Nabu beringt in Meerdorf vier Schleiereulen

Meerdorf.  Die Jungtiere wachsen nach dem Orgelpfeifenprinzip auf. Nicht alle Eulen überleben in den Nistkästen.

Jürgen Heise (links), zertifizierter Schleiereulen-Beringer der Peiner Nabu-Eulengruppe, beringt hier eine Eule. Milko Landmann, der dem Eulen-Wurf auf seinem Hof in Meerdorf Unterschlupf gab, assistiert ihm dabei.

Jürgen Heise (links), zertifizierter Schleiereulen-Beringer der Peiner Nabu-Eulengruppe, beringt hier eine Eule. Milko Landmann, der dem Eulen-Wurf auf seinem Hof in Meerdorf Unterschlupf gab, assistiert ihm dabei.

Foto: Jörg Kleinert / BZV

Einen wie ihn gibt selten. Jürgen Heise ist Schleiereulen-Beringer. Im Peiner Land ist er der einzige neben Karl-Heinz Jeffe. Heise ist Leiter der Eulengruppe des Nabu Peine, deren Mitglieder sich in diesen Wochen um 110 über den Landkreis verteilte Nistkästen und die darin heranwachsenden Eulen mit dem markant herzförmigen Gesicht und den verhältnismäßig kleinen, schwarzen Augen kümmern.

Eine der letzten Stationen für Heise in diesem Brutjahr war am Freitag der Hof der Familie Landmann in Meerdorf. Vier Schleiereulen galt es dort für Heise zu beringen. „Man will damit feststellen, ob die Schleiereulen-Population größer oder kleiner wird“, erzählte Heise. „Einfach so“ dürfe indes niemand Schleiereulen beringen. „Dafür gibt es eine Ausbildung.“

Und die findet beim Institut für Vogelforschung „Vogelwarte Helgoland“ in einem Wochenendlehrgang statt, in dem neben praktischen Kenntnissen für die Beringung auch rechtliche Grundlagen vermittelt werden, erzählt der Nabu-Mann.

Ans Helgoländer Institut schickt Heise auch sämtlich Daten, die sich auf den kleinen Fuß-Ringen der Vögel befinden: Brutmonat, Brut- und Nistkasten, Ort der Aufzucht, zudem einige Kennziffern zur Wiedererkennung der Eulen.

Milko Landmann hat Heise bereits erwartet. Seit mehr als 20 Jahren hängt der Meerdorfer auf seinem Dachboden einen aus Spanplatten gebauten Nistkasten für Schleiereulen hinter einem ins Mauerwerk gehauenen Einflugloch auf. „In diesem Jahr hatte ich mal wieder einen Aufzucht-Erfolg, nachdem in den sieben Jahren davor komplett Ruhe war“, erzählt Landmann. Fünf Jungtiere lagen zunächst im Nistkasten, am Freitagnachmittag waren es nur noch vier. „Nichts Ungewöhnliches“, sagte Landmann. „Die Größeren hatten Appetit und haben das Kleinste aufgefressen.“

Auffällig war die unterschiedliche Größe der vier verbliebenen Jungtiere. Dieses „Orgelpfeifenprinzip“ lasse sich erklären, so Landmann. „Die Henne legt ihre Eier in zweitägigen Abständen und bebrütet sie sofort. In diesen Abständen schlüpfen die Jungen und sind deshalb unterschiedlich kräftig gewachsen.“ Den Jungtieren in seinem Nistkasten hat Landmann in den vergangenen Tagen zugefüttert. „Es hat sich nur noch eines der beiden Alttiere um die Fütterung gekümmert, dem anderen war es wohl zu stressig“, mutmaßte Eulengruppen-Chef Heise.

Tiefgefrorene Mäuse und Ratten standen auf dem Speiseplan, erzählte Landmann weiter. „Eine kostspielige Angelegenheit“, so der Meerdorfer. „Zehn Ratten und vier Mäuse gleich 35 Euro.“ Und die kleinen Schleiereulen seien durchaus hungrig, berichtete der Abbenser Lutz Rohde, ebenfalls ein Nistkasten-Besitzer, der die Beringungsaktion interessiert verfolgte.

„Pro Kopf müssen die Alttiere locker fünf, sechs Mäuse am Tag anschleppen.“ Tun sie das nicht – bei Regen etwa jagen sie nicht –, hungern die Jungtiere. Das könne einen, vielleicht zwei Tage lang gut gehen, doch dann passiere genau das, was Milko Landmann in seinem Nistkasten erlebt hat, so Rohde. „Dann fressen sie halt den Kleinsten und Schwächsten des Wurfs auf.“

Fünf Jungtiere, so wie in Landmanns Nistkasten, seien „ein Durchschnittswurf“, sagte Heise. „In guten Jahren könnten es bis sieben sein.“ Gute Jahre sind solche, in denen die Alttiere ausreichend Mäuse finden. „Dann brüten sie schon mal zwei Würfe pro Jahr aus.“ In den vergangenen Jahren hätten sich die Bestände der Schleiereulen stabilisiert, berichtete Heise. Er führte das auf die Arbeit der Eulengruppe zurück. An das Rekordjahr 2019, als es 34 Bruten mit 214 Jungtieren gab, reicht die Bilanz für 2020 indes nicht heran. „Wir haben 25 erfolgreiche Bruten mit 125 jungen Schleiereulen.“

Heise bleibt mit seinen Mitstreitern am Ball: „Unser Ziel ist, dass es bald in jedem Peiner Dorf einen bis zwei Brutkästen gibt, um die Schleiereule, die vom Aussterben bedroht ist, zu erhalten.“

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