

EMA-Zulassung für Impfstoff für Kinder erwartet

Ciesek wies im Podcast außerdem darauf hin, dass laut den Statistiken seit dem Ende der Herbstferien in vielen Landkreisen die Inzidenz bei den 5- bis 14-Jährigen stark gestiegen ist. In Europa sind die Impfstoffe von Biontech und Moderna derzeit erst ab zwölf Jahren zugelassen, in den USA wird Biontech schon seit Wochen auch an jüngere Kinder verimpft.

Es wird erwartet, dass die europäische Arzneimittelbehörde (EMA) das Biontech-Vakzin noch in dieser Woche auch für Kinder ab fünf Jahren zulässt. "Alle, die dringend darauf warten, können ihre Kinder dann bereits impfen lassen", sagt Ciesek und warnt davor, dass die Stiko-Empfehlung dann noch vermutlich auf sich warten lassen werde. Sie beurteile nämlich den wissenschaftlichen Mehrwert für Kinder – also ob die Impfung bei einer Altersgruppe mit besonders niedrigem Risiko, schwer an Covid-19 zu erkranken, für jedes Kind sinnvoll ist.

Zu einer allgemeinen Impfpflicht wollte Ciesek sich im Podcast nicht äußern, dies sei eine gesellschaftspolitische Frage. Eine klare Haltung hat sie zum Impfschutz in medizinischen und pflegerischen Berufen: "Wenn jemand in so einem Beruf arbeitet und die Verantwortung hat für Kranke oder für sehr alte Menschen, gehört das für mich dazu. Es ist unabdingbar, dass ich die, die ich betreue, schütze." (bef)

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