Jörg Knör erhält in Peine für seine Zeitreise Klatschmärsche

Peine.  Der Parodist tritt mit seinem Programm „Die Jahr-100-Show“ corona-bedingt nur vor 185 Zuschauern in den Peiner Festsälen auf.

Als Zugabe parodierte Jörg Knör, köstlich untern Kompott-Hütchen, die unvergessene Inge Meysel.

Als Zugabe parodierte Jörg Knör, köstlich untern Kompott-Hütchen, die unvergessene Inge Meysel.

Foto: Rainer Heusing

In der Corona-Krise ist eben alles anders, so auch am Donnerstagabend, als in den Peiner Festsälen die Theater-Saison 2020/21 eröffnet wurde. Bettina Wilts, Geschäftsführerin des Kulturrings Peine, sagte in ihrer Begrüßungsansprache, dass derzeit nur jeder vierte Platz besetzt werden dürfe. So erlebten nur 185 statt 750 Besucher den Auftritt Jörg Knörs, den sie nach 100 Minuten mit Bravo-Rufen bedachten. Eine Pause gab es – corona-bedingt – nicht.

Jörg Knör ist das, was man unter dem Begriff „Entertainer“ versteht. Er spielt auf allen Klaviaturen der Unterhaltungsbranche. Er spielt Saxofon, ist Schnellzeichner, Sänger und Parodist. In den Festsälen erwies er sich sogar als Philosoph. „Die jetzige Zeit“, sagte er, „lehrt uns zu schätzen, was schätzenswert ist.“

Er zeigte sich glücklich, in Peine gastieren zu dürfen. Denn die vergangenen sieben Monate ohne öffentliche Auftritte seien für ihn „wie Rente auf Probe“ gewesen. Sein Programm im Stadttheater stand unter dem Titel „Die Jahr-100-Show“. Genau sind es 102 Jahre. Denn der heute 61-Jährige ist seit 41 Jahren als Künstler unterwegs.

Jörg Knör, in dritter Ehe verheiratet, Vater dreier Kinder, nahm das Publikum mit auf eine Zeitreise, die von seiner Geburtsstadt Wuppertal über Auftritte im Ausland bis in die Kreisstadt Peine führte, von der er Fotos zeigte, die er nach seiner Ankunft gemacht hatte. Wie er überhaupt viele Darbietungen in den Festsälen mit Lichtbildern ergänzte.

Knörs Zeitreise war sentimental, sprich: voller Hochachtung für alle seine Wegbegleiter – von Opa Karl und seinem Zwillingsbruder bis Rudi Carrell („Er war mein Vorbild. Bei ihm hatte ich meinen ersten Fernseh-Auftritt.“), von Angela Merkel, mit der er am selben Tag (17. Juli) Geburtstag hat (Knör: „Wir sind Krebse, zum Hummer hat’s nicht gereicht.“) über Gilbert Bécaud, den er als ersten Künstler parodiert hatte, von Loriot bis zum Ehepaar Loki und Helmut Schmidt, den er von Wolke 7 mit rauchgeschwängerter Stimme sagten lässt: „Wenn der Glimmstengel glüht, ist das gut fürs Gemüt.“ Jörg Knör ist kein Imitator, sondern ein Parodist. Denn er macht bekannte Persönlichkeiten nicht nach, sondern stellt sie auf humorvolle Art dar, weil er sie verehrt. Knör: „Parodie ist ein Erinnern mit Respekt.“ Dabei schlüpft er auch gern in deren Garderobe, was ihm in den Festsälen unter anderem mit Karl Lagerfeld, Udo Lindenberg, Julio Iglesias und Harald Juhnke umwerfend komisch gelang. Das Publikum dankte mit Klatschmärschen und erhielt die unvergessene Inge Meysel als Zugabe.

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