Cannabis-Tourismus

Amsterdam: Bürgermeisterin will Kiff-Tourismus stoppen

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Corona und Osterferien: Das müssen Reisende im Ausland beachten

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Wer über Ostern in den Urlaub fahren möchte, sollte sich vorher über die Corona-Regelungen in den jeweiligen Ländern erkundigen.

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Amsterdam  Amsterdam ist für seine Coffeeshops bekannt, in denen jeder Marihuana kaufen kann. Das will die Bürgermeisterin der Stadt jetzt ändern.

Amsterdam, die Haupstadt der Niederlande. Mehr als drei Millionen Touristen kommen jährlich und genießen die pittoresken Grachten, die Museen – und die Coffeeshops. Anders als der Name vermuten lässt, wird dort statt Kaffee eher Marihuana gekauft.

Die liberale Drogenpolitik ist Amsterdams Bürgermeisterin Femke Halsema allerdings ein Dorn im Auge. In einem Brief an den Stadtrat beschreibt die 55-Jährige von der GroenLinks-Partei ihre Sorge, dass der Cannabishandel in der Stadt auf eine unkontrollierbare Größe herangewachsen sei. Das berichtet die niederländische Tageszeitung "Het Parool".

Amsterdam: Cannabishandel ist Einfallstor für Verbrechen

Der gewachsene legale Grashandel in der Stadt sei dabei ein Einfallstor für Verbrechen, schreibt Halsema in ihrem Brief an den Stadtrat: "Es gibt eine besorgniserregende Abhängigkeit zwischen weichen und harten Drogen: Geld aus dem lukrativen Cannabishandel findet seinen Weg in die harte Drogenszene." Auch interessant: Kein Sex in Amsterdam: Das Rotlichtviertel wird verbannt

Aus diesem Grund sollen Touristen in Zukunft kein Gras mehr in der niederländischen Hauptstadt kaufen können, wenn es nach Halsema geht. Sie will eine Regelung einführen, mit der nur noch niederländische Staatsbürger ihr Gras in Amsterdamer Coffeeshops kaufen können.

Coffeeshops in Amsterdam könnten Pleite gehen

Eine solche Regelung würde finanzielle Konsequenzen für die Coffeeshops haben, schreiben Analysten der Beraterfirma Breuer & Intraval dem Onlinemagazin "NL Times". Denn es bräuchte nur 66 Coffeshops in der Stadt, um den Bedarf ihrer Einwohner zu decken. Derzeit gäbe es aber 166 Gras-Verkaufsstellen in Amsterdam. Deshalb erwartet Breuer & Intraval, dass viele Läden pleite gehen würden und andere auch weiterhin Cannabis an Touristen verkaufen, um ihre laufenden Kosten zu decken – auch, wenn das dann illegal ist.

Kaum vorhersagen lassen sich indes die Auswirkungen der von Halsema vorgeschlagenen Regelung auf den Drogen-Schwarzmarkt. Zwar gehen die Experten von Breuer & Intraval davon aus, dass die Straßendealer ihr Angebot schnell auf weiche Drogen von hoher Qualität ausweiten würden, wie viele Touristen ihr Gras dann illegal kaufen würden, können sie allerdings nicht prognostizieren.

Trotz der vielen Bedenken sei die Regel, dass nur Einheimische Gras in Coffeeshops kaufen dürfen, "die beste Maßnahme, um den Cannabismarkt kontrollierbar" zu machen, schreibt die Bürgermeisterin in ihrem Brief. Das entspreche auch der Meinung von Polizei und Staatsanwaltschaft.

Parteien im Stadtrat lehnen Cannabisverkauf nur für Einheimische ab

Ob der Vorschlag von Femke Halsema letztendlich umgesetzt wird, ist allerdings fraglich. Denn die tendenziell linken Parteien im Stadtrat lehnen den Vorstoß der Bürgermeisterin ab. Die sozialdemokratische Partij van de Arbeid will nur zustimmen, wenn zeitgleich ein Konzept zur Beseitigung des Schwarzmarktes erarbeitet und umgesetzt wird. Auch interessant: Urlaub, Türkei & Co: Die günstigsten Länder im Vergleich

Das alles hält Bürgermeisterin Halsema allerdings nicht davon ab, ihren Plan weiter zu verfolgen. Im weiteren Verlauf des Jahres will sie Umsetzungs- und Durchsetzungsmöglichkeiten im Stadtrat präsentieren. Und wer weiß – vielleicht fahren Touristen dann bald nur noch nach Amsterdam, um sich die schönen Grachten und Museen anzusehen. Und um in Coffeshops auch mal einen Kaffe zu trinken.

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