Kaufmannsgilde sagt verkaufsoffenen Sonntag in Peine ab

Peine.  Die Geschäftstreibenden geben der Gewerkschaft Verdi die Schuld, dass am 4. Oktober nicht geöffnet werden kann.

Die Vorstandsmitglieder Jan Philip Colberg, Joachim Meyer, Melanie Mothes-Rump und Dunja Wittenberg der Kaufmannsgilde auf dem Peiner Marktplatz.

Die Vorstandsmitglieder Jan Philip Colberg, Joachim Meyer, Melanie Mothes-Rump und Dunja Wittenberg der Kaufmannsgilde auf dem Peiner Marktplatz.

Foto: Kaufmannsgilde

Die Kaufmannsgilde zu Peine zieht ihren Antrag an die Stadt auf einen verkaufsoffenen Sonntag am 4. Oktober zurück: Am 8. November will sie aber auf jeden Fall einen verkaufsoffenen Sonntag in Peine anbieten. Das geben die Gilde-Vorstandsmitglieder Melanie Mothes-Rump, Dunja Wittenberg, Jan Philip Colberg und Joachim Meyer nach einer Vorstandssitzung bekannt.

„Der Einzelhandel in Peine hätte diesen verkaufsoffenen Sonntag dringend gebraucht, da durch Feiertage im Oktober bereits zwei verkaufsstarke Samstage entfallen“, zeigt sich Colberg enttäuscht über das Ergebnis: „Aber in Anbetracht der rechtlichen und finanziellen Risiken blieb uns keine andere Wahl.“ Dunja Wittenberg erläutert die Lage: „Über viele Jahre haben wir mit ehrenamtlichem Engagement in der früheren City-Gemeinschaft und heutigen Kaufmannsgilde verkaufsoffene Sonntage vorbereiten können. Die geänderten rechtlichen Anforderungen werden aber von der Gewerkschaft Verdi ausgenutzt, um in der Coronakrise jede Lücke zu nutzen und gerichtlich dagegen vorzugehen. So verschärft Verdi die labile Lage des Peiner Einzelhandels.“

„Verdi hat ein Gespräch zurückgewiesen“

Daher werde die Kaufmannsgilde derartige verkaufsoffenen Sonntage nicht mehr selber vorbereiten können, sondern auf professionelle Unterstützung einer Agentur zugreifen, die mit dem gesamten Anforderungskatalog vertraut sei. Enttäuscht zeigt sich auch Joachim Meyer: „Wir haben in den vergangenen Wochen den Kontakt zu Verdi gesucht und um ein kurzfristiges Gespräch zur Abstimmung unserer Planungen für den 4. Oktober gebeten. Dies ist zurückgewiesen worden. Gleichzeitig verband das die Gewerkschaft mit der Ankündigung, den Rechtsweg zu beschreiten. Aufgrund der rechtlichen Rahmenbedingungen ist eine gerichtliche Auseinandersetzung nicht erfolgversprechend.“

Denn sie berge das Risiko, dass gegebenenfalls zwei Tage vor dem verkaufsoffenen Sonntag eine einstweilige Verfügung erlassen werde und damit den beteiligten Einzelhändlern und Schaustellern erhebliche Kosten entstünden. „Unsere Idee war es, den verkaufsoffenen Sonntag mit leichten Anklängen an Freischießen zu verbinden und den Schaustellern, die in diesem Jahr ohne Einnahmen dastehen, zumindest an einem Tag eine Möglichkeit für ihre Fahrgeschäfte zu eröffnen“, geht Melanie Mothes-Rump auf die bisherigen Planungen ein. Dies sollte verbunden werden mit einem Informationstag über Corona, an dem sich außer dem Gesundheitsamt die örtlichen Krankenkassen und ein Unternehmen für Arbeitssicherheit beteiligen wollten. Auch ein Hygienekonzept sei enthalten gewesen. Zudem habe das Ordnungsamt der Stadt die Planungen der Kaufmannsgilde positiv beurteilt.

„Traurig, dass das ehrenamtliche Engagement torpediert wird“

„Es ist traurig, dass das ehrenamtliche Engagement von Einzelhändlern mit juristischen Mitteln torpediert wird. Aber wir werden im November und auch im kommenden Jahr verkaufsoffene Sonntage nur noch durchführen können, wenn es uns mit professioneller Begleitung gelingt den hohen gesetzlichen Anforderungen gerecht zu werden. Und dann sind wir auch bereit, uns notfalls auf einen Rechtsstreit einzulassen“, macht Mothes-Rump aus ihrer Gefühlslage keinen Hehl. Als besonders traurig empfindet es die Kaufmannsgilde, dass sie gerade in der jetzigen Situation von der Gewerkschaft brüsk abgewiesen worden sei. Jochen Meyer: „Eigentlich hätte ich erwartet, dass in dieser schwierigen wirtschaftlichen Lage alle Beteiligten zusammenrücken, so wie es der ,Runde Tisch’ bei der Landesregierung, an dem auch die Gewerkschaft Verdi beteiligt war, suggeriert hat. Wir müssen aber feststellen, dass die damit verbundenen Hoffnungen leider nicht eingetroffen sind.“

Auch den verkaufsoffenen Sonntag Anfang September hat die Kaufmannsgilde seinerzeit abgesagt.

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