Murmeltiertag in der Löwen-Verteidigung

Jena.  Braunschweigs Basketballer kommen in Jena nach Eathertons Aus zurück, treffen aber den Siegwurf nicht und verlieren 83:85.

Chris Sengfelder und Shaquille Hines bildeten nach Scott Eathertons Aus ein starkes Duo auf den großen Positionen. Jenas Spielmacher Dru Joyce können sie hier aber nicht stoppen.

Chris Sengfelder und Shaquille Hines bildeten nach Scott Eathertons Aus ein starkes Duo auf den großen Positionen. Jenas Spielmacher Dru Joyce können sie hier aber nicht stoppen.

Foto: imago/Christoph Worsch

Rückschläge, bei denen man das Gefühl hat, dass einem übel mitgespielt wird, tun am meisten weh. Und so sprach Trainer Frank Menz, der es sonst eher locker verkauft, wenn seine Braunschweiger Basketballer auswärts verlieren, nach dem 83:85 (43:45) in Jena auch von einer „ganz schlimmen Niederlage“. Das Schlimmste, die schwere Knieverletzung von Center Scott Eatherton, der im dritten Viertel ausschied, wird die Löwen noch lange quälen.

Aber auch die Referees trugen zum Frust des Coaches und seiner Spieler bei, die sich vor allem in der ersten Hälfte zu Recht verpfiffen fühlten. „Das war eine katastrophale, enttäuschende Schiedsrichterleistung“, klagte Menz aufgebracht. Es war schon kurios, was seinem Team da an angeblichen unsportlichen Fouls oder Schrittfehlern von stehenden Spielern angekreidet wurde. Es gab sogar ohne Vorwarnung ein Technisches Foul gegen die Bankspieler, weil sie bei einem Treffer jubelnd aufgesprungen waren.

Die Gastgebern hingegen, die die Löwen vor allem unter dem Korb so hart attackierten, wie Menz es prognostiziert hatte, und die die Schnellangriffe der Löwen kompromisslos stoppten, kamen viel zu oft ungeschoren davon.

Die Foulverteilung ist aber nur eine kleine Entschuldigung dafür, dass die Braunschweiger ihren Auswärtsfluch wieder nicht besiegen konnten. Sie kassierten die dritte hauchdünne Auswärtsniederlage mit dem letzten Wurf aus den letzten vier Spielen, weil bei ihnen defensiv wieder Murmeltiertag war.

Trotz aller Beteuerungen, endlich von Beginn an hochintensiv verteidigen zu wollen und den Gegner nicht zur Entfaltung kommen zu lassen, waren die Löwen wieder ein willkommener Aufbaugegner für die Gastgeber. Jena, ein Team das elf Spiele in Folge verloren, sich allerdings mit zwei Top-Amerikanern enorm verstärkt hatte, durfte sich in der ersten Hälfte mit der traumhaften Trefferquote von 61 Prozent zu 45 Punkten kombinieren.

„Dass wir so viele Punkte abgeben, darf einfach nicht passieren“, sagte Spielmacher Joe Rahon, der ein starkes Spiel zeigte. „Wir waren vor der Halbzeit wieder nicht intensiv und physisch genug, obwohl wir es uns vorgenommen hatten“, gestand DeAndre Lansdowne.

Trotz allem hätten die Braunschweiger gewinnen können, weil sie im vierten Viertel endlich besser verteidigten und auch reboundeten. Menz’ Erwartung, dass die Energie der Jenaer Ü-30-Stars mit der Zeit nachlassen würde und seine Spieler die Oberhand gewinnen würden, bewahrheitete sich. Aus den acht Punkten Rückstand (62:70) vor dem Schlussviertel machten die Löwen wieder eine Führung, obwohl Scott Eatherton sehr vermisst wurde. „Wie wir zurückgekommen sind, war klasse“, lobte der Trainer.

Aus der Not versuchte er es mit einer kleinen Aufstellung mit den kampfstarken Shaquille Hines und Chris Sengfelder auf den großen Positionen, die gut funktionierte. Aushilfscenter Sengfelder, gerade zum Nationalspieler berufen, trumpfte vor den Augen von Bundestrainer Henrik Rödl stark auf, erzielte treffsicher (70%) 17 Punkte und freute sich anschließend über ein Lob Rödls. Eine Minute vor Schluss brachte er die Löwen per Dreier mit 81:80 in Führung.

Doch Jena fand in Neuzugang Reggie Williams, Flügelspieler mit 206 NBA-Spielen Erfahrung, einen Joker. Im direkten Duell mit Braunschweigs Spielentscheider DeAndre Lansdowne legte er zweimal vor. Lansdowne schaffte dazwischen die 83:82-Führung und führte sein Team beim Versuch an, nach Williams’ Dreier zum 85:83 für Jena in den letzten 33 Sekunden den Siegtreffer zu versenken oder eine Verlängerung zu erzwingen.

Drei Versuche dazu erkämpften sich die Löwen dank zweier Offensivrebounds. Doch erst scheiterte Lansdowne per Dreier, dann wurde er geblockt, und dann ließ Thomas Klepeisz zum Ärger seines Trainers die Chance aus, einen freien Dreier zum Sieg zu verwandeln und nahm einen Zweier, der daneben ging.

„Leider haben wir gegen Williams im entscheidenden Moment die Stopps nicht geschafft“, sagte Lansdowne geknickt. „Der Unterschied war, dass die ihren letzten Wurf getroffen haben und wir nicht – das ist frustrierend für mich.“

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