Prozess

US-Autorin von "Wie man seinen Ehemann umbringt" tötet Mann

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Undatiertes Foto nach ihrer Festnahme: Nancy Crampton Brophy.

Undatiertes Foto nach ihrer Festnahme: Nancy Crampton Brophy.

Foto: AFP PHOTO / Multnomah County Sheriff's Office

Washington.  Die Autorin des Essays „Wie man seinen Ehemann umbringt” wurde zu 25 Jahren Haft verurteilt. Warum? Weil sie ihren Ehemann tötete.

Als Nancy Crampton Brophy vor über zehn Jahren ihren Essay mit der süffigen und wahrscheinlich klickträchtigen Überschrift "Wie man seinen Ehemann tötet" unter die Leute brachte, hatte die großmütterlich wirkende Hobby-Schriftstellerin aus Portland/Oregon in den USA bei den möglichen Todesarten Pistolen im Grunde ausgeschlossen.

Sie seien "laut, stiften Unordnung und erfordern einiges Geschick", schrieb sie in ihrer Bedienungsanleitung zum subtilen Beseitigen eines ungeliebten Ehepartners.

Das hielt die 71-Jährige nach Überzeugung einer Geschworenen-Jury im US-Westküsten-Bundesstaat nicht davon ab, im echten Leben 2018 ihrem damals 63 Jahre alten Ehemann in der Kulinarik-Schule, in der er als Koch tätig war, mit einer Schusswaffe für immer den Löffel aus der Hand zu nehmen.

Ehemann getötet: Nancy Brophy hatte es auf die Lebensversicherung abgesehen

Daniel Brophy wurde mit zwei Schüssen, einer von hinten, einer von vorn, ins Herz gefunden. Nancy Brophy, die es auf seine 1,4 Millionen Dollar schweren Lebensversicherungen abgesehen hatte, wurde am Tatort von einer Überwachungskamera in ihrem Auto in einem schwarzen Nachthemd aufgenommen.

Sie muss für 25 Jahre hinter Gitter, was in Oregon lebenslänglich bedeutet. Frühestens im Alter von 96, so verfügte das Gericht unter Vorsitz von Christopher Ramras, könnte die Autorin, die die Strafmaßverkündung regungslos zur Kenntnis nahm, Haftverschonung beantragen.

Gericht sah Autorin als kaltblütige Mörderin

In dem siebenwöchigen Prozess ließ die Mörderin sämtliche Vorwürfe regelmäßig zurückweisen. Dass sie am Tatort gesehen wurde, gehe nur auf die harmlose Suche nach Inspiration für ein neues Buch zurück. Die Tatwaffe vom Typ Glock, eine nachträglich manipulierte "ghost gun", will sie ebenfalls lediglich für eine Buch-Recherche zu Studienzwecken gekauft haben. Und dass sie es auf das Geld von Daniel Brophy abgesehen haben könnte, sei ebenfalls falsch. Ihr wäre es mit ihm entschieden besser ergangen, sagte Brophy, als ohne ihn.

Staatsanwaltschaft, Sachverständige und Zeugen im Prozess legten den Juroren dagegen ein völliges anderes Bild hin: dass einer kaltblütigen Mörderin.

Brophy war als Roman-Autorin wenig erfolgreich

Von zentraler Bedeutung für den Ausgang des landesweit beobachteten Verfahrens war die Aussage von Brophys Zellen-Nachbarin Andrea Jacobs. Ihr erzählte die wenig erfolgreiche Roman-Schreiberin von Titeln wie "Der falsche Liebhaber" oder "Der falsche Ehemann" während ihrer seit Sommer 2018 währenden Untersuchungshaft offenbar haarklein, wie sie ihren Gatten um die Ecke brachte.

Brophy hatte sich in dem Beitrag über den Ehegatten-Mord, der sich im Rückblick wie eine Trockenschwimm-Übung liest und der im Prozess nicht als Beweismittel zugelassen war, geradezu sybillinisch über das Kern-Thema ausgelassen. "Ich finde es einfacher, Menschen den Tod zu wünschen, als sie tatsächlich zu töten", schrieb sie. "Aber was ich über Mord weiß, ist, dass jeder von uns es in sich hat, wenn man ihn weit genug treibt."

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Mord an Ehemann: Autorin will gegen Haftstrafe in Berufung gehen

Daniel Brophys Sohn Nathaniel Stillwater verlor nach der Verkündung der Haftstrafe, gegen die Brophy in Berufung gehen will, kurz die Nerven: "Du bist ein Monster!", schrie er die weißhaarige Seniorin an.

In "Wie man seinen Ehemann tötet" hatte Brophy noch getönt, dass sie persönlich für einen Mord, der sie ja letztlich befreien soll, "keine Zeit im Gefängnis verbringen möchte. "Und lasst mich das ganz klar fürs Protokoll sagen", fügte sie hinzu. "Ich mag keine Overalls und Orange ist nicht meine Farbe."

An beides wird sie sich nun viele Jahre gewöhnen müssen. Vielleicht sogar bis zum ihrem Tod.

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Dieser Artikel erschien zuerst auf morgenpost.de.

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