Oldenburger spielen zu stark für die Löwen

Braunschweigs Basketballer kassieren nach starker erster Hälfte beim Tabellenzweiten mit 89:103 (50:48) ihre höchste Auswärtsniederlage.

DeAndre Lansdowne (rechts, gegen Nathan Boothe) war in Oldenburg mit 23 Punkten der beste Löwe.

DeAndre Lansdowne (rechts, gegen Nathan Boothe) war in Oldenburg mit 23 Punkten der beste Löwe.

Foto: Andreas Burmann

Oldenburg. Es gibt einen Gegner, mit dem Braunschweigs Basketballer einfach nicht zurechtkommen. Gegen den Tabellenzweiten Baskets Oldenburg kassierten die Löwen nach der höchsten Heimpleite nun auch mit 89:103 (50:48) ihre mit Abstand klarste Auswärtsniederlage, die bereits nach den dritten Viertel so gut wie besiegelt war. Trainer Frank Menz wollte mit seinem Team aber nicht zu hart ins Gericht gehen. „Die Oldenburger sind eine Mannschaft, die das Halbfinale erreichen wird und die heute einen sehr guten Tag hatte“, lobte er lieber den Gegner. Zu Recht.

Die Braunschweiger bekamen zu spüren, wie stark ein ausgeruhtes Topteam aufspielen kann, das nicht wie alle anderen Spitzenmannschaften unter der Woche noch im Europapokal aktiv ist und mit den Kräften haushalten muss. Perfekt vorbereitet, hochkonzentriert und absolut entschlossen legten die Baskets los und zogen die Schlinge in den entscheidenden Momenten immer noch enger.

Beim Menz-Team lief von Beginn an einiges schief. So konnte es nicht wie gewohnt die Reboundhoheit erobern, die sich Oldenburg erkämpfte. Zudem war Center Scott Eatherton schnell foulbelastet.

Die Schlüsselfigur im Braunschweiger Spiel konnte nicht so lange spielen wie gewohnt, nur 21 Minuten, und fand wie kürzlich gegen Gießens John Bryant in Rasid Mahalbasic erneut seinen Meister, der ein seltenes Triple-Double aus 19 Punkten, 13 Rebounds und 10 Vorlagen schaffte. Der Braunschweiger Star war im Duell mit dem österreichischen Nationalspieler unter dem Korb nur schwer anspielbar, ließ sich schon früh entmutigen, verlor seinen Biss auf dem Feld und vergab am Ende sogar die „Elfmeter“, was das Spiel für seine Teamkollegen noch schwerer machte. Eathertons Vertreter Lars Lagerpusch hatte die ganze Woche wegen einer Erkältung nicht trainiert und verlor schnell seine Energie, Menz musste zu lange in kleinen Aufstellungen spielen lassen.

Sensationelle 50 Punkte zur Pause

Geradezu sensationell war es, dass die Löwen trotz dieser Widrigkeiten zur Halbzeit führten – dank der außergewöhnlichen Offensivausbeute von 50 Punkten bei sehr guten 53 Prozent Trefferquote. Sie ließen sich auch von Vorsprüngen der Gastgeber mit bis zu sieben Punkten nicht beirren.

Im zweiten Viertel bekamen sie etwas besseren Zugriff in der Verteidigung, blockten Würfe, klauten dem Favoriten den Ball und erkämpften sich dadurch Selbstvertrauen. Shaquille Hines tat sich dabei besonders hervor und DeAndre Lansdowne, der trotz der Sonderbewachung durch Nationalspieler Karsten Tadda hochprozentig traf. Obwohl es mit den Offensivrebounds nicht so gut klappte, bekamen die Löwen dank sieben Ballgewinnen mehr Würfe als der Gegner. Topscorer Lansdowne (23 Punkte) krönte den geschlossenen Teamauftritt mit dem Führungstreffer zur Halbzeit.

Doch im dritten Viertel, wo andere Gegner gegen Braunschweigs Aggressivität gerne mal Wirkung zeigen, legten die Oldenburger defensiv noch eine Schippe drauf, rannten eine Reihe von Schnellangriffen über ihren rasanten Spielmacher Will Cummings, der wie Teamkollege Mahalbasic von den BBL-Fans als Starter ins Allstar-Team gewählt wurde. Sie leisteten sich keinen Ballverlust mehr, fanden eiskalt den freien Mann und trafen noch hochprozentiger.

Dazu kam eine ganze Reihe jener demoralisierenden Szenen, in denen die Löwen den Ball schon fast erkämpft hatten, er aber doch noch irgendwie beim Gegner landete und der dann schlimmstenfalls nach einem Offensivrebound sogar noch einen Dreier versenkte. Fünf von acht Würfen trafen die Baskets im dritten Viertel aus der Ferne, drei davon ihr Star Rickey Paulding, der damit auch die 6000 Fans in Euphorie versetzte.

Zuversicht geht verloren

Die Löwen hingegen trafen ihre freien Dreier nicht und verloren schnell auch ihre sonst so unerschütterliche Zuversicht. Eineinhalb Minuten vor dem Viertelende lagen sie erstmals zweistellig zurück. Auch wenn 13 Punkte Rückstand zur letzten Pause nichts Unaufholbares sind, die Baskets hatten ihnen mit diesem 32:17 gewonnenen Abschnitt den Zahn gezogen.

Aus dem kompakten Kollektiv der ersten Hälfte war offensiv eine Ein-Mann-Show von Lansdowne geworden. Die Körpersprache stimmte nicht mehr, Tommy Klepeisz war zunehmend abgetaucht, Hines nur noch hinten präsent. Von Chris Sengfelder und Brayon Blake (kein einziger Feldkorb) kamen diesmal so gut wie keine Impulse und Punkte, Bazou Koné schönte seine Statistik mit sechs Zählern ganz am Ende. „Dass wir da noch fast 90 Punkte machen, ist ein achtbares Ergebnis“, resümierte Menz.

Wenn die Löwen auswärts mal wieder gewinnen wollen, beispielsweise nächsten Samstag in Jena, müssen sie sich allerdings wieder mal verstärkt auf die Verteidigung konzentrieren.

Löwen: Lansdowne 23 (56%, 3 Ballgewinne), Eatherton 14 (43%, 3 Rebounds), Koné 13 (50%), Hines 10 (75%, 5 Rebounds, 3 Blocks), Klepeisz 10 (6 Vorlagen), Lagerpusch 7 (75%), Rahon 4 (5 Vorlagen), Sengfelder 3, Blake 3 (3 Rebounds), Figge 2, Nawrocki, Kovacevic.

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder