Corona-Krise: Tausende Schulen wieder im Ausnahmezustand

Berlin.  Die Bildungsstätten sollen trotz Lockdown unbedingt offen bleiben. Doch immer mehr Infektionsfälle erschweren den Präsenzunterricht.

Schon hunderttausende Schüler in Quarantäne

Die Zahl der mit dem Coronavirus infizierten Schülerinnen und Schüler in Deutschland ist laut der einem Zeitungsbericht deutlich gestiegen.

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Deutschland ist wieder im Lockdown-Modus. Mit einem entscheidenden Unterschied zum Frühjahr: Schulen und Kindertagesstätten sollen offen bleiben. Doch mit steigenden Corona-Fallzahlen wachsen unter Eltern, Lehrkräften, Schülerinnen und Schülern die Zweifel, ob das den Winter möglich ist – oder sicher. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Schulbetrieb in Corona-Zeiten :

Wie ist das Infektionsgeschehen an den Schulen?

Nach rund zwei Monaten im Regelbetrieb müssen immer mehr Schülerinnen und Schüler in Quarantäne . In Nordrhein-Westfalen können derzeit laut Kultusministerium über 50.000 Schüler nicht am Präsenzunterricht teilnehmen, 41.250 sind es in Bayern. Infiziert sind bundesweit mehr als 10.000 Kinder und Jugendliche, wie eine Umfrage unserer Redaktion ergab.

„Die Vorstellung, das Infektionsgeschehen laufe überall außer an den Schulen, ist komplett naiv und unwissenschaftlich“, sagt deshalb Heinz-Peter Meidinger , Präsident des Deutschen Lehrerverbands. Der Schulbetrieb sei „die größte tägliche Massenveranstaltung“. Oft könnten wenige Infizierte schon bedeuten, dass ein ganzer Schuljahrgang samt einem großen Teil der Lehrer in Quarantäne muss.

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Welche Hygieneregeln gelten?

Die Kultusministerkonferenz setzt auf frische Luft: Alle 20 Minuten sollen die Unterrichtsräume gelüftet werden. Doch nach Schätzungen des Lehrerverbands können 20 Prozent der Klassenräume nicht ausreichend gelüftet werden, weil zum Beispiel die Fenster nur zum Teil aufgehen.

Einige Bundesländer wie zum Beispiel Bayern haben deshalb entschieden, die Anschaffung von Luftfiltern zu fördern. In den meisten Ländern gibt es aber keine entsprechenden Pläne. Lesen Sie hier : Selbstgebaute Lüftung entfernt Aerosole aus Klassenzimmer

Auch eine Rückkehr zu halbierten Klassen und Wechselbetrieb ab einer bestimmten Sieben-Tage-Inzidenz sehen nicht alle Länderkonzepte vor. Einheitliche, länderübergreifende Regelungen, wie sie beispielsweise der Bundeselternrat fordert, gibt es derzeit nicht. Ö

So müssen Schüler in Sachsen-Anhalt die Maske nicht im Unterricht tragen, in Bayern sollen dagegen auch Grundschüler Mund und Nase bei hohen regionalen Infektionszahlen bedecken. Bundesbildungsministerin Karliczek (CDU) unterstützte zuletzt eine solche Ausweitung.

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Warum sind die Schulen überhaupt noch offen?

Bei der Frage, ob die Schulen Kinder und Jugendliche wieder nach Hause schicken sollten, prallen Gesundheitsschutz und das Recht auf Bildung aufeinander. Die Kultusminister argumentieren mit der Erfahrung aus dem Frühjahr, die gezeigt habe, dass Schulschließungen und Wechselunterricht die Schere größer werden lassen zwischen Kindern, die gut mitkommen, und denen, die zu kämpfen haben.

Doch sie machen auch transparent, dass offene Schulen es Eltern leichter machen sollen, ihrem Beruf nachzugehen. Es sei eine Entscheidung im Sinne der Eltern , sagt Stefanie Hubig, Vorsitzende der Kultusministerkonferenz. Auch aus dem Kultusministerium Baden-Württemberg heißt es, ein Wechselbetrieb würde insbesondere berufstätigen Eltern erhebliche Schwierigkeiten bereiten. Diesen Aspekt habe die Politik „selbstverständlich bei ihrer Entscheidung einbezogen“. Hintergrund : Verkehrsminister fordern gestaffelten Schulbeginn

Droht Schulen ein Salami-Lockdown?

Den „Salami-Lockdown“ – also das scheibchenweise Schließen von Schulen – befürchtet der Lehrerverband. Die steigende Zahl der Infektions- und Quarantänefälle werde „immer stärker den Schulalltag bestimmen“, sagt Verbandspräsident Meidinger.

Schon jetzt unterrichten nach Angaben der Länder bundesweit 3240 Schulen nicht im vollen Präsenzbetrieb, sondern teilweise oder vollständig digital. Allein in Nordrhein-Westfalen sind es laut Länderauskunft 500 Schulen, die umsteigen mussten. In Bayern sind es über 250.

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Hilft es, die Winterferien zu verlängern?

Den Vorschlag, das Infektionsgeschehen an Schulen durch längere Ferien zu bremsen, gab es bereits im Oktober. NRW setzt das jetzt um: Die Weihnachtsferien sollen zwei Tage früher beginnen als bisher geplant, sagte NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) am Mittwochabend dem WDR.

Der Vorschlag kam von Ministerpräsident Armin Laschet (CDU), Beifall für die Idee gab es von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU): Wichtig für Kinder und Eltern sei Planbarkeit, sagte er am Mittwoch RTL und ntv. „Das wäre mit so einer Maßnahme gegeben.“

Sind die Schulen besser auf digitalen Unterricht vorbereitet?

Das Bildungsministerium hat in der Corona-Krise tief in die Staatskasse gegriffen, um die Digitalisierung der Schulen voranzutreiben. Je 500 Millionen Euro für Endgeräte und Administratoren werden bereitgestellt. Doch bis das Geld im Schulalltag ankommt, dauert es.

In einem halben Jahr lasse sich nicht nachholen, was „über Jahre“ versäumt worden sei, sagt Marlis Tepe , Vorsitzende der Bildungsgewerkschaft GEW, unserer Redaktion. „In vielen Schulen gibt es immer noch kein Wlan, nicht genug digitale Endgeräte und wenn die Geräte da sind, muss sie auch jemand einrichten, Systemadministratoren fehlen aber an vielen Schulen.“

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