SPD jagt der CDU 22 Direktmandate ab

Braunschweig  Die SPD holt in Niedersachsen 55 der 87 Wahlkreise. Die AfD hat in Salzgitter ihre Hochburg. Eine Analyse.

Das politische Niedersachsen hat nach der Landtagswahl ein verändertes Gesicht: Die SPD hat der CDU 22 Direktmandate abgenommen. Dem neuen Landtag werden 55 SPD-Abgeordnete angehören, die allesamt über die Erststimme in ihren Wahlkreisen ins Parlament eingezogen sind. Die SPD war so stark, dass die Landesliste bei den
Sozialdemokraten gar nicht mehr zum Zug kommt.

Bei der CDU gewannen nur
32 Kandidaten das Direktmandat in ihrem Wahlkreis. 18 weitere Abgeordnete der CDU kommen über die Landesliste in den Landtag. Bei der Wahl 2013 hatte die CDU noch 54 der 87 Direktmandate gewonnen.

CDU auf dem Land, SPD in der Stadt

Die Wähler in Niedersachsen haben eher klassisch abgestimmt: Sie haben die SPD vor allem in den städtischen, die CDU dagegen in den ländlichen Gebieten gewählt. In der Region Hannover holte die SPD elf von zwölf Direktmandaten, in unserer Region waren es sogar sämtliche elf. Auch in Göttingen, einer Stadt mit hohem Studentenanteil, war die SPD stark. Hier kam sie auf 43 Prozent der Erststimmen. Der stärkste SPD-Wahlkreis war Emden/Nord mit 49,4 Prozent der Stimmen. Hier ist durch das VW-Werk die Arbeiterschaft stark vertreten.

Die CDU war stark im katholisch geprägten Raum im Südwesten Niedersachsens. Ihr bestes Ergebnis fuhr die CDU im Wahlkreis Vechta ein. Dort kam sie auf 57,5 Prozent der Zweitstimmen. Die Arbeitslosigkeit ist hier sehr niedrig, die Landwirtschaft einer der Hauptarbeitgeber. Auch im angrenzenden Cloppenburg war die CDU stark. Die Partei holte hier zudem den größten Sieg bei den Erststimmen: 60,2 Prozent. In Hannover-Linden hingegen stürzte die CDU regelrecht ab. Hier kam sie nur auf 16,8 Prozent der Stimmen. Das waren noch einmal drei Prozent weniger als 2013.

Grünen-Debakel in Göttingen

Bei den Zweitstimmen schafften es die Grünen in keinem Wahlkreis auf den zweiten Platz. In Göttingen, ihrer absoluten Niedersachsen-Hochburg, in der auch Ex-Bundesumweltminister Jürgen Trittin wohnt, holten die Grünen erneut das beste Ergebnis. Sie kamen auf 20,2 Prozent. Bei der letzten Landtagswahl vor viereinhalb Jahren waren es allerdings noch 28,5 Prozent – ein satter Verlust.

In Salzgitter waren die Grünen besonders schlecht. Hier kamen sie nur auf 4,5 Prozent und fielen unter die symbolische Fünf-Prozent-Hürde. Dabei ist in der Stadt das Atommüll-Endlager Schacht Konrad geplant – eigentlich ein urgrünes Thema.

Kaum Ausreißer bei der FDP

Bei der FDP gab es kaum Ausreißer nach unten oder nach oben. Die FDP schaffte es zum zweiten Mal nach 2013, in allen niedersächsischen Wahlkreisen mindestens fünf Prozent zu holen. Die Liberalen punkteten am stärksten im Wahlkreis Oldenburg-Land. Hier erreichten sie 10,9 Prozent der Stimmen. Viele Stimmen holte die FDP auch in Neustadt/Wunstorf, dem Heimatwahlkreis des Spitzenkandidaten Stefan Birkner.

AfD-Hochburg Salzgitter

Wie schon bei der Bundestagswahl punktete die AfD stark in Salzgitter. Sie kam insgesamt auf 13,7 Prozent der Zweitstimmen, in einzelnen Wahllokalen in Salzgitter-Lebenstedt waren sogar zwischen 25 und 38 Prozent drin. Auffällig am Ergebnis der AfD: Sie schneidet in genau jenen Städten am besten ab, für die die rot-grüne Landesregierung einen Zuzugsstopp erwägt beziehungsweise im Fall Salzgitters bereits verhängt hat. In Delmenhorst (10,5 Prozent) und Wilhelmshaven (8,3), unter anderem wegen günstiger Mieten ebenfalls gefragte Wohnsitze von Migranten, schneidet die AfD ebenfalls überdurchschnittlich ab. Die schlechtesten Ergebnisse erzielt sie dagegen in Meppen, Lingen und der Grafschaft Bentheim im äußersten Westen Niedersachsens.

Linke fast überall schwach

Einzig in Hannover-Linden konnte die Linke mit 13,7 Prozent der Zweitstimmen ein gutes Ergebnis erzielen. Ansonsten blieb die Linke in fast allen Wahlkreisen unter der Fünf-Prozent-Hürde. Der zwischen SPD und CDU zugespitzte Wahlkampf hat offenbar gerade die Linke geschwächt. Mit der Forderung nach einem Mindestlohn von zwölf Euro, einer perspektivischen 30-Stunden-Woche und einem Frauenministerium konnte sie nicht genug Wähler überzeugen, um nach 2008 zum zweiten Mal in den Landtag einzuziehen. Besonders im landwirtschaftlich geprägten Südwesten lief es für die Linke schlecht. In Meppen holte sie nur 2,3 Prozent der Zweitstimmen.

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