Energiekrise

Blackout: Was passiert dann – und wie bereitet man sich vor?

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In Deutschland steigt die Angst vor Blackout.

In Deutschland steigt die Angst vor Blackout.

Foto: Christin Klose/dpa-tmn

Berlin.  Das Wort Blackout ist dieser Tage in aller Munde. Was ist das? Kann es dazu kommen, was passiert dann – und wie bereitet man sich vor?

In den vergangenen Tagen war viel von einem möglichen Blackout die Rede. Wegen der steigenden Energiepreise als Folge des russischen Angriffskrieges haben sich viele Menschen in Deutschland alternative Heizmöglichkeiten besorgt. Eine davon sind Heizlüfter. Insgesamt sollen 650.000 Stück verkauft worden sein.

Wenn alle Lüfter gleichzeitig angeschlossen würden, könne es zu einer Überlastung des Stromnetzes kommen und zu einem Blackout führen, fürchtet der Deutsche Städte- und Gemeindenbund. Die Gefahr sei gegeben, sagte der Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg, das Szenario sei "realistisch". Was aber bedeutet ein Blackout? Wie wahrscheinlich ist so ein Ereignis, was passiert im Extremfall – und wie kann man sich darauf vorbereiten?

Wann kommt es zu einem Blackout?

Zunächst einmal: Die Heizlüfter alleine werden in Deutschland nicht die Lampen löschen. Ein potenzielles Blackout hänge aber auch immer davon ab, "wie viel Strom Deutschland auch an seine Nachbarstaaten exportieren muss", sagte Frank Umbach, Energieexperte am Cassis Institut für Sicherheitsfragen der Universität Bonn in einem Interview mit dem Sender RTL. Umgekehrt hängt Deutschland auch am Netz seiner Nachbarstaaten, kann von dort Strom beziehen.

Ein Blackout ist niemals nur eine nationale Angelegenheit: Im Jahr 2020 zum Beispiel wandten die europäischen Stromnetzbetreiber in einem gemeinsamen Kraftakt einen drohenden Blackout gemeinsam ab, in dem sie in kurzer Zeit die Leistung von sechs Atomkraftwerken zusammenkratzen – sechs Gigawatt.

Ein Blackout bedeutet ein großflächiger Ausfall der Stromversorgung. Immer wieder kommt es zu kleineren Stromausfällen in Deutschland. Von einem Blackout spricht man aber erst wenn der Strom für mehrere Stunden oder Tage flächendeckend ausfällt. Dabei wird mehr Strom verbraucht als im Netz vorhanden ist – im Fachjargon auch "Lastunterdeckung" genannt. Das Stromnetz würde dann unkontrolliert zusammenbrechen – nicht nur in Deutschland. In Teilen Kontinentaleuropas fließe dann kein Strom mehr, schreibt der Übertragungsnetzbetreiber Amprion auf Twitter.

Sollte sich ein Blackout abzeichnen, stünden den Netzbetreibern Möglichkeiten zur Stabiliserung des Netzes zur Verfügung. Helfen diese nicht, kann in letzter Instanz die "kontrollierte Lastabschaltung" erfolgen. Damit ist gemeint, dass die Netzbetreiber Verbrauchern den Strom kappen, "diskriminierungsfrei" und "stundenweise", wie Amprion schreibt, also Privathaushalten und Unternehmen gleichermaßen. Anders als bei einem Blackout geschehe dies nur regional und sei gut zu steuern. Lesen Sie hier: Verbraucherschützer warnen vor teuren Elektroheizungen

Was passiert bei einem Blackout?

Bei einem Blackout würden alle elektronischen Systeme ausfallen. Beleuchtung, Kühlschrank, Herdplatte und Internet würden nicht mehr funktionieren. Auch elektronische Geräte wie Kühlungen, Schiebetüren in Geschäften oder Bankautomaten wären unbrauchbar, so das Energieunternehmen Netz Oberösterreich GmbH.

Im Prinzip würden alle Steckdosen nicht mehr funktionieren. Zusätzlich können Wasser- und Heizversorgung in der Wohnung ausfallen. Wasserpumpen werden oft mit Strom betrieben und wären bei einem Stromausfall funktionsunfähig. Dann gäbe es kein fließendes Wasser mehr in der Wohnung. Heizungen, die mit warmem Wasser betrieben werden, würden dann auch ausfallen.

Alle Geräte, die über Akkus laufen wären nur zeitlich begrenzt nutzbar. Das heißt Mobiltelefone und Laptops funktionierten nur noch bis die Akkus leer sind. Durch den Ausfall von Internet wäre zudem die Beschaffung von Informationen erschwert.

Was sollte man bei einem Blackout zuhause haben?

Um auf einen möglichen Stromausfall vorbereitet zu sein empfiehlt das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe Vorkehrungen zu treffen:

Das Bundesamt empfiehlt folgendes bereit zu halten:

  • Taschenlampe und Campinglampe mit Batterien
  • Kerzen
  • Campingkocher oder Tischgrill für draußen
  • Ersatz Akkus und Notfall Akkus für Laptops und Mobiltelefone
  • Batteriebetriebenes Radio
  • Bargeld

Es wird jedoch vor Panikmache gewarnt. Das Stromnetz sei stabiler als gedacht. In den vergangenen Jahren habe es weniger Stromausfälle gegeben. Von 2017 bis letztes Jahr sank die durchschnittliche Unterbrechungsdauer von 15,14 Minuten auf 10,73 Minuten, schreibt die "Frankfurter Allgemeine".

Auch seien Warnungen vor Blackouts, wie sie derzeit aus den Reihen der Bundestagsopposition schallen, "übertrieben", wie Energieexperte Christoph Maurer vom Beratungsunternehmen Consentec unserer Redaktion sagte. Mit einem deutschland- oder europaweiten Zusammenbruch des Netzes "ist nicht zu rechnen".

Wie wahrscheinlich ist ein Blackout?

Netzbetreiber Amprion rechnet selbst nicht mit einem Blackout. Im zweiten von der Bundesregierung beantragten Stresstest habe man verschiedene Szenarien zur Sicherheit der Stromversorgung für diesen Winter durchgerechnet. "Selbst auf Basis des schlechtesten von uns untersuchten Szenarios ist im Ergebnis nicht mit einem Blackout zu rechnen", so Amprion auf seiner Website.

Russische Cyberattacken könnten allerdings zu Gefährdung des Stromnetzes beitragen. In der Vergangenheit hatte es solche Angriffe auf deutsche Versorgungseinrichtungen gegeben – bisher jedoch ohne Auswirkungen. Durch den Krieg in der Ukraine hat sich die Situation verschärft. Ein Ausfall des gesamten Stromnetzes durch Cyberattacken ist jedoch eher unwahrscheinlich. Die Server verschiedener Netzbetreiber sind in ganz Deutschland verteilt, sodass es bei einem Angriff nur zu regionalen Ausfällen kommen würde.

Übrigens: Wer sich einen Heizlüfter angeschafft hat, sollte zweimal über dessen Verwendung nachdenken. Der Präsident der Bundesnetzagentur, Klaus Müller, warnte im "Tagesspiegel", sie zu nutzen sei selbst bei den hohen Gaspreisen teurer als Heizen mit Gas.

Dieser Artikel erschien zuerst auf morgenpost.de.

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