Naturkatastrophe

Vulkanausbruch bei Tonga sorgt für spektakuläre Videos

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Vulkanausbruch in Tonga löst rund um den Globus Tsunami-Alarm aus

Vulkanausbruch in Tonga löst rund um den Globus Tsunami-Alarm aus

Ein Vulkanausbruch im Südpazifik-Inselstaat Tonga hat Tsunami-Alarm in mehreren Weltregionen ausgelöst. In Tonga entstanden ersten Angaben zufolge schwere Schäden, Berichte über Verletzte oder Todesopfer gab es zunächst nicht.

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Sydney/Berlin  Ein Vulkanausbruch in Tonga hat einen Tsunami ausgelöst. Die Situation vor Ort ist unübersichtlich. Selbst die USA sind betroffen.

  • Der Ausbruch eines bei der Inselgruppe Tonga gelegenen Unterwasservulkans hat für Tsunamis und Überschwemmungen gesorgt
  • In den sozialen Netzwerken verbreiteten sich spektakuläre Videos
  • Die Druckwelle, die von dem Vulkanausbruch ausging, reichte bis nach Deutschland

Tonga ist am Wochenende gleich von zwei schweren Naturkatastrophen getroffen worden. So hat der Ausbruch eines Unterwasservulkans Tsunami-Wellen ausgelöst, die anscheinend mehrere Inseln Tongas überschwemmt haben. Wissenschaftler warnen zudem vor den Folgen der Vulkanasche, die sich über der Hauptinsel verteilt hat.

Die "US-Storm Watch" postete Satellitenaufnahmen des Ausbruchs auf Twitter und schrieb, dass die Eruption des Vulkans Hunga Tonga der bisher "stärkste und heftigste Ausbruch des 21. Jahrhunderts" zu sein scheint.

Der geologische Dienst von Tonga schrieb auf Facebook, dass Gas, Rauch und Asche von der Eruption 20 Kilometer in die Luft geschleudert worden seien. Berichten zufolge war die Explosion auch in mehreren Tausend Kilometer Entfernung in Neuseeland noch zu hören. In Japan, den USA, Neuseeland und Australien wurden am Wochenende Strände gesperrt und Tsunamiwarnungen ausgegeben. "Verlassen Sie Strände, Häfen und Jachthäfen", empfahl etwa der US-Wetterdienst den Küstenbewohnern von Kalifornien bis Alaska. Die Meteorologen warnten vor bis zu 60 Zentimeter hohen Wellen, einer reißenden Strömung und Überschwemmungen an der Küste.

Vulkanausbruch: Erste Bilder zeigen Zerstörung auf Tonga

Welches Ausmaß an Zerstörung die Tsunami-Wellen auf Tonga angerichtet haben, war auch Montag schwer einzuschätzen. Bisher sind nur wenige Videos auf sozialen Medien geteilt worden. Diese zeigen erste Überschwemmungen und Menschen, die vor den Wellen auf höheres Gelände flüchten. Außerdem ist zu sehen, wie sich der Himmel mit Asche verdunkelt. Neuseeländische Medien berichteten, dass sich die Schäden hauptsächlich entlang der Westküste konzentrieren würden.

Ein Video, das vom neuseeländischen Hochkommissariat in Tongas Hauptstadt Nuku'alofa aufgenommen wurde, zeigt laut einem Bericht des "Guardian", dass die Innenstadt überschwemmt wurde, darunter auch der Königspalast und die größte Bank Tongas.

Fotos von anderen Inseln zeigen aufgerissene Straßen und Teile einer zerstörten Seemauer. Die Wohltätigkeitsorganisation Save the Children schrieb in einer Presserklärung, die unmittelbare Sorge sei aufgrund von Asche und Rauch die Luft- und Wassersicherheit. "Die Regierung hat die Öffentlichkeit gebeten, vorerst Masken zu tragen und Wasser in Flaschen zu verwenden."

Tsunami-Wellen erreichen Fidschi-Inseln nach Vulkan-Ausbruch in Tonga
Tsunami-Wellen erreichen Fidschi-Inseln nach Vulkan-Ausbruch in Tonga

Chaos auf Tonga: Asche erschwert Hilfsflüge

In den Stunden nach dem Ausbruch fielen die Telefon- und Internetverbindung sowie der Strom auf den Inseln aus. Dies erschwert auch Hilfsmaßnahmen, die für die rund 105.000 Bewohner Tongas aus dem Ausland anlaufen. Neuseeland wie auch Australien schickten am Montag jedoch Aufklärungsflüge in die Region.

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Diese konnten wegen der gefährlichen Aschewolke erst später als gewünscht stattfinden. Neuseelands Premierministerin Jacinda Ardern sagte bereits am Wochenende, dass auch ein Flieger bereit stehe, um Wasser, Lebensmittel und medizinische Hilfsgüter zu transportieren. Auch die Marine würde sich bereits auf einen Einsatz vor Ort vorbereiten. "Wir sind bereit, unsere Freunde und Familie in Tonga zu unterstützen", sagte die neuseeländische Regierungschefin am Sonntag. Auch von Australien aus sind Hilfsaktionen geplant.

Bisher gibt es keine Nachrichten von Opfern. Doch laut eines Berichts des "Guardian" wird eine britische Frau vermisst. Die 50-Jährige, die seit 2015 auf Tonga lebte und mit ihrem Mann ein Tattoo-Studio betrieb, sei von dem Tsunami ins Meer gespült worden, hieß es. "Angela und ihr Ehemann James wurden weggespült", sagte ihr Bruder Nick Eleini der britischen Zeitung. "James konnte sich ziemlich lange an einem Baum festhalten, aber Angela war dazu nicht in der Lage."

Hunga Tonga ist für Ärger bekannt

Der Vulkan, der mit vollem Namen Hunga Tonga-Hunga Ha’apai heißt, ist 1800 Meter hoch, 20 Kilometer breit und liegt rund 65 Kilometer nördlich von Tongas Hauptstadt Nuku’alofa entfernt. Hunga Tonga hat schon häufiger Schlagzeilen gemacht. 2015 spuckte der Unterseevulkan wochenlang Asche und Lava. Der Flugverkehr musste zeitweise umgeleitet werden und die Eruption formte sogar eine neue, rund zwei Kilometer lange Insel, die fast völlig aus Asche bestand. "Die Schönheit der Natur war einfach überwältigend", schrieb die Tonganerin Fatai Fainga'a, die die Gewässer vor der Insel damals mit einem Boot besucht hatte, auf ihrer Facebook-Seite.

Tonga liegt am Pazifischen Feuerring und erfährt häufig seismische Aktivitäten. Erdbeben und Vulkanausbrüche sind keine Seltenheit. Auch dass sich vollkommen neue Landbereiche durch einen Vulkanausbruch bilden, kommt immer wieder vor.

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Selbst in Mitteleuropa registrierten Wetterstationen die durch den Ausbruch ausgelöste Druckwelle durch einen Sprung beim Luftdruck. "An allen Wetterstationen in Deutschland deutlich registriert: Zwischen 20 und 20.30 Uhr ging die Druckwelle des Vulkanausbruchs bei Tonga durch", schreibt etwa der Meteorologe Thomas Sävert auf Twitter.

Vulkane können mitunter immense Auswirkungen auf das Klima haben: Durch Erruptionen kommt es zum Ausstoß von Kohlenstoffdioxid, das den Treibhauseffekt verstärkt. Auf der anderen Seite sorgen Vulkane unter bestimmten Bedingungen auch für eine Abkühlung. Lesen Sie dazu: Vulkanausbrüche: Diesen Einfluss haben Eruptionen aufs Klima

(mit fmg/AFP/dpa)

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