„Die Lieder sind der Zauber“

Braunschweig.  Veronika Riedl und Alexander Jahnke - eine ungewöhnliche Newcomerin und ein „DSDS“-Finalist kommen mit neuem „Grease“-Musical nach Braunschweig.

Veronika Riedl in ihrer ersten Musical-Rolle als Sandy und „Deutschland sucht den Superstar“-Finalist Alexander Jahnke als Danny in „Grease“.

Veronika Riedl in ihrer ersten Musical-Rolle als Sandy und „Deutschland sucht den Superstar“-Finalist Alexander Jahnke als Danny in „Grease“.

Foto: Ruprecht Stempell/Veranstalter

Ohne Frage. „Grease“ war, ob als Musical oder Film, ein riesiger Erfolg. Immer wieder schlägt „Grease“ Menschen in Bann: Die brave Sandy und der coole Danny finden sich nach einer Sommerromanze an derselben Schule wieder. Viele Missverständnisse und Tanzeinlagen später kommen sie endlich zusammen. Pünktlich zum 40-jährigen Jubiläum des Kultfilms wird „Grease“ in Braunschweig live zu sehen sein. Mit dabei: Veronika Riedl in ihrer ersten Musical-Rolle als Sandy und „Deutschland sucht den Superstar“-Finalist Alexander Jahnke als Danny. Nils Erich hat mit ihnen gesprochen.

Wann habt ihr das erste Mal „Grease“ gesehen?

Riedl: Das muss im Kindesalter gewesen sein, ich kann mich daran aber nicht bewusst erinnern. Mit 14 bis 15 Jahren hatte ich eine Phase, da haben wir den Film jedes Wochenende vor dem Weggehen geguckt und die Lieder mitgesungen.

Dann konntest du die Lieder bestimmt alle auswendig?

Riedl: Auf jeden Fall! Ich weiß nicht, wie das hier ist, in Österreich laufen die Lieder jetzt noch immer im Radio, auf und ab.

Jahnke: Den Film habe ich zum ersten Mal gesehen, als ich für die Rolle angefragt wurde. „Grease“ war vorher für mich nie ein Thema, aber dann zur Vorbereitung habe ich den Film umso häufiger gesehen. Ich schaue ihn nach wie vor gerne, weil ich viele Vergleiche ziehen kann: Wie wird Dannys Rolle von John Travolta interpretiert. Wie sind Dinge im Film und wie bei uns umgesetzt.

Der Film „Grease“ ist an das gleichnamige, ältere Musical angelehnt. Woran orientiert sich das Musical, in dem ihr nun singt?

Riedl: Unser Musical ist an den Film angelehnt, aber für die Bühne aufgepeppt. Das Grundgerüst kommt vom ursprünglichen Musical. Es ist aber deutlich kürzer. Vier Stunden wären zu lang. Die Bühnenhintergründe stellen verschiedene Orte rund um die Rydell High School dar. Zum Beispiel der Schulpausenraum, die Tribünen am Sportplatz, die Bar – alles Plätze, wo die jungen Leute von damals sich so gerne rumgetrieben haben. Es ist einfach gehalten, weil es eine Tourproduktion ist. Der Raum wird auch durch die Beleuchtung kreiert und einen riesigen Led-Screen, das ist neu für diese Produktion.

Jahnke: Wir sind teilweise 25 Leute auf der Bühne, wenn die Tänzer dazukommen, und da geht’s häufig um die Masse der Leute. Das ist natürlich sehr faszinierend. Vor allem durch die 50er-Jahre-Kostüme und natürlich die Lichtshow, wenn wir tanzen. Es sind zwei Stunden Party. Zugleich finde ich es bei uns schön, dass die Nebencharaktere mehr im Fokus stehen als im Film. Wir haben Liebesgeschichten mit eigenem Stil, und so haben die anderen Charaktere bei uns mehr Gesicht. Im Film ist alles auf Sandy und Danny bezogen.

Spielt ihr dann eigentlich Sandy und Danny oder Olivia Newton-John und John Travolta als Sandy und Danny?

Riedl: Man versucht nicht, eins zu eins die Person zu kopieren, das würde nicht klappen und auch nicht so viel Sinn machen. Selbst beim Singen: Olivia Newton-John haucht ihre Lieder schon fast, hat ihre Stücke im Studio eingesungen. Auf der Bühne muss ich viel kräftiger singen.

Jahnke: Wenn ich Travoltas Quietsch-Stimme nachmachen würde, klänge das nicht gut. Das muss zum Sänger passen. Ich hab auch mal probiert, leiser und gefühlvoll zu singen, da wurde dann gleich gesagt, du musst lauter singen, damit etwas ankommt.

Riedl: Ich versuche nicht, zu kopieren, sondern das Gefühl der Zeit zu vermitteln.

Was ist das für ein Zeitgefühl?

Riedl: Wenn ich alte Filme sehe, habe ich das Gefühl, dass die Leute mehr auf Zack waren, zumindest wurde das in den Filmen so dargestellt. Die Konversationen gingen so schnell hin und her mit zackigen Antworten und Redewendungen.

Jahnke: Das ist auch eine Zeit ohne Smartphone. Man hatte ein anderes Miteinander und redete mehr miteinander. Es ging um Menschen an sich und nicht Menschen ganz weit weg.

Riedl: Es wirkt auf jeden Fall unbeschwerter. Die Leute haben sich nicht über alles eine Platte gemacht.

Zugleich waren die Menschen mehr auf gewisse Zufälle angewiesen. Wie der, dass Sandy nach ihrem Flirt mit Danny an dessen High School kommt.

Jahnke: Aber ist das nicht viel schöner? Das gibt dem Leben eine ganz andere Spontaneität, als wenn man täglich gucken kann, auf irgendwelchen Dating-Portalen, wer in Frage kommt. Ich glaube, das war viel aufregender.

Fällt es euch leicht, in eure Rolle zu gehen?

Jahnke: Spätestens, wenn man in die Kostüme schlüpft, dann fühlt man sich in seine Rolle rein. Dann geht da eine automatische Transformation zum Danny vonstatten. Die größte Verwandlung sind für mich natürlich die Haare. Da kommt die Schmiere und ordentlich viel Haarspray, damit das ganze auch zwei Stunden hält, trotz dem Getanze und dem Schweiß. Dann versuche ich einerseits den coolen Typen Danny zu zeigen, den Leader von seinen „T-Birds“ und andererseits den Romantiker, wenn es um seine große Liebe geht.

Riedl: Als Danny bist ja erstmal der Coole am Pausenhof und du versuchst es immer wieder, scheiterst aber an deiner Coolness.

Jahnke: Das ist wie im Film. Kaum ist Sandy da, ist Danny komplett überfordert mit seinen Gefühlen, weiß nicht damit umzugehen. Auch das findet viel auf der Bühne statt – immer der Konflikt mit sich selbst.

Ist „Grease“ heute noch aktuell?

Riedl: Ich glaube, die Story ist zeitlos. Es geht um eine typische Schulklasse, mit coolen und uncoolen Menschen. Mit Mädchenclique, Jungsbande und Klassenclown. All die Charaktere finden sich in jeder Schulklasse. Jeder kann es in sein persönliches Leben übertragen. Der Zauber von „Grease“ ist aber das Musikalische, die Lieder, und nicht so sehr die Story.

Was fasziniert euch an Musicals?

Riedl: Für mich war das schon immer die Lebensfreude. Als Kind dachte ich: Wenn ich das alles könnte, was die Leute da machen, wäre das mein absoluter Traumjob. Es hat mich so beflügelt, zu sehen, was Menschen mit ihrem Körper machen können. Was man damit machen kann – ob tanzen, singen oder sprechen – das ist der pure Ausdruck von Lebensfreude. Das kenne ich von keiner anderen künstlerischen Form.

Jahnke: Zuerst war ich ja Pop-Rock-Sänger. Musical-Darsteller ist aber ein geiler Job. Wir dürfen auf der Bühne unsere Leidenschaft leben und nun sind mit Tanzen und Schauspiel für mich zwei neue Leidenschaften dazugekommen.

War es schwierig, ins Musical einzusteigen?

Jahnke: Ich habe echt Glück gehabt, dass ich reingeschubst wurde: Der Produzent Wolfgang Bocksch, der mich bei „DSDS“ gesehen hat, hat einfach angefragt, ob ich mitmachen möchte. Musik war für mich nie wirklich fremd. Ich habe Klavier gelernt und mir selbst Gitarrespielen beigebracht. Das Singen habe ich mit 14 angefangen. Und an der Schule hatte ich zwei Jahre lang einen Schauspielkurs. Aber Tanzen war für mich Neuland. Bevor die Proben losgingen, hatte ich schon 50 bis 60 Tanzstunden – Ballett, Jazz – damit ich ein Gefühl dafür bekomme, was der Körper macht, und locker werde.

Riedl: Vorher habe ich bei einer Softwarefirma gearbeitet. Ich dachte, im Musical zu sein ist ja utopisch. Irgendwann, obwohl ich so spät dran war, habe ich trotzdem einfach ein Musical-Studium angefangen.

Das war am Konservatorium Wien.

Riedl: Ja, mit Ausbildung in Tanz, Gesang und Schauspiel. Meine Einstellung war, drei Jahre zu machen, was mir Spaß macht. Dann gehe ich zurück in meinen Job bei einer Softwarefirma, wenn ich nichts finde. Direkt vor meinem Abschluss war aber das Casting zu „Grease“. Dann wurde ich zu einem Treffen mit Alexander eingeladen. Ich habe mich gar nicht zu fragen getraut, ob ich die Rolle habe! Erst als die den Fototermin für die Poster in Köln angefragt haben, habe ich verstanden, dass ich eine der Hauptrollen spiele!

In Braunschweig gebt ihr eure vorletzte Show. Was kommt danach?

Jahnke: Im Anschluss bin ich bei der Vier-Schanzen-Tournee. Dieses Jahr durfte ich die offizielle Hymne komponieren und singen. Da trete ich bei der ersten Station auch auf.

Riedl: Mir wurde schon im Studium gesagt, dass der Markt komplett übersättigt ist. Wenn du als Frau alles kannst, können 100.000 andere auch alles. Wenn du irgendwie irgendeinen Job kriegst, dann hast du schon Glück. Ich hoffe, ich kann weiter in dem Bereich arbeiten. Momentan sieht’s auch so aus, als würde es weitergehen, aber da kann ich noch nichts verraten.

Ist die Hauptrolle in „Grease“ denn auch ein Aushängeschild?

Riedl: Es bringt einem gar nicht so viel. Ein bisschen für den Lebenslauf, aber im Prinzip musst du dich jedes Mal von vorne bewerben und ins Konzept passen.

Habt ihr nach über 200 Auftritten noch Lampenfieber?

Riedl: Ich war immer schon der Typ dafür, es ist auch immer noch da. Manchmal bin ich durch komplette Szenen hindurch nervös, hauptsächlich während der Lieder. Das muss man aushalten. Wenn man es akzeptiert, dann ist es halt so. Man ist ja noch nicht tot umgefallen. Wenn man es oft macht, wird es durch die Wiederholung auch etwas besser.

Alexander, du hast bei „DSDS“ schon vor einem Millionenpublikum gestanden – wo ist das Lampenfieber größer, TV oder Bühne?

Jahnke: Dass da ein Millionenpublikum ist, kriegst du gar nicht mit. Das Lampenfieber, das ich dort hatte, ist anders gewesen als bei „Grease“. Es ging ja darum, am Ende als Sieger herauszugehen. Da schlägt dir das Herz bis zum Anschlag. Bei „Grease“ war das am Anfang ähnlich. Es ist wahnsinnig aufregend, tanzen, singen und schauspielern zu müssen.

Werdet ihr auch mal erkannt auf der Straße?

Riedl: Ich werde nicht mal im Stück erkannt. Da habe ich zwei Perücken auf, und alle sehen nur Perücke, kein Gesicht. Dann sagen die sogar bei der Autogrammstunde: „Die war aber nicht dabei“.

Jahnke: Auf der Straße werde ich manchmal wegen „DSDS“ erkannt und nicht vom Musical. Oder die Leute erkennen mich sogar erst bei der Autogrammstunde wegen des Namens und fragen dann, ob ich nicht bei „DSDS“ war.

Riedl: Da ist dann wohl die Marketing-Strategie gescheitert.

Bis zu acht Auftritte die Woche – habt ihr auch mal Pause?

Riedl: Wir gucken uns meistens die Städte an.

Jahnke: Ich habe noch nie so viele Kirchen gesehen wie in letzter Zeit.

Riedl: Ich mach das immer, Kirchen sind schön anzusehen.

Habt ihr neue Lieblingsorte entdeckt?

Riedl: Regensburg! Richtig gemütlich und schön, gutes Bier …

Jahnke: … und vor allem eine schöne Kirche nebenan!

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder