Bernie Sanders macht Weg frei für Duell Biden gegen Trump

Washington.  Bernie Sanders ist aus dem Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der US-Demokraten ausgeschieden. Nun heißt es Biden gegen Trump.

Bernie Sanders wird nicht mehr um die Präsidentschaftskandidatur der US-Demokraten wetteifern.

Bernie Sanders wird nicht mehr um die Präsidentschaftskandidatur der US-Demokraten wetteifern.

Foto: JIM WATSON / AFP

Dass er es irgendwann tut, war zu erwarten. Nur wann, das blieb im Lichte von Corona über Wochen, die wie eine Ewigkeit wirkten, offen. Jetzt plötzlich die Wende: Bernie Sanders, schon 2016 im internen Ringen gegen Hillary Clinton unterlegen gewesen, gibt sich auch im 2020er Rennen um die demokratische Präsidentschaftskandidatur in Amerika geschlagen.

Er macht damit den Weg frei für den zuletzt klar favorisierten Joe Biden, der aus den ersten rund 25 Vorwahlen einen kaum mehr einholbaren Vorsprung von rund 600 Delegierten erkämpft hatte.

Bernie Sanders kündigt Rückzug an: „Schmerzhafte Entscheidung“

Zur Mittagszeit verkündete der 78 Jahre alte parteilose Senator aus dem Neuengland-Bundesstaat Vermont, der traditionell mit den Demokraten stimmt, seinen Rückzug aus dem Rennen um die Nominierung zum Herausforderer von Amtsinhaber Donald Trump.

„Es war ein schwierige und schmerzhafte Entscheidung, aber es gab für mich keine realistische Perspektive auf einen Sieg mehr”, sagte Sanders bei einer im Internet übertragenen Live-Ansprache. Seine Entscheidung fiel unmittelbar nach der Vorwahl im Bundesstaat Wisconsin, wo die Wähler trotz Ausgehsperren und Abstandsgeboten am Dienstag zur Stimmabgabe aufgerufen waren. Die Ergebnisse werden erst in der nächsten Woche vorliegen.

Sanders’ Kundgebungen waren mit Abstand die leidenschaftlichsten

In Umfragen war Sanders bereits ein Debakel prophezeit worden. Der für linke und progressive Positionen bekannte Politiker – Krankenversicherung für alle, Reichensteuer, starke Reglementierung der Wall Street, viel mehr Umweltschutz – hatte zu Beginn des vor rund 16 Monaten mit über 30 Bewerberinnen und Bewerbern gestarteten Rennens lange Zeit geführt.

Seine von großer Euphorie gerade bei jungen Wählern getragenen Groß-Kundgebungen waren die mit Abstand professionellsten und leidenschaftlichsten. Sanders hatte auch mit knapp zehn Millionen die meisten Einzelspender.

Am Super Tuesday feierte Biden ein spektakuläres Comeback

Nach ordentlichem Start in die Vorwahlen in Iowa und New Hampshire riss allerdings der Faden beim selbsternannten demokratischen Sozialisten. Joe Biden, dem in Umfragen wegen seiner programmatischen Mittigkeit bessere Chancen gegen Trump eingeräumt werden, drehte in South Carolina den Spieß um und räumte am 3. März (Super Tuesday) in zehn von 14 Bundesstaaten ab.

Auch die folgende Vorwahlen verließ Sanders als klarer Verlierer. Die Attraktivität seiner politischen Angebote hielt sich ausweislich von Wählerbefragungen in Grenzen. „Viele Wähler wollen keine Systemveränderungen, sondern bezahlbare und politisch realisierungsfähige Resultate”, kommentierten zu Beginn des Frühjahrs US-Zeitungen.

Im Nachgang wuchs der Druck auf den gebürtigen New Yorker, seine Kampagne abzubrechen und sich hinter Biden zu versammeln, um die Partei frühzeitig auf den Wahltermin im November einzuschwören.

Sanders will jetzt Biden unterstützen

Als die Corona-Krise begann, zögerte Sanders noch. Im Hintergrund liefen (und laufen) Gespräche mit dem Biden-Lager, das durch Sanders de facto programmatisch deutlich nach links getrieben wurde. Sanders kündigte am Mittwoch an, sein politisches Gewicht weiter zu nutzen, um möglichst viele Inhalte in die demokratische Parteiplattform zu bekommen, die als Richtschnur für die im Januar beginnende Amtszeit des neuen Präsidenten gelten soll.

Neuer Präsident? Für Sanders besteht kein Zweifel, dass der „gefährlichste Präsident in der Geschichte Amerikas”, Donald Trump, abgelöst wird. Sanders will seinen Beitrag dazu leisten, „gemeinsam” mit Joe Biden und allen anderen Demokraten.

Die Frage ist, ob er seine zigtausenden Leib-und-Magen-Anhänger, von denen viele Biden als weichgespülten Kompromisspolitiker empfinden und ablehnen, mobilisieren kann, um am 3. November trotzdem zur Wahl zu gehen.

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder