„Die Aufklärung des Mordfalls Stieler ist noch möglich“

Vechelde  Die Peiner Polizei gibt die Hoffnung nicht auf in dem Fall, der vor 20 Jahren bundesweit für Aufsehen gesorgt hat.

Plakate mit dem Foto von Yasmin Stieler hat die Polizei 1997 unter anderem in Vechelde aufgehängt.

Plakate mit dem Foto von Yasmin Stieler hat die Polizei 1997 unter anderem in Vechelde aufgehängt.

Foto: Archiv

Ein schockierendes Ereignis hat Vechelde vor 20 Jahren in den Blickpunkt der bundesweiten Medien gerückt: Damals im Oktober hat ein Vechelder nahe dem Bahnhof den Torso der getöteten Yasmin Stieler aus Uelzen entdeckt. Bis heute sucht die Polizei den Täter. Auch die Ausstrahlung des Falls in der Fernsehsendung „Aktenzeichen: XY...ungelöst“ im März 1997 hat keinen Erfolg gebracht – gleiches gilt für die Fernsehdokumentationen von 1997 und 2001. „Für uns ist der Fall ausermittelt“, stellt Peines Polizeisprecher Peter Rathai fest.

Ausermittelt – das bedeutet: „Wir sind allen Hinweisen und Spuren nachgegangen, die zum Täter führen könnten“, sagt Rathai. Was aber nicht als Schlussstrich-Ziehen zu verstehen ist: „Sobald wir neue Erkenntnisse haben, nehmen wir die Ermittlungen sofort wieder auf“, verspricht der Sprecher. Rathai bittet um Verständnis: „Die Polizisten, die mit dem Fall betraut sind, möchten sich dazu nicht äußern – es ist auch bereits alles gesagt worden.“

Dabei hat es zumindest einen Moment gegeben, an dem der Mordfall vor der Aufklärung zu stehen schien: Im September 2008 hat die Polizei einen Tatverdächtigen präsentiert – einen damals 41 Jahre alten Familienvater aus Vechelde. Laut Staatsanwaltschaft Braunschweig gehört dem Mann ein Spaten, mit dem offenbar an der Fundstelle des Torsos gegraben worden sei. In Braunschweig haben aber das Landgericht und das Oberlandesgericht die Klage gegen den Vechelder – wegen Totschlags, nicht wegen Mordes – abgelehnt, weil der Tatverdacht nicht ausreichend begründet sei: So sei das Graben mit dem Spaten (wahrscheinlich) erst nach der Tat geschehen. Der Freigesprochene hat nach seiner Entlassung aus der halbjährigen Untersuchungshaft noch einige Zeit in Vechelde gewohnt und ist dann weggezogen.

CHRONIK ZUM FALL YASMIN STIELER

5. Oktober 1996: Die Gymnasiastin Yasmin Stieler (18) fährt mit dem Zug von Uelzen nach Braunschweig zur Disco Atlantis.

14. Oktober: Nahe des Vechelder Bahnhofs entdeckt ein Anwohner an der Bahnstrecke Hannover-Braunschweig den Torso von Yasmin Stieler – verpackt in zwei blauen Müllsäcken.

26. und 27. Oktober: Spaziergänger entdecken die Beine von Yasmin Stieler in einem der Ricklinger Teiche in Hannover.

14. Dezember: In der Vechelder Grundschule lädt die Polizei 1300 Vechelder zwischen 18 und 50 Jahren zu Speicheltests vor und prüft ihre Alibis. Sie hofft, den Täter mit einer DNA-Analyse zu überführen – an den zwei Müllsäcken klebten zwei Haare. Die Aktion hatte keinen Erfolg.

13. Mai 1997: Im Hämeler Wald entdeckt ein Junge den Schädel von Yasmin Stieler.

August 2001: Die Peiner Polizei vernimmt einen 34-jährigen Tatverdächtigen – er verstrickt sich laut Polizei wie schon 1999 in Widersprüche. Für eine Festnahme reicht es allerdings nicht.

4. September 2008: Die Polizei verhaftet einen 41-jährigen Verdächtigen – er kommt in Untersuchungshaft. Aus Mangel an Beweisen lehnen die Gerichte aber einen Prozess gegen ihn ab, der Mann ist seit März 2009 wieder auf freien Fuß.

Vor zwei Jahren hat die Mutter von Yasmin Stieler ihre Belohnung für Hinweise, die zur Ergreifung des Täters führen, von 30 000 auf 50 000 Euro erhöht. „Es ist immer noch auch nach Jahren oder gar Jahrzehnten möglich, einen solchen Fall aufzuklären“, will Rathai die Hoffnung nicht aufgeben. Schließlich kann Mord – er hat Merkmale wie Heimtücke und Habgier – nicht verjähren, anders als Totschlag (nach 20 Jahren).

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