Energiepreise

Gasumlage von 2,4 Cent pro kWh – Kritik von Sozialverbänden

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Gaskunden in Deutschland müssen im Herbst deutlich mehr zahlen

Gaskunden in Deutschland müssen im Herbst deutlich mehr zahlen

Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa

Berlin.  Auf Gaskunden in Deutschland kommen ab Herbst deutliche Mehrkosten zu. Die Höhe der staatlichen Gasumlage wird bei 2,4 Cent liegen.

Die Gasumlage wird 2,419 Cent pro Kilowattstunde betragen. Das verkündete die Trading Hub Europe GmbH (THE) am Montagmittag. Sie wird ab dem 1. Oktober erhoben. Damit fallen ab Herbst hohe zusätzliche Kosten für Verbraucher und Verbraucherinnen an.

Gasumlage: Hunderte Euro Mehrkosten

Nach Berechnungen des Vergleichsportals Verivox kommen auf einen Familienhaushalt mit einem Jahresverbrauch von 20.000 Kilowattstunden Mehrkosten in Höhe von 575,72 Euro zu. Ohne Mehrwertsteuer belaufen sich die Kosten demnach auf 483,80 Euro. Die Beispielrechnung von Verivox liegt unserer Redaktion vor.

Ein typischer Single-Haushalt müsste in dieser Rechnung mit rund 144 Euro zusätzlich kalkulieren, bei einem Zwei-Personenhaushalt mit einem Gasverbrauch von 12.000 Kilowattstunden pro Jahr würden die Mehrkosten inklusive Mehrwertsteuer rund 345 Euro betragen.

Gasumlage: Sozialverband fordert weitere Hilfen

Der Sozialverband Deutschland (SoVD) fordert als Reaktion auf die Gasumlage schnelle weitere Hilfen des Staates für Haushalte, die mit wenig Geld auskommen müssen.

"Die Bundesregierung darf die Menschen mit kleinem Geldbeutel jetzt nicht allein lassen", sagte SoVD-Präsident Adolf Bauer unserer Redaktion. "Die Bundesregierung muss jetzt endlich effektiv und zielgerichtet Rentnerinnen und Rentnern, Menschen in Grundsicherung und Geringverdienenden helfen."

Es brauche jetzt schnell armutsfeste Regelsätze in der Grundsicherung sowie die Einführung der Kindergrundsicherung. „Außerdem ist eine Wohngeldreform nötig und die bislang völlig ignorierten Millionen Menschen in Rente brauchen schnell eine 300 Euro-Energiepauschale.“

Bauer warnte davor, dass die Gasumlage in Höhe von 2,4 Cent die Teuerungsrate in Deutschland nochmals deutlich erhöhen werde. "Es ist zu befürchten, dass viele, bei denen es bisher gerade so gereicht hat, durch die verzögerte Wirkung der Gasumlage rückwirkend in die Grundsicherung abrutschen", so Bauer.

Sozialverband VdK: Gas-Umlage treibt Menschen mit wenig Geld in Zahlungsunfähigkeit

Auch der Sozialverband VdK kritisiert die neue Gasumlage der Ampel als eine zu große finanzielle Belastung für einkommensschwache Haushalte. „Eine Gas-Umlage von 2,4 Cent pro Kilowattstunde und zudem steigende Energie- und Lebensmittelpreise treiben Menschen mit wenig Geld in die Zahlungsunfähigkeit“, sagte Verbandspräsidentin Verena Bentele dieser Redaktion.

Die VdK-Chefin führte aus, eine Witwe mit 1000 Euro Rente, die 8000 Kilowattstunden im Jahr fürs Heizen verbrauche, müsse mit der Gasumlage 230 Euro mehr im Jahr bezahlen, inklusive Mehrwertsteuer. „Das schafft sie nicht“, betonte Bentele. Die Regierung müsse jetzt dringend verhindern, dass diese Menschen im Winter frieren müssten. Die VdK-Chefin forderte „ein Wärmekontingent von 10.000 Kilowattstunden pro Haushalt zu einem fairen Preis, den jeder bezahlen kann“.

Ein weiteres Instrument, um „Menschen mit wenig Geld oberhalb von Hartz IV bei den Energiekosten zu entlasten, ist das Wohngeld“, sagte Bentele. Künftig müssten „wesentlich mehr Menschen ein reformiertes Wohngeld bekommen, in dem eine Heizkostenpauschale enthalten ist“.

Wichtig sei, dass diese Pauschale die real entstehenden Energiekosten komplett berücksichtige und jährlich angepasst werde. Überdies müsse auch Rentnerinnen und Rentner mit einer Energiepreispauschale von 300 Euro zusätzlich geholfen werden. Diese Gruppe gehe „bislang leer aus“, kritisierte die VdK-Präsidentin. (jdö/fmg)

Dieser Artikel erschien zuerst auf morgenpost.de.

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