Warum Jungstar Luc van Slooten zu den Löwen wechselt

Braunschweig.  Das erst 18 Jahre alte Toptalent auf europäischem Level von Rasta Vechta bindet sich an Braunschweigs Basketballer und hofft auf viel Spielzeit.

Schon mit 17 Jahren spielte Luc van Slooten (rechts) für Rasta Vechta regelmäßig in der Bundesliga und freut sich hier mit Teamkollege Philipp Herkenhoff über einen Sieg gegen Bayern München.

Schon mit 17 Jahren spielte Luc van Slooten (rechts) für Rasta Vechta regelmäßig in der Bundesliga und freut sich hier mit Teamkollege Philipp Herkenhoff über einen Sieg gegen Bayern München.

Foto: Carmen Jaspersen / dpa

Das ist schon wieder ein Transfer-Paukenschlag: Eines der begehrtesten Talente des deutschen Basketballs spielt künftig in Braunschweig. Luc van Slooten vom Erstligarivalen Rasta Vechta gehört in seinem Jahrgang zu den vielversprechendsten Nachwuchsstars in Europa und steht längst bei den NBA-Scouts auf der Beobachtungsliste.

Und so ist der erst 18-Jährige bei den Löwen auch nicht etwa zur Entwicklung in einem Farmteam (was die Löwen aktuell sowieso nicht haben) plus Aufbautraining im Erstligakader vorgesehen, sondern fest für die BBL-Rotation. „Mein Anspruch ist es, mich voll als Bundesligaprofi zu etablieren und zu zeigen, dass ich auf das BBL-Level gehöre“, betonte der Youngster am Dienstag bei seinem ersten Training in der Tunciahalle.

Wechsel wegen Strobl

Helfen soll ihm dabei Trainer Pete Strobl, der offenbar wie schon beim Transfer von Gavin Schilling aus Ulm die ausschlaggebende Figur war. Mein Agent kennt Pete schon lange“, berichtet van Slooten, der aus Quakenbrück stammt. „Pete hatte schon in Ulm als Spielerentwickler einen guten Ruf und hat dann in Braunschweig Karim Jallow zur Breakout-Saison verholfen und auch die anderen Jungs weitergebracht.“

Als van Slooten dann beschloss, in Vechta eine Ausstiegsoption zu nutzen und sich einen neuen Verein für den nächsten Schritt Richtung NBA zu suchen, war Braunschweig gleich ein heißer Kandidat. „Ich wollte mich auch menschlich weiterentwickeln und mal komplett auf mich alleine gestellt sein“, begründet er den Abschied aus Quakenbrück und Vechta, wo er in der Obhut seiner Eltern beziehungsweise seine Schwester lebte.

Vertrag für zwei bis vier Jahre

Und nun hat er für zwei Jahre in Braunschweig unterschrieben mit Option auf zwei weitere. „Ich hatte auch andere Angebote, aber das Wichtigste ist für mich Spielzeit und dass ich mich weiterentwickle“, unterstreicht er. Und da habe er bei Strobl und den Löwen nach intensiven Gesprächen das beste Gefühl gehabt. „Ich habe einen Trainer gesucht, der auch glaubt, dass ich aufs BBL-Niveau gehöre, und Pete tut das.“

„Luc ist ein wirklich hochtalentierter Junge, aber wir wollen ihn als Spieler, er hat schon die körperlichen Voraussetzungen dazu “, verdeutlicht auch der Cheftrainer im Blick auf die 2,04 Meter Körpergröße und die breiten Schultern van Slootens, dass er ihm eine feste Rolle im Team zutraut: „Es gibt keine Geschenke, aber es bekommt die Chance, sich Spielzeit zu verdienen.“

Erfahrung aus 25 BBL-Spielen

Schon für Vechta hatte der Neu-Löwe als 16-Jähriger 14 BBL-Spiele mit fünf Minuten Einsatzzeit im Schnitt absolviert und in der vergangenen Saison 11 Partien plus sieben in der Champions League. Richtig zum Zug kam der Flügelspieler im BBL-Finalturnier im Juni, als er im dezimierten Team im Schnitt 13 Minuten auf dem Parkett stand und fünf Punkte erzielte.

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International immer bei den Älteren

Was van Slooten für ein Ausnahmetalent ist, lässt sich aber besser ermessen, wenn man ihn mit Gleichaltrigen vergleicht. Beziehungsweise mit etwas Älteren, denn bei denen hat er meist schon mitgemischt. Wie beim Albert-Schweitzer-Turnier, der inoffiziellen U18-WM, bei dem er als knapp 17-Jähriger glänzte oder bei drei seiner vier Jugend-Europameisterschaften, an denen er als jüngerer Jahrgang teilnehmen durfte.

Zum internationalen Trainings- und Turniercamp „Basketball without Borders“, das der Weltverband Fiba gemeinsam mit der NBA organisiert, war der Neu-Löwe bereits zweimal eingeladen. Zunächst 2018 zur europäischen Variante nach Riga und im Februar dann zum Welt-Camp im Rahmen des NBA-Allstar-Wochenendes nach Chicago. Dort durften 40 Teenager zwischen 16 und 18 Jahren aus 28 Ländern NBA-Luft schnuppern, mit Top-Coaches und NBA-Stars trainieren und sich den Vertretern der 30 NBA-Klubs präsentieren. „Du musst immer hundert Prozent geben, in jedem Training, auch wenn der Körper müde ist“, erzählt van Slooten über die Botschaft, die er von dort mitgenommen habe.

Ein „Kleiner“ im Körper eines „Großen“

Was ist nun das besondere Talent, das den selbstbewussten Youngster von anderen zwei Meter großen Flügelspielern abhebt? Er sei ein Point Guard im Körper eines Powerforwards wurde mal über ihn gesagt. Ein Satz, den sowohl der Spieler als auch sein neuer Trainer unterschreiben. „Von Position eins bis vier könnte ich alles spielen“, sagt Luc van Slooten, der als Kind erstmal acht Jahre lang dem Fußball nachjagte, ehe Basketball eine erste Wahl war. „Ich verstehe das Spiel sehr gut und sehe viel das war irgendwie schon immer da.“ Das sieht auch Pete Strobl so: „Luc hat eine hohe Spielintelligenz und Gefühl fürs Passen“, lobt der Trainer die Entscheidungsqualität des Jungprofis. „Wenn du einen 2,04-Meter-Mann im Team hast, der das kann, hilft das der Mannschaft, den Ball gut zu bewegen – und genau so wollen wir ja spielen.“

Seine größte Baustelle kann van Slooten auch präzise benennen: die seitliche Explosivität in der Verteidigung. „Daran habe ich in den letzten Wochen in Vechta mit unserem Athletiktrainer sechs, sieben Tage die Woche gearbeitet“, berichtet er und will das nun in Braunschweig fortsetzen.

Lesen Sie hier den Kommentar von Sport-Redakteurin Ute Berndt zur Personalpolitik der Löwen

Er wirkt älter und reifer als ein 18-Jähriger. Und dass er fürs Profileben seine Schule nach der zehnten Klasse beendet hat, merkt ihm auch nicht an, wenn er so wohl formuliert über sein Leben und seine Ambitionen spricht. „Klar ist das ein Risiko“, sagt er. „Aber es gibt ja immer die Option, das Abi nachzuholen oder eine Ausbildung machen.“

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