Pandemie

Wo die Corona-Variante Omikron am schlimmsten wütet

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Coronavirus: Die typischen Symptome bei einer Omikron-Infektion

Das sind die häufigsten Omikron-Symptome

Die neue Virusvariante Omikron dominiert das Infektionsgeschehen. Diese Symptome deuten auf eine Omikron-Infektion hin:

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Berlin  Europa ist der Hotspot der hoch ansteckenden Virusvariante Omikron. Frankreich, Dänemark und Griechenland sind am stärksten betroffen.

„Omikron wird keine Welle, sondern eine Wand“, sagen Virologen bereits seit Wochen voraus. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnt nun: Bis März werde sich mehr als die Hälfte der Bevölkerung Europas mit der hochinfektiösen Virusvariante angesteckt haben. Der US-Experte Anthony Fauci geht sogar noch weiter: Früher oder später werde es alle Menschen treffen. Ein Überblick über die Länder in Europa, wo die Zahl der Neuinfektionen am höchsten ist.

Omikron: So verbreitet ist die Variante in Frankreich

Die Zahlen sind dramatisch: Frankreich verzeichnet knapp 3000 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen einer Woche – Ergebnis der rasanten Ausbreitung von Omikron. Trotz dieser hohen Sieben-Tage-Inzidenz bleiben Regierung und Bevölkerung relativ gelassen. Die Krankenhäuser sind bislang nicht überlastet. 4000 Intensivbetten sind mit Covid-19-Patienten belegt. Das sind 72 Prozent aller verfügbaren Plätze. Omikron sorgt in der Regel nicht für schwere Krankheitsverläufe.

Frankreich verfügt über eine vergleichsweise hohe Impfquote. 92 Prozent der Einwohner über zwölf Jahren sind vollständig geimpft, 45 Prozent haben bereits eine Auffrischung (Booster) erhalten. Schulen, Universitäten, Sport- und Kultureinrichtungen sowie Restaurants und Bars bleiben weiterhin geöffnet.

Dennoch will Präsident Emmanuel Macron den Druck auf die Impfgegner erhöhen. Bereits kommende Woche soll ein Gesetz in Kraft treten, welches der deutschen 2G-Regel ähnelt. Ungeimpfte sollen sich nicht mehr „freitesten“ können, wenn sie ein Restaurant, Café, Kino, Theater oder Museum besuchen wollen. Das Gleiche gilt für Reisen mit Bahn, Fernbus oder Flugzeug.

Dänemark bleibt gelassen - auch bei 90 Prozent Omikron-Anteil

Das Land ist mit einer Inzidenz von gut 2400 Hochrisikogebiet. Mehr als 90 Prozent der rund 22.000 Neuinfektionen werden auf Omikron zurückgeführt. Doch die Menschen bleiben gelassen. Dänemark impft und testet, was das Zeug hält – und hofft, mit dieser Strategie die Pandemie bald hinter sich lassen zu können.

Professor Ole Olesen vom Institut für öffentliche Gesundheit an der Universität Kopenhagen ist sich ziemlich sicher, „dass wir im Laufe des Januars und Fe­bruars eine generelle Immunität in der Bevölkerung von 80 bis 90 Prozent aufbauen“. Dann könne sich Dänemark schon in ein paar Monaten von den allgemeinen Corona-Beschränkungen verabschieden.

Griechenland verschärft Einreiseregeln wegen Omikron

Omikron hat auch Griechenland längst erreicht, die Inzidenz liegt bei mehr als 2100. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums entfallen rund 90 Prozent der Neuinfektionen auf Omikron. Knapp 70 Prozent der Bevölkerung sind doppelt geimpft. Eine Impfpflicht gilt derzeit für alle über 60.

Die Einreiseregelungen wurden verschärft. Seit dem 10. Januar müssen alle Einreisenden ab fünf Jahren einen negativen PCR-Test oder Antigen-Schnelltest haben – auch wenn sie geimpft oder genesen sind. Für Restaurants, Kinos, Museen gilt 2G.

Schweiz: Rückläufige Krankenhauseinweisungen trotz Omikron

Die Inzidenz in der Schweiz liegt bei über 2000. Zwei Drittel der täglich etwa 24.000 Neuinfektionen gehen auf Omikron zurück, Tendenz rasant steigend. Trotz der geringen Impfquote von unter 70 Prozent gelten die Krankenhäuser nicht als überlastet. 8,4 Prozent der Klinikbetten sind mit Corona-Patienten belegt, auf den Intensivstationen sind es mehr als 30 Prozent. Auch in der Schweiz hat Omikron nicht zu einem parallelen Anstieg der Krankenhauseinweisungen geführt – sie sind zurzeit eher rückläufig.

Seit dem 20. Dezember gilt 2G. Nur Geimpfte oder Genesene dürfen in die Innenräume von Restaurants, Kultur- Freizeit- und Sporteinrichtungen.

Italien: Personalengpässe wegen vielen Neuinfektionen

In Italien ist die Inzidenz auf rund 2000 geklettert. Seit dieser Woche gilt in Hotels, Kongresszentren, Restaurants, an Skiliften und in öffentlichen Verkehrsmitteln die 2G-Regel. Omikron macht inzwischen 70 Prozent aller Infektionen aus. Zwei Millionen Italiener sind in Quarantäne. Dies führt zu erheblichen Personalengpässen im öffentlichen Dienst und in der Privatwirtschaft.

Am Montag begann in den meisten der 20 Regionen wieder der Schulunterricht nach den Winterferien, doch rund zehn Prozent der Lehrkräfte fielen aus. Die Regierung hat eine Impfpflicht für alle Italiener über 50 Jahren eingeführt.

Aktuell liegen 1677 Covid-19-Patienten auf den Intensivstationen. Das entspricht rund 16 Prozent aller Intensivbetten. Belastet ist das Gesundheitssystem durch die vielen an Corona erkrankten Pflegekräfte. Es herrscht Personalmangel. Viele Angestellte, die mit der Impfpflicht nicht einverstanden sind, wurden vom Dienst suspendiert.

Spanien vertraut auf seine hohe Impfquote

Die Inzidenz stieg in Spanien auf mehr als 1720. Omikron verursacht bis zu 90 Prozent aller Ansteckungen. Zu Beginn der Pandemie hatte Spanien den härtesten Lockdown der EU. Doch auf dem Höhepunkt der Omikron-Welle überrascht Spanien mit einer extrem lockeren Corona-Politik. Warum? Das Land vertraut auf seine Impfquote: 80 Prozent haben den doppelten Piks, die dritthöchste Quote Europas. Allerdings sind bisher nur 34 Prozent „geboostert“.

Die Krisenkonferenz aus Staat und Regionen vereinbarte lediglich eine umstrittene Rückkehr der Maskenpflicht im Freien – egal, ob man sich allein auf der Straße oder in einer Menschenmenge befindet. Aber es gibt keine landesweiten 2G- oder 3G-Regeln, Testpflichten, Kontaktbeschränkungen oder Schließungen von Nachtclubs. Stattdessen kam eine Lockerung der Quarantäne- und Testpolitik.

Einige Regionen, wie Mallorca oder die Kanaren, beschlossen auf eigene Faust 3G-Regeln. In den Hospitälern steigt der Druck: 17.000 Corona-Kranke werden stationär behandelt, 24 Prozent der Intensivbetten sind mit Covid-19-Patienten belegt.

Vereinigtes Königreich: Erfolgreiche Booster-Kampagne, sinkende Inzidenzen

Die Omikron-Welle hat für die höchsten Infektionsraten seit Beginn der Pandemie gesorgt. Die Inzidenz liegt bei über 1600. Die Zahlen schossen auch deshalb nach oben, weil die Regierung auf schärfere Einschränkungen verzichtete. Es wurden im Dezember lediglich die Maskenpflicht und Impfausweise bei Großanlässen eingeführt.

Der Gesundheitsdienst startete eine Turbo-Kampagne, um Millionen von Briten den Auffrischungs-Piks zu verpassen. Mit einigem Erfolg: Bislang haben über 53 Prozent der Bevölkerung eine dritte Dosis erhalten. Der Höhepunkt der Welle scheint bereits überschritten: Die Inzidenzen bleiben zwar hoch, sinken aber seit einigen Tagen.

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