Robin Beckers Umschulung ins Glück

Braunschweig.   Eintracht Braunschweig hat seine Abwehrprobleme in den Griff bekommen. Das liegt auch an Robin Becker, der nun Innenverteidiger ist.

Robin Becker (rechts) jubelt mit Trainer André Schubert über den Sieg in Zwickau.

Robin Becker (rechts) jubelt mit Trainer André Schubert über den Sieg in Zwickau.

Foto: EIBNER/Bert Harzer

Über die Innenverteidigung, das dachten wahrscheinlich vor der Saison viele Fans von Eintracht Braunschweig, müssen wir uns am wenigsten Gedanken machen. Gustav Valsvik, Frederik Tingager, Felix Burmeister – es waren immerhin drei gestandene Profis, die da in der Kaderliste des Fußball-Drittligisten standen. Andere Positionen des Aufgebots offenbarten beim Neuanfang nach dem Zweitliga-Abstieg auf den ersten Blick einen sehr viel größeren Mangel an Erfahrung und Klasse.

Umso überraschender war es dann, dass sich die Abwehrzentrale zu einem der großen Sorgenkinder bei den Blau-Gelben entwickelte. Weder Valsvik und Tingager, die beide den Verein inzwischen verlassen haben, noch Burmeister wussten zu überzeugen. Nicht weniger überraschend ist, wie beziehungsweise mit wem das Problem in der Innenverteidigung von Trainer André Schubert inzwischen behoben wurde. Steffen Nkansah und Robin Becker haben als Innenverteidigerduo in den beiden bisherigen Punktspielen des Jahres einen guten Eindruck hinterlassen . Die Youngster, beide sind erst 22 Jahre alt, haben mit ihren Leistungen großen Anteil daran, dass die Eintracht in diesem Jahr noch ohne Gegentor ist. „Sie haben das trotz ihres Alters sehr routiniert und gut gemacht“, lobte Schubert die beiden auch nach dem 1:0-Erfolg in Zwickau.

Aber während Nkansah schon zu Saisonbeginn als Innenverteidiger geführt wurde, wegen der namhaften Konkurrenz aber nicht der erste Anwärter auf die Startelf war, ist Beckers Entwicklung zur Stammkraft in der Innenverteidigung eine doppelte Überraschung. Vor eineinhalb Jahren wurde er als Rechtsverteidiger geholt und kam unter Trainer Torsten Lieberknecht zu 15 Zweitliga-Einsätzen. Zu überzeugen wusste der ehemalige Jugendspieler von Bayer Leverkusen auf dieser Position aber selten. Erst als Schubert nach der Niederlage in Münster Ende November auf eine Dreierkette in der Abwehr umstellte, offenbarte Becker seinen wahren Wert für die Löwen. Kopfballstark, robust im Zweikampf und konsequent im Klären des Balles ­– zentral ließ Becker seitdem wenig anbrennen und blieb Innenverteidiger, auch nachdem Schubert wieder auf eine Viererkette umstellte. „Robin hat bereits in den letzten Spielen der Hinrunde gezeigt, dass er das kann. Er verfügt über eine sehr gute Schnelligkeit, ein überragend gutes Kopfballspiel und eine tolle Mentalität“, lobt Schubert seine Entdeckung für die Abwehrzentrale.

Diese Umschulung ins Glück hatte Becker selbst am wenigstens vorausgesehen. „Ich hatte in den vergangenen neun Jahren immer die gleiche Position und hätte nicht gedacht, dass ich mal Innenverteidiger spielen würde, auch wenn mir schon ein paar Trainer gesagt haben, dass mir das ganz gut liegen würde. Doch bisher hatte das noch keiner wirklich ausprobiert“, berichtet der Abwehrspieler. „Am Anfang denkt man schon darüber nach, wie es auf der neuen Position ist, aber dann war die Umstellung gar nicht so groß, wie ich es mir ausgemalt habe“, fügt er hinzu.

Inzwischen lässt sich sogar sagen: Experiment geglückt, auch wenn es nach so wenigen Spielen vielleicht etwas voreilig wäre, ein abschließendes Fazit zu ziehen. „Es kam jetzt so, und es läuft ganz gut. Deshalb bin ich nicht unglücklich. Von mir aus kann es gerne so weitergehen“, erklärt Becker lächelnd.

Er erlebt seit seinem Wechsel im Sommer 2017 seine bisher beste Phase bei den Löwen, selbst wenn die Tabellensituation nach wie vor kritisch ist. „2018 war das schlimmste Jahr, das ich im Fußball erlebt habe“, sagt Becker. Mit den zwei Siegen zum Auftakt steigen auch seine Hoffnungen, dass 2019 deutlich besser wird. Und Eintrachts neues Innenverteidiger-Duo will dazu seinen Teil beitragen.

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