SOS-Mütterzentrum entwickelt Lehrplan für Pädagogen

Salzgitter-Bad.  In Salzgitter soll die intergenerative Ausbildung voran gebracht werden. Jung und Alt werden im Mehrgenerationenhaus gemeinsam betreut.

Kinder und ältere Menschen werden im Mehrgenartionenhaus des SOS Mütterzentrum tagsüber unter einem Dach betreut. 

Kinder und ältere Menschen werden im Mehrgenartionenhaus des SOS Mütterzentrum tagsüber unter einem Dach betreut. 

Foto: Nina Schacht

Im Mehrgenerationenhaus des SOS-Mütterzentrums begegnen sich Jung und Alt ohne Berührungsängste. Gemeinsam werden dort Kita-Kinder und ältere Menschen tagsüber betreut. Dass sich mehrere Generationen ohne Hemmschwellen begegnen ist auch möglich durch die konzeptionelle Gestaltung der Räume. Die Räume der Kita im Mehrgenerationenhaus sind nur ein paar Schritte vom gemeinsamen Esszimmer entfernt. In der Küche treffen sich Kinder und ältere Menschen, um gemeinsam das Essen zu kochen. Alle Türen stehen offen. Beim Basteln sitzen die Kinder mit den Senioren an einem Tisch und malen Masken für die bevorstehende Faschingszeit. Vor rund eineinhalb Jahren wurde das Modellprojekt „Wir schauen über den Altersrand hinaus – Betreuung für Junge und Alte“ initiiert. „Damit gehen wir zurück zu den Wurzeln und leben wieder wie in einer Großfamilie miteinander“, sagt Hildegrad Schooß, Gründerin des SOS-Mütterzentrums und Leiterin des Projekts.

Doch dafür braucht es Personal, das für eine generationsübergreifende Betreuung geschult ist. „Bisher werden Erzieher und Altenpfleger separiert ausgebildet“, berichtet Schooß. Das müsse sich in Zukunft ändern. Auch in ihrer Einrichtung habe sie mit dieser Hürde zu kämpfen. „Derzeit erarbeiten wir ein Curriculum, und stellen den Bedarf und die Methoden der generationsübergreifenden Betreuung zusammen“, berichtet Schooß.

Für Schooß liegen die Gründe für diese Form des Zusammenlebens auf der Hand. „Einsamkeit kann man nicht durch hochprofessionelle Angebote ausgleichen“, sagt Schooß. Vielmehr müsse ein natürliches Zusammenleben gewährleistet sein. Davon berichtet auch Lotte Schieb. Nach einem Schlaganfall fehlte der 90-Jährigen der gesellschaftliche Anschluss. „Ich saß alleine in meiner Wohnung und fing an zu grübeln. Es ging mir nicht gut“, berichtet sie. Der Kontakt zu den Kindern tue ihr gut. Und Miley aus der Kita ergänzt, „Hier habe ich drei Omas und ich finde sie sehr lustig“. Dass Kinder bei älteren Menschen tiefe Glücksgefühle auslösen, sei von der Forschung bestätigt, berichtet die Projektleiterin. Und umgekehrt könnten die Senioren ihr Wissen an die Kinder vermitteln. „Die Trennung der Generationen wurde in den letzten Jahren professionalisiert“, sagt Schooß. Auch von der Landesschulbehörde. Das werde schon allein daran deutlich, dass selbst Krippenkinder, Kita-Kinder, und Schüler getrennt lernen und leben.

Im SOS-Mütterzentrum werden die Senioren nachmittags wieder von einem Fahrdienst zu ihren Familien gebracht oder sie kehren zurück in die eigene Wohnung. „Zu uns kommen auch leicht demente Menschen“, sagt Schooß. Bettlägerige Menschen können die Einrichtung nicht besuchen. „Bundesweit gibt es Projekte, in denen sich Kindertagesstätten und Seniorenheime eine Einrichtung teilen“, sagt Schooß. In der Region sei ihr ein solches Projekt jedoch nicht bekannt.

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