Großbritannien

Johnson-Rücktritt: Wer als Parteichef folgen könnte

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Boris Johnson: Das sind seine größten Skandale

Boris Johnson: Das sind seine größten Skandale

Boris Johnson ist mal wieder in einen Skandal verwickelt. Der britische Premierminister steht dabei nicht zum ersten Mal in der Kritik.

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Berlin.  Der britische Premierminister Boris Johnson hat seinen Rücktritt angekündigt. Diese Frauen und Männer könnten seine Nachfolge antreten.

Lange hat der britische Premierminister Boris Johnson um seinen Job gekämpft. Bis jetzt. Am Donnerstag ist Johnson als Parteichef zurückgetreten. Bis ein Nachfolger gewählt ist, wolle er allerdings noch Regierungschef bleiben, sagte Johnson am Donnerstag in London.

Hintergrund: Zwei Minister treten aus Kritik an Johnson zurück

Seit Dienstagabend waren fast 60 Minister, Ministerinnen und andere Regierungsmitglieder aus Protest gegen Johnson zurückgetreten. Johnsons Rücktritt hinterlässt die Konservativen führungslos. BBC-Politikredakteur Chris Mason berichtete auf Twitter, nach Johnsons Ende als Parteichef solle über den Sommer nach einem Nachfolger oder einer Nachfolgerin gesucht werden, um ihn im Oktober zu ersetzen. Welche Kandidatinnen und Kandidaten für den Parteivorsitz ernsthafte Aussichten haben, auf Johnson zu folgen, lesen Sie hier.

Außenministerin Liz Truss, die Eiserne Lady 2.0

Der Name der Außenministerin fällt immer, wenn es um die Frage geht, wer Boris Johnson beerben könnte. Sie steht zu ihrem Premier und war eine der Ersten, die ihm nach dem Rücktritt der Minister ihre Unterstützung versicherte. Die Botschaft war aber nicht nur an Johnson, sondern vor allem an seine treuen Unterstützer gerichtet, die es immer noch in großer Zahl gibt. Truss ist eine bekennende Anhängerin von Margaret Thatcher, die in den 80er-Jahren das Land mit harter Hand und neoliberaler Politik regierte. Dass Fotos von Liz Truss beim Panzerfahren an die Bilder von Thatcher im Panzer erinnern, ist kein Zufall. Sie wäre gern die „Eiserne Lady 2.0“. Umfragen zufolge hat sie an Beliebtheit aber leicht verloren. Lesen Sie auch: Trotz Rücktrittswelle: Boris Johnson will nicht gehen

Ex-Verteidigungsministerin Penny Mordaunt, die Johnson-Kritikerin

Die britischen Buchmacher sehen inzwischen die frühere Verteidigungs- und Entwicklungsministerin als Favoritin für die Nachfolge. Unter den Tory-Parteimitgliedern rangiert die 49-Jährige in Sachen Beliebtheit gleich hinter dem derzeitigen Verteidigungsminister Ben Wallace. Mordaunt nimmt kein Blatt vor den Mund und gehörte zu den wenigen, die Boris Johnson in der Partygate-Affäre heftig kritisierten. Nach ihrer Schulausbildung assistierte sie einem Zauberkünstler und arbeitete in Rumänien nach dem Ende der Ceaușescu-Diktatur in Kranken- und Waisenhäusern. Die überzeugte Anhängerin des Brexits ist seit 2010 Abgeordnete im Unterhaus und seit 2014 Mitglied der Regierung.

Verteidigungsminister Ben Wallace, der Favorit der Basis

Gemeinsam mit Liz Truss stellte sich der Verteidigungsminister hinter Johnson – aus ähnlichen Motiven. Bei der Tory-Parteibasis ist er der Favorit für die Nachfolge und hat sich vor allem wegen der Waffenlieferungen an die Ukraine beliebt gemacht. Er ist eher von stillerer Natur und damit ein Gegenentwurf zu Johnson, auch wenn er den russischen Präsidenten Putin als „völlig irre“ bezeichnet hatte. Anders als die Parteibasis sehen ihn die Buchmacher nicht ganz vorn.

Ex-Schatzkanzler Rishi Sunak, der gute Redner

Der Schatzkanzler hat sich mit seinem Rücktritt vom Amt wieder ins Favoritenfeld geschoben. Der Ruf des lange sehr beliebten Politikers hatte gelitten, weil er als erster Kanzler überhaupt zu einer Geldstrafe verurteilt wurde. Gegen den 42-Jährigen war Strafbefehl erlassen worden, weil er gegen die Covid-19-Regeln während des Lockdowns verstoßen hatte. Doch seine Corona-Politik fand Unterstützung. Er handelte schnell mit einem Covid-19-Unterstützer-Programm für Familien und Firmen, was ihm Lob und Anerkennung einbrachte. Er war der einzige Hindu in der Johnson-Regierung, ist ein guter Redner, gilt als ruhig und besonnen.

Ex-Außenminister Jeremy Hunt, der Mann der Mitte

Der frühere Außen- und Gesundheitsminister unterlag Boris Johnson bei der Wahl zum Tory-Parteivorsitzenden 2019. Kommt nun seine große Stunde? Die Buchmacher sehen ihn nicht ganz vorn: Er gilt zwar als netter Kerl, aber mit Führungsstärke konnte er als Hinterbänkler im Parlament noch nicht überzeugen. Trotzdem könnte seine ruhige, souveräne und überlegte Art jetzt für ihn sprechen. Bevor er in die Politik ging, war Hunt Unternehmensberater und Englischlehrer in Japan. Er gilt als Mann der Mitte.

Dieser Artikel erschien zuerst auf waz.de.

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