Wenn das Wohnhaus zum Inferno wird

Braunschweig  Ingenieure und Feuerwehrleute entwickeln neue Fluchtkonzepte und stellen sie in Braunschweig vor.

Das Szenario: In einer Wohnung in einem mehrstöckigen Wohnhaus brennt es. Besonders schlimm ist: Über die enge Straße kommt die Feuerwehr mit der Drehleiter nicht nah genug an das Haus heran, um die Menschen aus den oberen Stockwerken zu holen. Wie gelangen die Menschen denn nun in Sicherheit?

Wissenschaftler, Ingenieure und Feuerwehrleute stellten während der Braunschweiger Brandschutztagung der TU Braunschweig in der Stadthalle ihre Ideen für neue Rettungssysteme vor.

Das Berliner Modell

Eine Idee, die in Berlin getestet wurde, sieht vor, in Neubauten sogenannte Sicherheitstreppenräume zu bauen. „In Fluchttreppenhäusern gibt es üblicherweise einen Vorraum, der durch zwei Sicherheitstüren mit dem Treppenhaus und dem normalen Hausflur verbunden ist“, erklärt Brandschutz-Ingenieur Tim Obermeier.

Wenn es brennt, soll ein Überdruck in den Vorräumen verhindern, dass Rauch ins Treppenhaus gelangt. Zusätzlich soll die feuerfeste Außenfassade des Hauses verhindern, dass Flammen auf die Nachbarwohnungen überspringen.

„Das Modell ist allerdings sehr aufwendig“, sagt Obermeier. Außerdem könne es nur in Neubauten installiert werden, in bereits bestehenden Hochhäusern reiche meist der Platz nicht aus oder es gebe keine Vorräume zu den Treppenhäusern.

Das Hamburger Modell

Für das Hamburger Modell sollen über den Wohnungstüren Düsen angebracht werden, die – ähnlich wie eine Sprinkleranlage – im Brandfall Wasser versprühen. „Allerdings ist der Wasserdruck dabei so hoch, dass eine Art Nebelwand entsteht“, erklärt Ingenieur Obermeier.

So soll verhindert werden, dass sich das Feuer aus der Wohnung in das Treppenhaus ausweitet. Die Düsen sind dabei an die normale Wasserleitung des Hauses gekoppelt und werden aktiviert, wenn der Feuermelder der jeweiligen Wohnung einen Alarm auslöst. Bis zu 40 Liter Wasser in der Minute können dann als Sprühregen von der Decke kommen.

Das System wird zurzeit noch getestet. „Aber alle Tests sind bis jetzt sehr positiv verlaufen“, sagt Obermeier. Das Hamburger Modell könnte außerdem auch in bereits bestehenden Gebäuden eingebaut werden.

Die sogenannte Nachverdichtung in den Innenstädten, das Aufstocken von bereits bestehenden Gebäuden oder der Ausbau von Dachgeschossen stellt die Stadtentwickler und die Feuerwehr vor Herausforderungen.

„Aber für jede Wohnung kann eine individuelle Lösung für Brandschutzmaßnahmen gefunden werden“, sagte Jochen Zehfuß vom Institut für Brandschutz der TU-Braunschweig. Er empfiehlt: „Sobald der Architekt weiß, wo er bauen soll, muss die Feuerwehr in die Baumaßnahmen eingebunden werden.“

Je früher man sich damit beschäftige, desto geringer seien auch die Kosten. Teuer werde es erst, wenn nachträgliche Vorkehrungen getroffen werden müssten – aber auch diese könnten im Notfall Leben retten.

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