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Helge Braun drängt ins Rampenlicht – so stehen seine Chancen

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Will die Nachfolge von Armin Laschet als CDU-Parteichef antreten: Helge Braun.

Will die Nachfolge von Armin Laschet als CDU-Parteichef antreten: Helge Braun.

Foto: dpa

Berlin.  Helge Braun managte für Merkel das Kanzleramt, arbeitete aber selbst oft nur im Hintergrund. Warum er sich jetzt für den CDU-Vorsitz bewirbt.

Er ist der Überraschungskandidat im Kampf um den CDU-Vorsitz: Helge Braun, bislang als Kanzleramtschef eher ein Mann im Hintergrund, will die Führung der Bundespartei übernehmen. Dies teilte der 49-jährige Hesse am Freitag seinem Landesverband in einer Videoschalte mit.

Offiziell wird er von seinem Gießener Kreisverband nominiert. In einem Brief an alle CDU-Mitglieder kündigte Braun am Freitagabend an, die Partei als „starke Opposition“ schnell wieder „kampagnenfähig“ machen sowie näher an die Basis bringen zu wollen. „Als Notarzt und Arzt im Bereich von Narkose, Notfall- und Intensivmedizin habe ich früh beruflich gelernt, mit Krisensituationen professionell umzugehen“, schreibt er weiter.

CDU: Kann sich Braun gegen Merz und Röttgen durchsetzen?

Damit ist Braun der Dritte im Bunde: Ebenfalls am Freitag gab der CDU-Außenpolitiker Norbert Röttgen in Berlin seine Kandidatur bekannt. Klare Ambitionen hat auch Ex-Fraktionschef Friedrich Merz, auch wenn er diese noch nicht öffentlich gemacht hat.

Braun ist bislang nicht nur der jüngste Aspirant auf den Parteivorsitz: Er ist auch der einzige unter den dreien, der es zuvor noch nicht versucht hat. Sowohl Röttgen als auch Merz hatten sich in der Vergangenheit vergeblich beworben, Merz sogar zwei Mal. 2018 trat er für die Nachfolge von Merkel an, verlor knapp gegen Annegret Kramp-Karrenbauer, 2021 dann in der Stichwahl gegen Armin Laschet, nachdem Röttgen zuvor ausgeschieden war.

Helge Braun: Erfolgreicher Vermittler bei zähen Verhandlungen

Bis Merkel ihn im März 2018 zum Kanzleramtschef machte, war Braun nur wenig in Erscheinung getreten. Dabei gehört der promovierte Mediziner und Narkosearzt, der verheiratet und kinderlos ist, dem Bundestag bereits seit 2002 an, drei Mal davon schaffte er es per Direktmandat.

Im Kanzleramt erarbeitete sich der große Mann mit der kräftigen Statur schnell den Ruf, ein ebenso fleißiger wie gewissenhafter Organisator zu sein. Mit seiner bedächtigen Art wurde er zum Vermittler bei den zähen Bund-Länder-Gesprächen zur Corona-Politik wie auch bei Streitigkeiten in der Koalition. In die Rolle, die Regierung nunmehr auch öffentlich häufiger in Interviews oder bei TV-Talkshows zu repräsentieren, musste er sich erst einfinden. Der charismatische Auftritt zählt nicht zu Brauns größten Stärken.

Trotzdem wurde er, der vor allem bei seinen Herzensthemen Gesundheit und Digitalisierung mehr Tiefenkenntnis als viele andere Politiker vorweisen kann, schnell zum geschätzten Gesprächspartner. Merkel dürfte an ihm zudem seine Diskretion und unbedingte Loyalität zu schätzen gewusst haben.

Steckt Merkel hinter Brauns Kandidatur?

Genau das könnte sich aber auch als Nachteil für Braun erweisen. Er gilt als Mann Merkels. Auch wenn er den Eindruck von sich weist, sie stecke hinter seiner Kandidatur, so ist doch klar, dass er ohne ihre Zustimmung niemals angetreten wäre. So beliebt die Kanzlerin weiter in der Bevölkerung ist, so fraglich ist, ob die CDU-Basis nach 16 Jahren Merkel-Ära mit all ihren Höhen und Tiefen einen Vorsitzenden an der Spitze haben möchte, der eine Fortsetzung dieser Politik mit anderen Mitteln bedeuten würde.

Erkennbar ist Braun deshalb um eine Erzählung bemüht, die ihn als Mann der Basis verortet. So soll die Idee zu seiner Kandidatur nicht im Kanzleramt, sondern am Rande der Kreisvorsitzendenkonferenz entstanden sein, auf der beschlossen wurde, die künftige Führung erstmals per Mitgliederbefragung zu bestimmen. Seinen eigenen Kreisverband in Gießen führt Braun seit 18 Jahren. Hier hat er auch dafür gesorgt, dass die Parteistrukturen für Mitglieder transparenter wurden und Jüngere mehr Einfluss bekamen.

Brauns Chance liegt darin, jene hinter sich zu versammeln, die Merz für zu konservativ und rückwärtsgewandt und Röttgen für nicht integrativ genug halten. Unterstützt wird seine Kandidatur maßgeblich von Laschet-Anhängern. Auch der Noch-Parteichef selbst soll bei der Vorbereitung mitgemischt haben.

Zukunft der CDU: Wird Serap Güler Generalsekretärin?

In den kommenden Tagen und Wochen will Braun auch ein Team präsentieren. Er kündigte an, dabei alle Flügel einbinden zu wollen. Gerüchten zufolge wird die Laschet-Vertraute Serap Güler, bislang Staatssekretärin für Integration in Nordrhein-Westfalen und gerade frisch in den Bundestag gewählt, dabei sein. Sie soll sogar als Generalsekretärin im Gespräch sein.

Eine Frau als mögliche Generalsekretärin hatte auch Brauns Mitbewerber Röttgen am Freitag präsentiert, als er seine Bewerbung publik machte. Röttgen grenzte sich sowohl von Braun als auch von Merz ab. Mit einem Sechs-Punkte-Plan will der 56-Jährige die CDU in die Zukunft führen. Dazu zählt unter anderem ein stärkerer Fokus auf die Themen Generationengerechtigkeit, Dialog und Ostdeutschland. Röttgen kündigte an, dass unter ihm als Parteichef ein Vertreter oder eine Vertreterin des Ostens einen der stellvertreten Parteivorsitze bekommen soll. Bisher kommen alle fünf Stellvertreter aus dem Westen.

Mit Spannung wird nun erwartet, wann und vor allem mit wem Friedrich Merz ins Kandidatenrennen einsteigt. Theoretisch könnten bis zum Ablauf der Bewerbungsfrist am 17. November noch weitere Interessenten dazukommen. Kommt es zu einer Stichwahl, steht der Sieger erst am 14. Januar fest.

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