Erwartbarer Corona-Fall in Salzgitters Bildungswelt

„Ich bin kein Phantast, sondern Realist, gleichwohl wünsche ich mir endlich einheitliche und vor allem nachvollziehbare Regelungen und Ansagen.“

Natürlich kann auch ein junger Mensch an Corona erkranken“: Das sagte in dieser Woche im Interview Shadi Abuhamad, einer der Chefärzte am St.-Elisabeth-Krankenhaus in Salzgitter-Bad. Ihm und seinem Kollegen Sharif Daudi war und ist es ein Anliegen, ihre Mitmenschen vor dem Corona-Virus zu warnen. Und gleich zwei Tage später müssen wir berichten, dass ein fünfjähriges Kind sich nachweislich mit dem Corona-Virus infiziert hat. In der Folge musste die Kita in Sauingen komplett schließen. Das ist bitter, für alle Betroffenen, vor allem für das erkrankte Kind, das hoffentlich sehr bald wieder gesund ist. Aber die Wahrheit ist auch: Das war erwartbar. In Salzgitter wie überall in Niedersachsen. Die Landespolitik legt es förmlich darauf an, dass es zu Ausbrüchen in Bildungseinrichtungen kommt. Im Amtsdeutsch ist die Rede vom eingeschränkten Regelbetrieb. Ich nenne das kurzsichtig und verantwortungslos.

Natürlich wünschen sich die Bürger ihr normales Leben zurück. Doch: Das wird es so schnell in der gewohnten Form nicht wieder geben. Die Einschränkungen, die neben den Kindern gerade auch die Eltern hinnehmen müssen, wenn es etwa nur Schulen im Wechselbetrieb gibt, sind natürlich einschneidend. Aber sie sind auch kalkulierbar. Corona-Ausbrüche an ganzen Schulen sind derweil erwartbar, aber auf konkrete Schulen gemünzt natürlich nicht vorhersehbar. Die Schule meines ältesten Sohnes meldete sich zu Beginn dieser Woche: Alle Kinder müssten abgeholt werden, sofort. „Aha“, dachte ich mir, „so schnell geht das mit dem Ausbruch des Corona-Virus“. Tatsächlich mussten die Kinder wegen eines viel banaleren Grundes umgehend den Heimweg antreten: ein Wasserrohrbruch war Schuld. Es folgten zahlreiche Telefonate, SMS und WhatsApp-Nachrichten – bis eine Betreuungslösung gefunden war.

In der Kita unserer Zwillinge wiederum wurde ich gleichermaßen freundlich wie nachdrücklich darauf aufmerksam gemacht, dass beim Bringen und Abholen der Kinder kein Mund- und Nasenschutz mehr getragen werden müsse. Das ist ja nett gemeint, aber welche Botschaft geht damit einher? Wir haben das Virus schon hinter uns gelassen? Mitnichten. Zugleich weist der Bundesgesundheitsminister regelmäßig auf die Notwendigkeit zur Einhaltung der „AHA-Regeln“ hin: Abstand, Hygiene, Alltagsmasken. Ja, was denn nun? Hü oder hott?

Natürlich haben die unterschiedlichen Ansagen auf Bundes- und Landesebene logischerweise mit unserem Föderalismus, den ich grundsätzlich schätze, zu tun. Aber hier tragen viele handelnde Akteure auch ihre Eitelkeiten zur Schau.

Ich bin kein Phantast, sondern Realist, gleichwohl wünsche ich mir endlich einheitliche und vor allem nachvollziehbare Regelungen und Ansagen, damit es im Herbst nicht zum erwartbar verstärkten Infektionsgeschehen kommt.

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