Freibad Bettmar – ein „Stück Normalität“ in Corona-Zeiten

Bettmar.  Wegen des riesigen Geländes gibt es in dem Naturfreibad keine Besucherbegrenzung: Die Gäste danken es mit vorbildlichem Verhalten.

Laden ins Freibad ein: Hannelore Niewollik (links) und Pressewartin Bianca Sorrentino an dem Banner des Bads („besonders kinderfreundlich“).

Laden ins Freibad ein: Hannelore Niewollik (links) und Pressewartin Bianca Sorrentino an dem Banner des Bads („besonders kinderfreundlich“).

Foto: Harald Meyer

Das Naturfreibad in Bettmar – es kann sich glücklich schätzen: Diese idyllische Badeanstalt mit dem naturbelassenen See und der riesigen Rasenfläche hat seine Fans – auch und gerade in Corona-Zeiten. Bernd Poppmann ist einer der treuen Badegäste – er geht auch ins Wasser bei kühleren Temperaturen. Was gefällt ihm am meisten an dem Freibad? Die Ruhe nennt er und das Naturwasser – „ohne Chlor“.

Mit dieser positiven Einschätzung steht der 72-Jährige aus Bettmar nicht alleine da, auch wenn wegen der Pandemie unter anderem eine Masken- und Abstandspflicht in bestimmten Situationen im Bad gelten müssen. Hannelore Niewollik, Kassierin des Trägervereins (Betreiber) für das Naturfreibad, und die Pressewartin Bianca Sorrentino haben sogar den Eindruck: „Nach dem wochenlangen Lockdown sind viele vielleicht froh gewesen, dass sie in unser Bad ohne Besucherbegrenzung kommen können.“ Ohne Besucherbegrenzung? „Ja“, antworten die beiden Vorstandsmitgliederinnen, denn auf dem mehrere Hektar großen Freibadgelände ist Platz genug für alle Gäste – die Abstandsregelung lässt sich also immer einhalten. Ein „Stück Normalität“ in Corona-Zeiten, so beschreibt es Bianca Sorrentino.

„Unsere Gäste gehen sehr diszipliniert mit der ungewohnten Situation um“

Dabei ist es anfangs nicht klar gewesen, ob und wann die Badesaison in diesem Jahr startet: Aber dann hat sich der Betreiberverein entschieden, Anfang Juni zu öffnen – normalerweise beginnt die Saison Mitte Mai. Für den Verein, der das Bad mit enormem ehrenamtlichen Engagement schultert, sorgt „Corona“ aber für deutlich Mehrarbeit: Das geht mit den Kontrollen/Vorkehrungen am Eingang los und reicht bis hin zum Abwischen/Desinfizieren der Tische im Kioskbereich. „Unsere Gäste gehen aber sehr diszipliniert, vorbildlich und verantwortungsbewusst mit der für uns alle ungewohnten Situation um“, lobt Bianca Sorrentino erfreut.

Abgesehen von den Hygiene- und anderen Coronavorschriften gibt es in diesem Jahr wegen der Pandemie augenscheinliche Änderungen: kein Bücherregal, keine Lounge, keine Liegestühle – an den Tischen nur vier Stühle. Doch all das hat den Badespaß nicht getrübt, wobei dem Verein etwas zu Gute kommt: Ihm gehören rund 300 Familienmitglieder (mindestens zwei Personen) und etwa 100 Einzelmitglieder an – im Mitgliedsbeitrag enthalten ist eine Dauerkarte für die jeweilige Badesaison. „Unsere Mitglieder sind zugleich unsere treuen Stammgäste im Freibad“, beschreibt Hannelore Niewollik den unschätzbaren Vorteil. Im Prinzip komme es nicht vor, dass Mitglieder wegen eines verregneten Sommers und jetzt wegen „Corona“ aus dem Verein austreten. Zusätzlich zu den Vereinsangehörigen besuchen Nichtmitglieder – nicht wenige auch aus der Umgebung – das Kleinod mit Badesee. „Wie viele Besucher das sind, erfassen wir allerdings nicht“, setzen Hannelore Niewollik und Bianca Sorrentino hinzu.

„Eisvogel, Kormoran und Nutrias besuchen das Freibad“

Warum das Bettmarer Freibad so viele Fans hat, wird beim Rundgang über das Gelände klar: Idylle pur – auch für die Tierwelt. Der See – teils als Badesee, teils von Anglern genutzt – ist Heimat für Fische, Schildkröten und Wasservögel wie Eisvoge l und Kormoran. „Auch Nutrias gibt es bei uns“, ergänzt Angela Wilkens, bei der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) ausgebildete Badeaufsicht. Nutrias – das sind Nagetiere (Allesfresser), die aus Südamerika stammen, sich aber in Deutschland ausbreiten. Allerdings: Das Stückchen Natur ist bedroht. „Wegen der Trockenheit der vergangenen Jahre sinkt der Grundwasserspiegel – und damit auch der Wasserspiegel unseres Badesees“, nennt Angela Wilkens eine Folge des Klimawandels vor Ort.

Doch auch für Menschen hat das Bad etwas zu bieten: der Sprungturm am abgesteckten Schwimmerbereich, der Sandstrand am ebenfalls abgegrenzten Kinder-/Nichtschwimmerbereich, demnächst soll noch eine Wasserrutsche hinzukommen – der Rohbau steht. Und auf dem Badgelände Freizeitangebote wie Beachvolleyballanlage, Spielgeräte, Open-Air-Schach, Tischtennisplatte, Fußball mit kleinen Toren und Boule. Eine Premiere hat es in diesem Sommer im Bad gegeben: Anke Facius (YogaLoft in Wierthe) hat auf die Grünfläche zum Yoga eingeladen – für das Freibad ist dabei eine Spende von 800 Euro zusammengekommen. Geld, das der Verein gebrauchen kann: Denn außer der Rutsche steht die Sanierung des Beckenrands an.

„Früher ist das Freibad eine Tonkuhle gewesen“

• Das Freibad in Bettmar, Münstedter Straße, hat geöffnet bis einschließlich Sonntag, 13. September: montags bis freitags von 14 bis 20 Uhr; samstags und sonntags von 12 bis 20 Uhr (bei schlechtem Wetter von 18 bis 20 Uhr).

• Das Bad ist entstanden aus einer Tonkuhle, die sich mit Wasser gefüllt hat. Heute ist es ein Freibad mit der offiziellen Auszeichnung „besonders kinderfreundlich“. Die Gemeinde Vechelde unterstützt das Bad mit einem jährlichen Zuschuss von 20.000 Euro.

• Am Mittwoch, 30. September, findet ab 19 Uhr die Jahresversammlung des Trägervereins Naturfreibad Bettmar statt in der evangelischen Kirche in Bettmar (Vorstandswahlen stehen erst nächstes Jahr an).

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