Campingplatz in Bettmar – entspannen in nerviger Corona-Zeit

Bettmar.  Allerdings sind wegen der Pandemie nur Dauercamper auf der 60 Hektar großen Anlage zugelassen.

Manuel Ziebeil am Waldsee seines Campingplatzes in Bettmar – mit einer stimmungsvollen Fotografie von dem See in seinen Händen.

Manuel Ziebeil am Waldsee seines Campingplatzes in Bettmar – mit einer stimmungsvollen Fotografie von dem See in seinen Händen.

Foto: Harald Meyer

Durch das Stahltor am Eingang gelangen ausschließlich die „Richtigen“ – dank der Geheimnummer , die nur Eingeweihte kennen. Doch mit der Pandemie hat diese Vorsichtsvorkehrung auf dem Bettmarer Campingplatz „Waldsee “ nichts zu tun. „Auf unser Gelände sind immer wieder Neugierige mit dem Auto raufgefahren, die sich nur mal bei uns umgucken und den See ansehen wollten“, begründet Manuel Ziebeil, Eigentümer und Betreiber der 60 Hektar großen Anlage unweit des Freibads und des Naturschutzgebiets „ Bettmarer Holz “, diese Sicherung. Doch auch jetzt in Krisen-Zeiten hat der abschließbare Stahlzaun durchaus seine Bedeutung: Denn wegen „Corona“ ist es touristischen Gästen verboten , sich auf Campingplätzen einzuquartieren.

Eine gewisse „Einsamkeit“ müssen sie hier mögen

So bleiben derzeit Dauercamper unter sich – darunter ein Rentner, der namentlich nicht erwähnt werden möchte: „ Einsam “, beschreibt er mit leichtem Schmunzeln die Frage, wie sich Camping in Corona-Zeiten anfühle. In gewisser Hinsicht ist der Vechelder ein „Corona-Opfer“: „Bei mir zu Hause in Vechelde wohnen mein Sohn mit seiner Freundin – da ist es zu eng für uns Drei.“ Seit fünf, sechs Jahren habe er einen Platz auf dem Campingplatz an der Ohestraße in Bettmar gepachtet: Es gefalle ihm „ wunderbar “, auch wenn es im Winter immer „einsam“ sei – ganz unabhängig von „Corona“.

Doch gerade diese Ruhe , diese Idylle – nicht nur wegen des Sees – ist es, was den Campingplatz ausmacht. Manuel Ziebeil – mit 32 Jahren betreibt er die Anlage schon seit sieben Jahren – bringt es wunderbar auf den Punkt: „Unsere Camper hören lieber das Vogelgezwitscher als die Musik des Nachbarn.“ Allerdings – und darauf legt er auch Wert: Nein, von Friedhofsruhe könne auf dem Campingplatz keine Rede sein.

„Des Campers größter Fluch sind Regen und Besuch“

Beim Rundgang über die Anlage kommen uns immer wieder Bewohner entgegen – vornehmlich mit Hund. Darunter Inge Herrmann, an der Leine die Beagle-Hündin „Eßti“ – das ist Ungarisch und heißt „Sternchen“. Vor Jahren habe sie „auf drei Etagen“ gewohnt, nun lebe sie dauerhaft auf dem Campingplatz in 50 Quadratmetern. Die „Entschleunigung“ – „hier ist keiner auf der Flucht “ – nennt die 57-Jährige als Vorzug ihrer neuen Heimat. Dieses „ Minimalistische “ übe durchaus einen gewissen Reiz auf sie aus. Angesichts des grassierenden Virus’ setzt Inge Herrmann hinzu: „Hier auf dem Campingplatz leben wir sicherer als in einer Stadt und wohl auch als in einem Dorf.“ Dazu passt der Spruch, den Ziebeil mit einem Lächeln anbringt: „Des Campers größter Fluch sind Regen und Besuch.“ Ein Corona-gerechtes Leben also.

Weiter geht es vorbei an einem Grundstück mit einem Mobilheim – zwei Hunde laufen auf uns zu: Ziebeil krault einen der beiden über den Zaun hinweg. Hundefreundlichkeit ist Merkmal des Bettmarer Campingplatzes : Gassigehen ist erlaubt, allerdings mit Leinenzwang für die Vierbeiner. Am Waldsee ist eigens eine Hundebadestelle eingerichtet – was will „Bello“ mehr?

„Ich lebe vor allem von Dauercampern, nicht von Touristen“

Apropos Waldsee : Er umfasst zwölf Hektar, ist im Sommer beim Baden und Planschen eine willkommene Abkühlung. Allerdings wird der Klimawandel an dieser Tonkuhle spürbar. „Der Wasserstand ist schätzungsweise um einen knappen Meter zurückgegangen“, hat Ziebeil festgestellt – zu wenig Regen, zu viel Hitze.

Aber Jammern scheint der Mann nicht zu kennen – auch nicht in der Corona-Krise: Während beim ersten Lockdown im Frühjahr Campingplätze generell dicht machen mussten, sind diesmal nur Touristen ausgeschlossen. „Anders als bei den Anlagen etwa an der Nord- und Ostsee ist hier ohnehin nicht so viel Tourismus “, gibt Ziebeil ehrlich zu. Er lebt hingegen vor allem von Dauercampern – von den 80 Plätzen seien nur etwa drei frei. Größere Veranstaltungen – etwa von den Pfadfindern oder der Feuerwehr – hätten in diesem Jahr aber auch bei ihm nicht stattfinden können. Anders als der Meerdorfer CampingplatzParadiessee “, den Ziebeils Vater Hartwig Lühmann betreibt und der in diesem Jahr wegen der Pandemie komplett geschlossen worden ist, hat der Waldsee-Campingplatz in Bettmar aber geöffnet für Dauerbewohner – immerhin. Und um diese Ruhe und das Naturidyll nicht zu stören, hat sich Ziebeil entschieden: Den Bau weiterer Wochenendhäuser wird es dort (vorerst) nicht geben.

Kontakt : info@waldsee-camping-bettmar.de per Mail, Telefon (0173) 2006585, www.waldsee-camping-bettmar.de im Internet.

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