Peiner Corona-Telefon: „Tonfall der Anrufer verschärft sich“

Peine.  Der Landkreis Peine beklagt Beleidigungen und ungebührliches Benehmen der Bevölkerung: Er schließt eine strafrechtliche Verfolgung nicht aus.

Die Mitarbeiterinnen Carolin Lahmann (links) und Denise David sind zwei von etwa 50 freiwilligen Helfern am Corona-Bürgertelefon der Peiner Kreisverwaltung.

Die Mitarbeiterinnen Carolin Lahmann (links) und Denise David sind zwei von etwa 50 freiwilligen Helfern am Corona-Bürgertelefon der Peiner Kreisverwaltung.

Foto: Landkreis

Seit mehr als sieben Monaten hat die Pandemie Deutschland und damit auch den Landkreis Peine fest im Griff – Corona-bedingte Auflagen gehören seitdem zum Alltag. Doch zusehends scheint die Krise an den Nerven der Menschen zu zerren – das bekommen auch die Mitarbeiter der Landkreisverwaltung zu spüren.

Mit dem erneuten kreisweiten Anstieg der Infizierten-Anzahl hat die Kreisverwaltung beim Bürgertelefon aufgerüstet. „Etwa 50 Bedienstete der Kreisverwaltung arbeiten – auch an den Wochenenden – im Schichtdienst, um pro Woche rund 750 bis 800 Fragen besorgter Bürger aufzunehmen“, beschreibt Kreissprecher Fabian Laaß. Die Anliegen werden erfasst und je nach Thema an das Gesundheitsamt oder die gemeinsame Corona-Fachgruppe des Rechts- und des Ordnungsamts weitergeleitet. „Das Personal kann jedoch nicht jede Frage sofort beantworten“, bittet Achim Effenberger, Koordinator des Bürgertelefons, um Verständnis. Allgemein gültige Auskünfte könnten direkt erteilt werden, gesundheitliche Fachfragen und Fragen zu Änderungen der Corona-Verordnung würden weitergeleitet. „In erster Linie geht es uns darum, dem Gesundheitsamt den Rücken frei zu halten“, erläutert Effenberger.

„Manche Anrufer machten sich über Mitarbeiter des Bürgertelefons lustig“

Überwiegend verliefen die Gespräche freundlich – allerdings: „In den vergangenen Wochen mussten wir vermehrt feststellen, dass sich der Tonfall der Anrufer verschärft hat“, bedauert der Koordinator. Die Nerven scheinen blank zu liegen, denn „Beleidigungen und ungebührliches Benehmen sind inzwischen an der Tagesordnung“. Manche Anrufer machten sich sogar über Mitarbeiter des Bürgertelefons lustig oder riefen mehrmals am Tag mit abstrusen Fragen an. Effenberger erinnert: „Alle Kollegen am Bürgertelefon haben sich freiwillig gemeldet, um für die Anliegen unserer Bevölkerung da zu sein. Der raue Ton mancher Anrufer stellt in dieser für uns alle herausfordernden Situation eine zusätzliche und unnötige Belastung dar.“ Im Sinne eines respektvollen Miteinanders bittet Effenberger eindringlich darum, die „Anliegen in angemessener Art und Weise vorzubringen“. Andernfalls behalte sich die Kreisverwaltung vor, Beleidigungen auch strafrechtlich zu verfolgen.

Bundesweit – und damit auch im Kreis Peine – arbeiten Gesundheitsämter wegen der Pandemie an ihrer Belastungsgrenze: In den Medien ist das immer wieder ein Thema. Das Peiner Kreis-Gesundheitsamt ist angesichts steigender Infektionszahlen zunehmend gefordert und arbeitet am Limit. „Deshalb haben wir das Personal im Gesundheitsamt durch Mitarbeiter aus anderen Fachdiensten der Kreisverwaltung verstärkt“, schildert Laaß. Auch an den Wochenenden werde in dem Amt am Maschweg in Peine gearbeitet, damit die Bevölkerung über die Corona-Testergebnisse informiert und Infektionsketten nachverfolgt werden können. „Die Zahl der Kontaktpersonen ist im Vergleich zum Beginn der Pandemie erheblich gestiegen“, hebt die Betriebsärztin Dr. Carit Grothusen hervor: „Deshalb haben wir das Unterstützungsteam zur Nachverfolgung der Kontaktpersonen deutlich vergrößert.“ Aufgrund der Corona-Erfahrungen aus dem Frühjahr habe das Gesundheitsamt die Abläufe optimieren und nun neue Software einsetzen können. „Dennoch ist die Arbeitsbelastung für jeden einzelnen sehr hoch“, verdeutlicht Dr. Carit Grothusen.

„Jeder Einzelne sollte nicht nur an sich, sondern auch an andere denken“

Zwei Mal wöchentlich tagt inzwischen auch wieder der Krisenstab des Landkreises, um über die steigenden Fallzahlen und notwendige Gegenmaßnahmen zu beraten: Zentrales Thema ist der Umgang der Bevölkerung mit den Corona-Regelungen. „Leider müssen wir bei den gemeinsamen Kontrollen von Polizei, Stadt Peine und Landkreis immer wieder Verstöße gegen die Maskenpflicht und das Abstandsgebot feststellen“, bedauert Laaß: „Deshalb appellieren wir eindringlich an die Bevölkerung, sich an die Corona-Vorschriften zu halten.“ Maskentragen und Abstandhalten seien wirkungsvoll, um die Ausbreitung der Pandemie zu dämpfen sowie sich und andere zu schützen. Fabian Laaß: „Für uns alle ist die Pandemie eine große Herausforderung, der wir nur gemeinsam begegnen können. Dazu gehört ein respektvoller Umgang miteinander. Jeder Einzelne sollte nicht nur an sich, sondern auch an andere denken.“

Das Bürgertelefon ist zu erreichen unter (05171) 4019000.

Weitere Infos:

www.braunschweiger-zeitung.de/peine/article230649606/Corona-im-Seniorenheim-13-Todesfall-im-Kreis-Peine.html

www.braunschweiger-zeitung.de/niedersachsen/article230289298/Einhaltung-der-Maskenpflicht-in-Bussen-wird-staerker-kontrolliert.html

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