Kinder im Blick

Ich als ältere Erwachsene habe erstaunlich viel Achtsamkeit von Jugendlichen erfahren.

Was machen diese Zeiten im Zeichen der Pandemie eigentlich mit unseren Kindern und Jugendlichen? – darüber denke ich viel nach. Verlieren wir sie als Kirche nun ganz, weil wir im Moment mit ihnen vieles nicht so machen können, wie wir es gewohnt sind? Können wir ihnen etwas geben, das sie vielleicht jetzt dringender brauchen als vorher? Brauchen sie die Kirche, einen Halt durch den Glauben, die Begegnung, die die Kirche ihnen ermöglichen möchte? Müssen wir innovativer, digitaler und sonst irgendwas werden, um sie zu erreichen?

Eine allgemeingültige, schnelle Antwort liegt da einfach nicht auf der Hand. Wir sind selbst belastet durch Einschränkungen, Hygieneregeln und unser persönliches Erleben von Corona, das generationenbedingt teils auch noch sehr verschieden ist. Wir mussten Dinge absagen, die von langer Hand geplant waren, wie zum Beispiel Freizeiten mit Kindern, bei denen die Abstands- und Hygieneregeln einfach nicht zu gewährleisten waren. Wir versuchten, andere Dinge möglich zu machen und schlugen uns auf einmal mit Dingen herum wie Begrenzungen von Teilnehmerzahlen, Gewährleistung von Maskenvorrat und Desinfektionsmitteln, offenen Türen, die nur ganz anzahlbegrenzt offen sein konnten. Wie in anderen Bereichen auch, geht bei uns vieles viel langsamer voran, weil wir zwischendurch immer wieder Flächen desinfizieren müssen, gemeinsame Mahlzeiten anders vorbereiten müssen, und und und.

Aber zurück zu den Kindern und Jugendlichen. Eine Antwort gibt es für mich bereits: Wir müssen dranbleiben, so kleinteilig einem manches vorkommen mag. Unsere Angebote werden wahrgenommen, angenommen und gebraucht. Viele Kinder und Jugendliche gehen einerseits viel unkomplizierter und andererseits disziplinierter mit der Maskenpflicht und anderen Regeln um, als wir Erwachsene es voraussetzen, weil sie von Natur aus noch viel flexibler sind. Ich als ältere Erwachsene habe erstaunlich viel Achtsamkeit von Jugendlichen erfahren. Die Verunsicherung, die die neue Zeit mit sich bringt, hat meiner Erfahrung der letzten Monate nach die Suche nach nichtmateriellen Werten verstärkt beziehungsweise wieder aufleben lassen. Der Rückzug in digitale Welten wird nur sehr bedingt als Lösung gesehen. Das Gespür für die Werte von Gemeinschaft ist nicht verloren und wächst vielleicht gerade jetzt wieder. Kinder und Jugendliche sind von dem abhängig, was wir Erwachsenen ihnen vorleben und entgegenbringen. Und sie registrieren genau, ob wir nur mit unseren eigenen Problemen beschäftigt sind und davor einknicken, oder ob wir ihnen zugewandt sind. Also nicht schreckensstarrer Rückzug, sondern Zugewandtheit und Kreativität im Umgang sind unter den veränderten Voraussetzungen geboten. Dann ist da die Hoffnung, dass es trotz und auch nach Corona weitergeht.

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