Verkehr

Deutsche Bahn: Darum muss das 9-Euro-Ticket bleiben

| Lesedauer: 3 Minuten
Wissenswertes zum Neun-Euro-Ticket

Wissenswertes zum Neun-Euro-Ticket

Mit dem Neun-Euro-Ticket können Bahnfahrer ab sofort deutschlandweit den Nahverkehr nutzen. Die Fahrkarte ist im Juni, Juli und August verfügbar. Doch wie weit kommt man mit dem Ticket und was ist eigentlich erlaubt?

Beschreibung anzeigen

Das 9-Euro-Ticket gibt es noch bis Ende August. Was kommt danach? Warum ein günstiges Ticket im öffentlichen Nahverkehr sinnvoll ist.

Das 9-Euro-Ticket erfreut sich großer Beliebtheit. Rund 30 Millionen Menschen haben es im Juni gekauft. Und die Mehrheit der Bürger – knapp 80 Prozent – möchte, dass es fortgesetzt wird und am besten für immer gilt. Der Wunsch nach günstiger Beförderung ist nachvollziehbar – und sollte als klares Zeichen dafür gewertet werden, dass viele Menschen bereit wären, vom Auto auf den ÖPNV umzusteigen, wenn dies finanziell attraktiv und möglich ist.

Doch ist die Politik bereit, diesen Wunsch der Bürgerinnen und Bürger umzusetzen? Ein Wunsch, der viele Milliarden Euro verschlingen würde.

9-Euro-Ticket: Der Ausbau der Bahn ist ein Weg für mehr Klimaschutz

Während Bundesfinanzminister Christian Lindner als Autofreund und Porsche-Fahrer die Verlängerung des 9-Euro-Tickets kategorisch ablehnt, fordern Vertreter von Grünen, SPD und Linken eine Verlängerung des Tickets für weitere Monate. Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen schlägt eine Fortsetzung als 69-Euro-Monatsticket vor, Bayerns Ministerpräsident Markus Söder und die Kommunen haben eine 365-Euro-Jahresvariante ins Spiel gebracht. Klar ist, jede dieser Alternativen ließe sich rein praktisch umsetzen. Es ist schlichtweg eine Frage der Finanzierung. Hier muss sich die Politik ehrlich machen.

Wenn die Verkehrswende zu Gunsten des Klimaschutzes und der Verringerung der Luftverschmutzung tatsächlich ernst gemeint ist, verlangt dies eine neue Prioritätensetzung in der Verkehrspolitik. Investitionen müssen neu auf Straße, Schiene, Luft- und Schifffahrt verteilt werden – und zwar mit Priorität auf Schiene und Schiff.

Die Eisenbahn gilt längst als die klimafreundlichere Alternative zum Straßenverkehr. Allerdings müsste ihr Ausbau viel konsequenter erfolgen. Je mehr Regionen und Orte mit Schienen verbunden sind, desto mehr Menschen werden auch bereit sein, das Auto stehen zu lassen und auf den öffentlichen Verkehr umzusteigen.

Noch ist Deutschland beim Ausbau knauserig. Während hierzulande 124 Euro pro Kopf in den Ausbau der Schiene investiert werden, sind es in anderen europäischen Ländern wie Österreich 271 Euro, in der Schweiz 413 Euro und in Luxemburg sogar 607 Euro. An diesem Vergleich sollte sich der Bundesverkehrsminister ein Beispiel nehmen. Denn nur eine leistungsfähige Schiene mit vielen guten Zügen lockt Menschen zum Umstieg.

9-Euro-Ticket: Wie die Kosten finanziert werden könnten

Gerade in ländlichen Regionen haben Bürger oft keine Möglichkeit, ohne Auto mobil zu sein. Hier herrscht vielerorts eine Versorgungswüste ohne öffentliche Transportmöglichkeiten. Ein Grund, weshalb Menschen auf dem Land von dem 9-Euro-Ticket kaum profitieren.

Wer den Umstieg wünscht, könnte auch Autofahrerprivilegien reduzieren. So könnte Parken auf der Straße grundsätzlich kostenpflichtig, die Pendlerpauschale für Autofahrer gesenkt oder die Steuer für Autoversicherungen erhöht werden.

Doch mit solchen Mitteln zur Gegenfinanzierung würde die Politik wohl die Mehrheit der Autobesitzer und die einflussreiche und wichtige Autoindustrie verärgern. Schritte, die sich aktuell kaum ein Politiker wagt, in einem Land, in dem noch nicht mal ein Tempolimit durchsetzbar ist, obwohl es das Klima und den Geldbeutel durch geringeren Spritverbrauch schonen würde.

Die Problemlage ist komplex. Da viele das 9-Euro-Ticket für Fahrten zu einem Ausflugsziel nutzen, wäre vielleicht ein bundesweit günstiges Tagesticket – von etwa 10 Euro – für den Regionalverkehr eine gute Alternative. Die Politik sollte sich auf alle Fälle auf eine Anschluss-Ticketvariante einigen – und nicht am Wunsch von Millionen vorbeiregieren.

Dieser Text erschien zuerst auf morgenpost.de.

Fragen zum Artikel? Mailen Sie uns: redaktion.online-bzv@funkemedien.de