Pandemie

Omikron: Das ist über die neue Corona-Variante bekannt

| Lesedauer: 9 Minuten
Omikron-Variante aus Südafrika hat wahrscheinlich Deutschland erreicht

Omikron-Variante aus Südafrika hat wahrscheinlich Deutschland erreicht

Die so genannte Omikron-Variante des Coronavirus ist höchstwahrscheinlich in Hessen bei einem Reiserückkehrer aus Südafrika gefunden worden.

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Berlin  In Südafrika wurde eine neue Corona-Variante entdeckt. Omikron gilt als hochansteckend und hat inzwischen auch Deutschland erreicht.

  • Die neue Corona-Variante Omikron ist in Deutschland angekommen
  • Wegen zahlreicher Mutationen könnte sie besonders ansteckend sein
  • Lesen Sie hier, was über die neue Variante B.1.1.529 bekannt ist

Die neue Coronavirus-Variante B.1.1.529 breitet sich in der Welt aus. Die Mutante, die auf den Namen "Omikron" getauft wurde, hat inzwischen auch Deutschland und weitere EU-Länder erreicht - darunter etwa die Niederlande, Dänemark, Italien und Tschechien.

Erstmals festgestellt wurde Omikron in Südafrika. Innerhalb weniger Tage war die Zahl der Infektionen in Johannesburg explodiert. Mehrere Länder auf der ganzen Welt, darunter auch Deutschland, haben den Flugverkehr mit Südafrika und weiteren Ländern der Region aus Sorge vor der Mutante bereits eingeschränkt und sie als Virusvariantengebiete eingestuft. Doch was ist über B.1.1.529 bisher bekannt? Die wichtigsten Erkenntnisse im Überblick.

Omikron: Wie gefährlich ist die neue Corona-Variante?

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat Omikron als "variant of concern" eingestuft: als "besorgniserregend"; nach Alpha, Beta, Gamma und der derzeit besonders in Europa grassierenden Delta-Variante. Den SPD-Fachpolitiker Karl Lauterbach alarmiert, dass sie "fast alle Mutationen von Alpha, Beta, Gamma und Delta zusammen hat".

Allerdings muss erst untersucht werden, ob sie ansteckender ist und sich Impfungen entziehen kann. Die südafrikanische Ärztin Angélique Coetzee, die das Virus erstmals entdeckte und den Behörden meldete, gibt zu bedenken, dass sie es bisher mit jungen Leuten zu tun hatte. Sie sorge sich, dass die neue Variante ältere Menschen härter treffen könnte, sagte die Ärztin der Zeitung "Telegraph".

Ist Omikron ansteckender als andere Corona-Varianten?

Einige Mutationen von B. 1.1.529 begünstigen eine Aufnahme des Virus in Zellen. Das spricht für eine höhere Ansteckungsgefahr, erläutert RKI-Präsident Lothar Wieler: "Wir sind tatsächlich in sehr großer Sorge." Für die Wissenschaftlerin Susan Hopkins vom Imperial College in London ist die Variante "die besorgniserregendste, die wir je gesehen haben". Die in Südafrika festgestellte Übertragungsrate liege bei zwei. Das bedeutet, dass jeder Infizierte im Schnitt zwei weitere Menschen ansteckt – eine Dynamik wie zu Beginn der Pandemie. Mehrere Mutationen von Omikron können die Wissenschaftler noch gar nicht einschätzen.

Eric Feigl-Ding, einer der führenden Epidemiologen in den USA, warnte auf Twitter, dass Omikron zu 500 Prozent ansteckender sein könnte als bisherige Varianten. Die Zahl der Mutationen, die das Spike-Protein aufweise, sei zwei Mal so hoch wie bei der Delta-Variante.

Virologin Sandra Ciesek hielt sich im NDR-Podcast "Coronavirus-Update" mit einer Einschätzung zurück: "Wir müssen dafür repräsentative Daten bekommen, aber das wird leider Wochen bis Monate dauern." Bei der Untersuchung des Ansteckungsrisikos müsse auch die Bevölkerungsstruktur beachtet werden. Omikron ist in Südafrika zwar innerhalb kürzester Zeit dominant geworden, aber bei sehr niedrigen Fallzahlen. Zudem hat Südafrika eine niedrigere Impfquote als Deutschland, allerdings leben dort deutlich mehr Menschen, die die Infektion bereits durchgemacht haben.

Was sind die Symptome von Omikron?

Bislang ist wenig über die Symptome einer Infektion mit der Omikron-Variante bekannt. Die südafrikanische Ärztin Angélique Coetzee beobachtete bei 30 in Pretoria untersuchten Patienten die folgenden Symptome:

  • Körper- und Gliederschmerzen,
  • starke Müdigkeit,
  • kein Geruchs- oder Geschmacksverlust - anders als bei anderen Varianten.

Ist Omikron weniger gefährlich als andere Varianten?

Coetzee beschrieb die Symptome von den rund 30 untersuchten Patienten in Pretoria als mild. Lauterbach hält einen leichteren Krankheitsverlauf für "denkbar". Er wies aber darauf hin, dass Südafrika eine sehr junge Bevölkerung hat, während Deutschland das Land mit der ältesten Bevölkerung in Europa sei, viele ältere Menschen davon chronisch erkrankt.

Lauterbach warnte ebenso, es sei Wunschdenken, dass Viren bei der Mutation grundsätzlich immer ansteckender, aber weniger gefährlich würden. Gleichzeitig verwies er darauf, dass eine "komplett impfresistente Variante unwahrscheinlich" sei. Sandra Ciesek sagte: "Ich habe Berichte über milde und schwerere Verläufe gelesen, aber man kann das nicht aufgrund von Anekdoten über Einzelfälle beurteilen."

Ein Todesfall im Zusammenhang mit einer Omikron-Infektion wurde laut WHO bislang nicht festgestellt.

Wirkt die Corona-Impfung gegen Omikron?

Das ist noch unklar. Der Charité-Virologe Christian Drosten geht davon aus, dass die verfügbaren Impfstoffe grundsätzlich auch gegen die neue Variante schützen, insbesondere gegen schwere Krankheitsverläufe. Und aus seiner Sicht ist es "noch besser, wenn man geboostert ist".

Auch Lauterbach geht davon aus, dass die Impfung auch bei Omikron schwere Erkrankungen verhindert. Der Booster schütze "wahrscheinlich voll". Deutlich skeptischer äußerte sich der Epidemiologe Timo Ulrichs. Die deutlich stärkeren Veränderungen im Vergleich zum ursprünglichen Virus "könnten das Potential haben, die bestehende Immunisierung der bisher verwendeten Impfstoffe zu umgehen", sagte er.

Biontech hat bereits eine Prüfung seines Vakzins eingeleitet und will es gegebenenfalls anpassen. Erste Ergebnisse sollen demnach in spätestens zwei Wochen vorliegen. Das US-Unternehmen Moderna kündigte an, eine spezielle Auffrischungsimpfung gegen die Omikron-Variante zu entwickeln.

Virologin Sandra Ciesek zufolge sei die Anpassung der Impfstoffformeln leicht umzusetzen: "Das ginge relativ schnell und unkompliziert", sagte sie im NDR-Podcast "Coronavirus-Update". Die kürzlich entwickelten Corona-Medikamente Molnupiravir und Paxlovid würden wohl weiter wirken, da Omikron nur jeweils eine Mutation an den entsprechenden Angriffspunkten der Wirkstoffe zeige. Lesen Sie hier: Omikron – Schützt die Corona-Impfung auch vor der neuen Variante?

Antigen, PCR, Schnelltest: Können Tests Omikron nachweisen?

Infektionen mit der Omikron-Variante lassen sich mit den bestehenden PCR-Tests nachweisen, wie die WHO am Sonntag bestätigte. Die Aussagekraft anderer bestehender Testformen wie des Antigen-Schnelltests müsse aber weiter untersucht werden.

Die Virologin Sandra Ciesek twitterte bereits, dass die Antigentests auch bei Omikron funktionieren würden. Im NDR-Podcast "Coronavirus-Update" sagte Ciesek außerdem, dass speziell auf Omikron zugeschnittene Mutations-PCR womöglich kommende Woche verfügbar sein werden.

Name: Warum heißt die neue Variante Omikron?

Der Name Omikron ist ein Buchstabe aus dem griechischen Alphabet. Die WHO benennt auffällige Corona-Varianten seit einiger Zeit danach. Damit soll verhindert werden, dass die Orte, an denen die Varianten erstmals auftreten, als Bezeichnung verwendet und sprachlich an den Pranger gestellt werden. Der Reihenfolge nach hätte nun eigentlich Ny folgen sollen - doch die WHO ließ diesen und auch gleich den folgenden Buchstaben Xi aus.

Was wird zum Schutz vor Omikron unternommen?

Seit Sonnabend dürfen aus Südafrika nur noch Bundesbürger oder in Deutschland lebende Ausländer nach Deutschland einreisen. Südafrika und mehrere Nachbarstaaten werden zu Virusvariantengebieten erklärt. Alle Reisende müssen nach Ankunft für 14 Tage in Quarantäne, auch Geimpfte. Großbritannien, Belgien, Österreich, Italien, Malta, Tschechien, Israel Australien und Brasilien haben ähnliche Maßnahmen ergriffen. Weitere EU-Staaten dürften folgen.

Was droht Europa und Deutschland wegen der Omikron-Variante?

Die US-Datenbank Worldometer ist ein Fieberthermometer der Pandemie. Bei der Zahl der neuen Fälle listete sie Deutschland am Wochenende weltweit auf Platz eins, gefolgt von Großbritannien, Frankreich, Russland und Polen. Europa ist der Hotspot schlechthin. Sollte sich Omikron als ansteckender erweisen und in Europa verbreiten, würde sich die Infektionslage verschärfen. Booster-Vorreiter Israel befürchtet bereits eine fünfte Welle.

Omikron-Ausbreitung: Ist die Ampel gefordert?

Aus der Union kommt die Forderung nach schärferen Maßnahmen und die Bitte, die Ampel-Parteien mögen einen Gesundheitsminister oder eine -ministerin benennen, mit dem oder der man in der Übergangsphase bis zur Übernahme der Amtsgeschäfte das Krisenmanagement regelt. Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) schlug Lauterbach vor. Doch der Kanzler in spe, Olaf Scholz (SPD), hält sich bedeckt. Er beteuerte in allgemeiner Form, es gebe derzeit eine enge Zusammenarbeit der künftigen und der jetzigen Regierung. Es gebe nichts, was nicht in Betracht gezogen werde. Für den Grünen-Gesundheitsexperten Janosch Dahmen ist es "offensichtlich, dass die Infektionsdynamik ungebremst dazu führt, dass die Belastung im Gesundheitswesen und die Zahl der erkrankten und sterbenden Menschen viel zu schnell zunimmt".

Er sagte unserer Redaktion, es sei ihm unverständlich, "wieso eineinhalb Wochen nach dem Beschluss des Bundestags nicht flächendeckend 2G plus für Veranstaltungen gilt und in den am heftigsten betroffenen Regionen keine Regelungen zur Kontaktbeschränkung erlassen werden". Man werde darüber hinausgehende Maßnahmen brauchen. "Bund und Länder müssen darüber sprechen, wie wir sicherstellen, dass die notwendigen Maßnahmen jetzt auch eingeführt und kontrolliert werden." Vor allem müssten sie klären, wie die Krankenhäuser reagieren sollten. "Wir müssen jetzt überall umstellen auf Notbetrieb."

(fmg/ mit dpa und afp)

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