Wolfgang Grobe – einfach nur herrlich ehrlich

Helmstedt  Keine Frage, Wolfgang Grobe ist ein Weitgereister in Sachen Fußball. Und damit ist keineswegs die eigene Laufbahn des Ex-Profis gemeint.

Scouting-Technik im Handy: Wolfgang Grobe (von links) gibt Annett Juhnke (Eon-Avacon) und Michael Strohmann einen kurzen Einblick.

Scouting-Technik im Handy: Wolfgang Grobe (von links) gibt Annett Juhnke (Eon-Avacon) und Michael Strohmann einen kurzen Einblick.

Sondern vielmehr seine Karriere nach der Karriere. Davon hatte der 56-jährige Scout des deutschen Rekordmeisters FC Bayern München reichlich zu erzählen – beim vierten Sportgespräch des Kreissportbundes Helmstedt.

Es war ein kurzweiliger Ausflug – von Grobes eigener Entdeckung bis hin zur Europameisterschaft 2012 –, zu dem KSB-Vorsitzender Jürgen Nitsche als Gastgeber und Dr. Michael Strohmann als Moderator eingeladen hatten. Ihr Talkgast Wolfgang Grobe erwies sich als äußerst auskunftsfreudig und war für jeden Spaß zu haben. So entwickelten sich seine Sätze über Nationalspieler Jerome Boateng zu einem echten „Running gag“.

Doch bei allem Humor: „Randvoll mit Informationen“, wie es Michael Strohmann ausdrückte, war der Abend in Helmstedt auch. „Wolfgang Grobe hat mir den Job sehr leicht gemacht.“ Dem stimmte Jürgen Nitsche zu. „Die Gäste wurden nett unterhalten. Die Grätsche zwischen der Vergangenheit und heute war gelungen und hochspannend. Ich war schon immer ein Freund der Grätsche“, erklärte der KSB-Vorsitzende augenzwinkernd und spielte damit auf seine eigene Fußballer-Laufbahn an.

Die von Wolfgang Grobe entwickelte sich im Alter von 16 Jahren in Richtung Profi. „Ich habe damals für den MTV Braunschweig gespielt. Ich hatte lange Haare, meine erste Freundin – und bin dann sechs Wochen zu ihr statt zum Training gefahren“, plauderte Grobe aus und führte fort: „Bis eines Tages mein Trainer Schnippel Brase vor der Tür stand und alles meinem Vater erzählt hat. Er war mein Entdecker, mein Förderer – mein Glück.“ Daraufhin habe er seine Freundin angerufen und ihr gesagt: „Ich komme nicht mehr – ich werde jetzt Fußballprofi.“

Gesagt – getan! Inzwischen ist Wolfgang Grobe – „per Handschlagvertrag“ mit Uli Hoeneß – einer von fünf hauptberuflichen Scouts beim FC Bayern und verriet den Zuhörern, wie seine Arbeit funktioniert. „Da gibt es keine Ausbildung. Du musst Glück, du musst ein Auge haben“, meinte der 56-Jährige.

Und Lust zum Fliegen müsse man auch haben. „Ich bin zweimal im Jahr in Südamerika, habe in Buenos Aires schon mal fünf Spieler an einem Tag gesehen“, schilderte Grobe, der für die Bayern in Frankreich, Tschechien, Polen, Niederlande und Belgien im Einsatz ist. „Ich bin nur unterwegs von August bis Mitte Dezember, meistens am Wochenende.“

Im Fernsehen gucke er kaum noch Fußball – auch die EM nur am Rande. „Im Stadion genieße ich jedes Fußballspiel“, stellte der Scout klar, der keine Namen seiner Entdeckungen preisgeben wollte. „Bei uns heißt es immer nur: Die Abteilung hat den Spieler vorgeschlagen. Die Entscheidungen treffen dann ohnehin Karl-Heinz Rummenigge oder Christian Nerlinger.“

Meistens sei Scouting auch ein langwieriger Prozess. „Eine Sichtung geht über Monate. Einen Willy Sagnol zum Beispiel haben wir anderthalb, zwei Jahre beobachtet“, verdeutlichte Wolfgang Grobe, der als Bayern-Scout zum Beispiel beim EM-Spiel zwischen Frankreich und der Ukraine, der sogenannten Regenschlacht, auf der Tribüne saß. „Ich stand da draußen und habe früh gesehen, dass es gleich ein heftiges Gewitter gibt. Auch das zeichnet einen guten Scout aus“, sagte er humorvoll. Typisch für den Abend…

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