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„Unwort des Jahres“: Gewinner ist kein Corona-Begriff

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Das sind die Unwörter des Jahres

Das sind die Unwörter des Jahres

Sprachwissenschaftler und Publizisten haben erstmals zwei Unwörter des Jahres gekürt: "Corona-Diktatur" und "Rückführungspatenschaften". Die Jury geht bei ihrer Wahl einerseits auf die Dominanz des Themas Corona ein; andererseits weist sie darauf hin, dass auch in anderen Bereichen inhumane und verharmlosende Wörter verwendet werden.

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Marburg.  Mehr als 1300 Vorschläge für das nächste „Unwort“ sind bei der Jury eingegangen. Am Mittwochmorgen wurde der Gewinner bekannt gegeben.

Klimahysterie, Corona-Diktatur, Volksverräter oder alternative Fakten – all diese Begriffe haben es bereits ganz nach oben geschafft und wurden in den vergangen Jahren zum „Unwort des Jahres“ gekürt. Seit Mittwochmorgen ist der – etwas überraschende – Gewinner bekannt: "Pushback".

Anders als im letzten Jahr hat damit kein Corona-Begriff gewonnen. Bei Pushbacks werden Migrantinnen und Migranten von den Grenzen eines Landes zurückgedrängt. Zuletzt wurde viel darüber berichtet, weil Geflüchtete an der polnisch-belarusischen Grenze von Polen zurückgedrängt wurden. Auch Griechenland schickt Geflüchtete immer wieder illegal in die Türkei zurück – zum Teil auch unter Anwendung von Gewalt.

"Unwort des Jahres": Ein Preis der "Sprachkritischen Aktion"

Jedes Jahr wird der Preis von der „Sprachkritischen Aktion“ verliehen – und das bereits seit 1991. Die Jury, die überwiegend aus Sprachwissenschaftlern besteht, will damit auf unangemessenen, verschleiernden oder gar diffamierenden öffentlichen Sprachgebrauch aufmerksam machen und so sensibilisieren.

Nach Angaben der sprachkritischen Aktion, erreichten die Jury diesmal rund 1300 Einsendungen mit Wortvorschlägen. Darunter seien etwa 450 verschiedene Begriffe gewesen, von denen knapp 45 den Kriterien entsprochen hätten, berichtete Jury-Sprecherin Constanze Spieß. Viele Vorschläge betrafen die Corona-Pandemie, wie die Aktion vor einigen Wochen den Zwischenstand bei den Einsendungen mitgeteilt hatte.

Vorschläge müssen bestimmte Kriterien erfüllen

Reine Schimpfwörter werden in diesem „Wettbewerb“ nicht beachtet. Denn Vorschläge müssen mindestens eines dieser Kriterien erfüllen: Es werden Begriffe gesucht, die gesellschaftliche Gruppen diskriminieren, gegen die Prinzipien der Menschenwürde oder Demokratie verstoßen oder irreführende, euphemistische Formulierungen darstellen.

Die „Unwörter“ der Vorjahre waren in Darmstadt präsentiert worden. Mit einem Wechsel bei der Jury zog die Bekanntgabe nun an die Uni Marburg um. Zuletzt gab es zwei „Unwörter“: Für 2020 lauten diese „Corona-Diktatur“ und „Rückführungspatenschaften“. (aju/te/dpa)

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