Attentäter Anis Amri spionierte Haus von Angela Merkel aus

Berlin.  Der Attentäter vom Berliner Breitscheidplatz, Anis Amri, hatte weitere Ziele in Berlin im Visier. Auch Merkels Wohnhaus zählte dazu.

Anis Amri, der Attentäter vom Berliner Weihnachtsmarkt, spähte offenbar wenige Wochen vor seiner Tat potenzielle andere Anschlagsziele aus.

Anis Amri, der Attentäter vom Berliner Weihnachtsmarkt, spähte offenbar wenige Wochen vor seiner Tat potenzielle andere Anschlagsziele aus.

Foto: Montage: Berliner Morgenpost / dpa

Der Attentäter vom Breitscheidplatz, Anis Amri, spionierte offenbar auch das Haus, in dem Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wohnt, aus. Nach Informationen von RBB24 Recherche, dem Politikmagazin „Kontraste“ und der „Berliner Morgenpost“ liegen Fotos aus dem Herbst 2016 vor, die das Bundeskriminalamt (BKA) auf dem Handy des Attentäters Anis Amri sichergestellt hat.

Auf einem der Bilder sieht man Amri vor dem Haus in Berlin, in dem Merkel wohnt. Dieses Bild wurde am selben Tag wie zahlreiche andere Bilder aufgenommen. Ein weiteres Foto, das der „Berliner Morgenpost“ ebenfalls vorliegt, zeigt Amri vor dem Berliner Dom.

Auf dem Bild hat Amri den Zeige­finger zum Tauhid-Gruß gehoben. Seit Jahrhunderten wird der Gruß von vielen Muslimen im Gebet genutzt. Die Terrormiliz IS hatte diesen Gruß aber für sich vereinnahmt. Damit wird bezeugt, dass es neben dem einen Gott („Allah“) keine anderen Götter gibt.

Es gibt eine Aufnahme von Amri kurz nach dem Anschlag am Breitscheidplatz, auf der er genau diesen Gruß gezielt in eine Kamera am Bahnhof Zoo zeigt.

Fotos sollen sieben Wochen vor dem Anschlag entstanden sein

Nach Einschätzung des Bundeskriminalamts können diese Fotos dazu gedient haben, mögliche Anschlagsziele auszukundschaften. Zu diesem Schluss kommt das BKA in einem Auswertungsvermerk.

Auch der Zeitpunkt der Fotoaufnahmen ist interessant. Laut Sicherheitskreisen entstanden die Bilder am 23. Oktober 2016 – und damit knapp sieben Wochen vor dem Attentat auf dem Weihnachtsmarkt in Berlin, bei dem am 19. Dezember zwölf Menschen getötet und 55 zum Teil schwer verletzt wurden.

Die Bilder in der Nähe der Wohnung der Kanzlerin entstanden wenige Minuten vor denen am Dom. Die Ermittler des Bundeskriminalamts erwähnen in ihrer Auswertung jedoch nur das in der Nähe gelegene Magnus-Haus, seit Jahren Sitz der Deutschen Physikalischen Gesellschaft.

„Dass hier nicht mal die Option, dass hier auch das Haus der Kanzlerin betroffen sein könnte, in den Akten vermerkt ist, hat uns sehr irritiert“, sagt der Grünen-Innenexperte Konstantin von Notz dem Politikmagazin „Kontraste“. „Darüber werden die Sicherheitsbehörden Auskunft geben müssen. Das ist ein relevanter Sicherheitsaspekt für unser Land“, so von Notz weiter. Auch die Frage, ob das Kanzleramt über den Vorgang informiert wurde, bleibt unbeantwortet.

Die für die Ermittlungen zuständige Bundesanwaltschaft wollte den Vorgang auf Anfrage des RBB nicht kommentieren. Im Herbst 2016 hatte Amri noch weitere Orte in Berlin aus verschiedenen Perspektiven aufgenommen: die Oberbaumbrücke zwischen Kreuzberg und Friedrichshain, Party Locations in der Nähe, schließlich den Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz. Auch das Gesundbrunnen-Center stand auf der Liste.

Anis Amri hatte wohl Kontakte zu Terrorzelle

Bis heute wird diskutiert, ob Amri als Einzeltäter gehandelt hat. Er wurde von einem IS-Instrukteur angeleitet, hatte Kontakte zu Islamisten in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und zu Dschihadisten-Treffs.

Recherchen der „Berliner Morgenpost“, des RBB und des ARD-Magazins „Kontraste“ zeigen, dass Amri offenbar auch in eine weitere mutmaßliche Terrorzelle um einen in Berlin verhaf­teten Russen und einen in Marseille festgenommenen Franzosen eingebunden war. Die drei Islamisten hatten sich in der inzwischen geschlossenen Fussilet-Moschee im Berliner Stadtteil Moabit kennengelernt und über Anschlagspläne gesprochen.

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