Wort zum Alltag

Besser zu zweit…

Wenn man am liebsten den ganzen Tag die Jogginghose anhat oder stundenlang was genau eigentlich macht, dann kann es schon ein bisschen nervig werden.

Jetzt beginnt normalerweise die Hochzeitssaison.

Stattdessen haben wir nun die ultimative Bewährungsprobe, ob es eigentlich miteinander klappt und wie das so geht, ganz dicht aufeinander. Wenn man nicht mit einer Freundin ins Kino oder ein bisschen shoppen gehen kann, wenn es ausfällt, mit den Kumpels ins Stadion oder in die Sauna zu gehen, wenn man dafür am liebsten den ganzen Tag die Jogginghose anhat oder stundenlang was genau eigentlich macht – dann kann es schon ein bisschen nervig werden.

Dazu kommen Gewohnheiten des anderen, die man nicht so schrecklich gut leiden, aber in kleinen Dosen aushalten kann. Die Wohnung hatten wir eigentlich für größer gehalten, als sie sich jetzt anfühlt, und dass der Nachbar Klavier spielt, war mir bisher gar nicht aufgefallen. Und wer putzt jetzt eigentlich?

Und das alles den ganzen Tag lang und morgen und nächste Woche auch noch… Folgender Klassiker unter den Trausprüchen steht bei dem Prediger Salomo:

„So ist’s ja besser zu zweien als allein; denn sie haben guten Lohn für ihre Mühe. Fällt einer von ihnen, so hilft ihm sein Gesell auf. Weh dem, der allein ist, wenn er fällt! Dann ist kein anderer da, der ihm aufhilft. Auch, wenn zwei beieinanderliegen, wärmen sie sich; wie kann ein Einzelner warm werden? Einer mag überwältigt werden, aber zwei können widerstehen, und eine dreifache Schnur reißt nicht leicht entzwei.“

Würde man den Spruch jetzt wieder aussuchen oder vielleicht doch eher was nehmen mit langmütiger Liebe, die niemals aufhört? Ich finde den weisen Salomo noch immer gut: Ja, es ist gut, wenn man einen hat, und lohnt, einander liebevoll anzusehen und froh zu sein, dass man nicht allein ist. Nicht nur für den Fall, dass es jetzt eine niederstreckt und sie ins Bett muss. Nicht nur für den Fall, dass der Schüttelfrost kommt – vom Fieber oder von der Existenzangst. Sondern für all die Momente des Tages, die man in der Hand hat und füreinander schön machen kann.

Und was ist es eigentlich mit der dreifachen Schnur? Vielleicht birgt sie das dreifache Ja: das Ja zu einander, das Ja vor Gott und sein Ja in seinem Segen über uns. Damit sind wir gestartet. Das reißt nicht so schnell.

Und sollte die Schnur ausfasern und Verschleiß an Reibepunkten zeigen, dann lasst uns einander durch Gottes Augen sehen: nicht was vor Augen ist (die Jogginghose oder die ausgewachsene „Frisur“), sondern das Herz!

Die finden die Worte zum Alltag auch als Video unter www.braunschweiger-zeitung.de/wortzumalltag.

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