Griechenland rechnet 2020 mit 100.000 neuen Flüchtlingen

Berlin.  Die Regierung in Athen befürchtet, dass 2020 wieder deutlich mehr Menschen auf die griechischen Inseln fliehen. Was dies bedeutet.

Flüchtlinge auf Lesbos: So unmenschlich ist das Flüchtlingslager Moria

In Deutschland ist wenig von der Flüchtlingskrise zu spüren. Auf der griechischen Insel Lesbos herrscht seit vier Jahren Ausnahmezustand. Afghanen und Syrer leben im Dreck. Funke-Reporter Christian Unger hat sich die dramatische Lage angeschaut.

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Die griechische Regierung in Athen rechnet nach eigenen Angaben im kommenden Jahr mit bis zu 100.000 neuen Flüchtlingen, die aus der Türkei auf den griechischen Inseln anlanden. „Wir haben in den vergangenen sechs Monaten 45.000 neue Migranten aufgenommen. Das heißt, dass wir 2020 mit rund 100.000 neu ankommenden Flüchtlingen konfrontiert sein werden“, sagte Manos Logothetis, der Beauftrage der griechischen Regierung für die Erstaufnahme von Flüchtlingen, unserer Redaktion.

Zugleich kündigte Logothetis an, dass seine Regierung im kommenden Jahr 10.000 abgelehnte Asylbewerber von den griechischen Inseln in Richtung Türkei abschieben wolle. „Wir haben bereits 200 neue Asyl-Entscheider eingestellt, und wir werden weitere 270 einstellen“, hob der Beauftragte der griechischen Regierung hervor.

Flüchtlinge: Lage auf den griechischen Inseln wird immer dramatischer

Die Lage der Flüchtlinge und Migranten auf den griechischen Inseln spitzt sich dramatisch zu. Im Camp „Moria“ auf der größten Insel Lesbos sind nach offiziellen Angaben derzeit fast 18.000 Menschen in Zelten und Containern untergebracht. Offiziell ist das Lager nur für rund 3000 Geflüchtete ausgestattet.

Kritische Bedingungen für Flüchtlinge auf Lesbos
Kritische Bedingungen für Flüchtlinge auf Lesbos

Nach Angaben der Vereinten Nationen sind 2019 bisher mehr als 69.000 Flüchtlinge aus der Türkei in Griechenland angekommen. Trotz der angespannten Lage hat Deutschland in diesem Jahr deutlich weniger Beamte zur Hilfe für die griechischen Asylbehörden auf die Inseln geschickt. Das geht aus einer Antwort der EU-Asylbehörde EASO auf Nachfrage unserer Redaktion hervor.

Demnach entsandte der Bund 2019 insgesamt 80 Asylexperten unter anderem vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) auf die griechischen Inseln, um bei der Registrierung und den Asylverfahren der dortigen Flüchtlinge zu unterstützen. 2018 waren es allerdings noch 124 Beamte aus Deutschland, 2017 sogar 130.

Hilfsgüter in Millionenhöhe aus Deutschland

Auch zur EU-Grenzschutzagentur Frontex hat die Bundesregierung in diesem Jahr deutlich weniger Polizeibeamte zur Hilfe aus Deutschland auf die griechischen Inseln geschickt. Nach Angaben von Frontex waren bis September insgesamt 184 Grenzbeamte im Einsatz der Frontex-Mission „Poseidon Sea“. 2018 waren es demnach insgesamt noch 413 Beamte aus Deutschland, 2017 sogar 425.

Auf Nachfrage heißt es von Seiten der Bundesregierung, dass „zahlreiche administrative, logistische und weitere bilaterale Unterstützungsmaßnahmen etwa in Form von Sachleistungen“ bereits der griechischen Seite zur Verfügung gestellt oder angeboten worden seien.

In den vergangenen Tagen seien 55 Lastwagen aus Deutschland mit Hilfsgütern im Wert von 1,56 Millionen Euro in Athen eingetroffen. Laut Bundesregierung handelt sich um Stockbetten, Matratzen, warme Decken und Kissen. (cu)

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