Löwen drei Viertel auf Augenhöhe mit den Bayern

Braunschweig.   Braunschweigs Basketballer verkaufen sich beim 73:84 (36:48) bei Meister München gut, rennen aber nach schwachem zweiten Viertel hinterher.

Ausnahmsweise mal in Mint: Eine starke Verteidigung zu spielen, wie hier durch DeAndre Lansdowne und Lars Lagerpusch (rechts) gegen Nihad Djedovic, schafften die Löwen in München nur in drei Vierteln.

Ausnahmsweise mal in Mint: Eine starke Verteidigung zu spielen, wie hier durch DeAndre Lansdowne und Lars Lagerpusch (rechts) gegen Nihad Djedovic, schafften die Löwen in München nur in drei Vierteln.

Foto: imago images / kolbert-press

Mit Sonderkollektionen ihrer Spielkleidung haben Braunschweigs Basketballer in dieser Saison kein Glück. Nachdem sie schon in den weißen Pokal-Trikots in Frankfurt und Crailsheim verloren hatten, traten sie am Sonntag in München recht schick ganz in Mint an und zogen erneut den Kürzeren – was diesmal beim deutschen Meister allerdings zu erwarten war und mit dem 73:84 (36:48) auch im Rahmen blieb.

Immerhin: Dass die Löwen nur mal so in einem besonderen Dress aufliefen, zeugt von einer neuen Dimension ihrer Vermarktung. Ihr Trikotsponsor Heycar hatte extra für dieses im frei empfangbaren Fernsehen übertragene Match beim großen FCB eine Kollektion in seinen Markenfarben anfertigen lassen.

Ein kurzer Traum

Für einen kurzen Moment Anfang des vierten Viertels durften die Löwen sogar davon träumen, dass sie den optischen Pluspunkt möglicherweise auch in Zählbares umwandeln könnten. Sie hatten einen zwischenzeitlichen 15-Punkte-Rückstand beherzt auf 60:65 (32.) verkürzt und den Tabellenführer damit kurzzeitig irritiert.

Weitere gute Angriffe gelangen, die prima Wurfchancen wurden allerdings von Scott Eatherton, Thomas Klepeisz und DeAndre Lansdowne vergeben. Die Bayern schüttelten sich in einer Auszeit, brachten Ex-NBA-Star Derrick Williams zurück und zogen mit fünf Punkten von ihm wieder zweistellig weg.

Für einen Sieg wären die erneut ohne den verletzten Bazou Koné angetretenen Braunschweiger aber wohl sowieso nicht infrage gekommen. Die Bayern wechselten ihr Starensemble, in dem Center Devin Booker und Scharfschütze Petteri Koponen fehlten, beliebig durch und taten letztlich nur das Nötigste. Es schien, als könnten sie jederzeit noch einen Zahn zulegen.

Zu wenige Löwen in Topform

Bei den Löwen hingegen war die Grundvoraussetzung nicht erfüllt. Um gegen so ein Spitzenteam eine Siegchance zu erkämpfen, müssten alle Leistungsträger einen Sahnetag erwischen und die Würfe hochprozentig sitzen. Doch nur Scott Eatherton, Joe Rahon und Thomas Klepeisz spielten über weite Strecken auf ihrem höchsten Niveau.

Topscorer DeAndre Lansdowne erwischte einen schwachen Tag im Abschluss und traf nur drei von elf Würfen aus der Zweipunktedistanz. Von Brayon Blake, der lediglich einen seiner sieben größtenteils freien Dreipunktewürfe versenkte, und Shaquille Hines kam insgesamt zu wenig. Und Chris Sengfelder stand eben den beiden besten Powerforwards der BBL gegenüber. Gegen Williams machte er noch einen starken Job, seinen herausragenden Nationalmannschaftskollegen Danilo Barthel jedoch konnte an diesem Tag keiner stoppen. Letztlich fehlten den Löwen auch Sengfelders Punkte und Rebounds.

Dass Interimstrainer Steven Clauss dennoch zufrieden die Heimreise antrat und seine Mannschaft ausgiebig lobte, war andererseits auch berechtigt. Denn über drei Viertel spielte sie mit dem Europaligisten absolut auf Augenhöhe und zwang die Bayern zu 15 Ballverlusten. Auch die jungen Bankspieler fügten sich solide ein.

Freie Würfe gab’s genug

Zudem bewegten die Löwen den Ball wirklich gut und spielten viele freie Würfe heraus, von denen allerdings zu wenige verwandelt wurden. „Es war ärgerlich, dass wir die ganz freien Dinger nicht reingemacht haben“, bedauerte Clauss.

Nach einem starken ersten Viertel mit Dauerführung gerieten die Braunschweiger im zweiten auch deswegen aus dem Tritt und wurden gnadenlos bestraft. Fast jeden Fehlwurf der Löwen beantworteten die Bayern mit einem Schnellangriff und einfachem Korbleger. Im Reboundkampf wie im Rückwärtsgang war das Team in dieser Phase zu ehrfürchtig, geriet 26:41 (17.) in Rückstand und verlor den Abschnitt mit 19:31.

„Das zweite Viertel war unser Verhängnis“, analysierte Clauss. Denn danach waren die Kräfteverhältnisse eben geklärt, auch wenn die Löwen sich mit verbesserter Reboundarbeit und Verteidigung immer wieder auf einstellige Rückstände heranarbeiten konnten.

Jetzt müssen Siege her

Im Play-off-Kampf liegt das Team trotz der einkalkulierten Niederlage weiter in der besten Lauerposition. „Eine gute Leistung gegen einen Top-Gegner war eine Super-Vorbereitung für die viel wichtigeren Heimspiele, die jetzt kommen und die wir gewinnen müssen“, resümierte der Coach. Und auch Kapitän Thomas Klepeisz blickte bei Magenta Sport gleich nach vorne: „Jetzt ist jedes Spiel der Kampf um einen Play-off-Platz, und diesen Kampf müssen wir annehmen.“ Und zwar wieder in Gelb.

Löwen: Eatherton 15 (54%, 10 Rebounds/5 offensiv, 3 Vorlagen), Lansdowne 15 (3/11 Zweier, ⅗ Dreier, 2 Ballgewinne), Klepeisz 11 (3/5 Dreier, 7 Vorlagen, 4 Rebounds), Rahon 8 (80%, 4 Vorlagen, 4 Ballgewinne, 3 Ballverluste), Hines 7 (38%, 4 Rebounds), Sengfelder 5, Blake 5 (18%, 1/7 Dreier, 2 Vorlagen), Lagerpusch 4, Kovacevic 3 (2 Ballgewinne), Figge, Nawrocki.

Braunschweig – Göttingen, Mittwoch, 20.30 Uhr, VW-Halle

Braunschweig – Bremerhaven, Sonnabend, 18 Uhr, VW-Halle

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