Nur Neunter – eine Talfahrt mit Gründen

Helmstedt.  Handball-Oberliga – Der Saisonrückblick: Den Handballfreunden fehlen die Konstanz und die personellen Alternativen.

Helmstedts Nummer 1 in der internen Torjägerliste: Tim Bolecke kam bei 24 Einsätzen auf insgesamt 114 Saisontreffer für die HF Helmstedt-Büddenstedt.

Helmstedts Nummer 1 in der internen Torjägerliste: Tim Bolecke kam bei 24 Einsätzen auf insgesamt 114 Saisontreffer für die HF Helmstedt-Büddenstedt.

Foto: Darius Simka / regios24

Rückblende, Saison 2017/2018: Die Handballfreunde Helmstedt-Büddenstedt „rocken“ die Oberliga. Es reicht für die HF, die jahrelang fast nur gegen den Abstieg angekämpft hatten, am Ende zu Platz 3. Von den 26 Saisonspielen gewannen die Helmstedter 20, unter dem Strich standen 41:11 Punkte.

Die Bestandsaufnahme nach der vor kurzem beendeten Spielzeit 2018/2019 fällt dagegen ernüchternd aus. Die Handballfreunde wurden Neunter – und blieben deutlich hinter den eigenen Erwartungen zurück. Nur neun doppelte Punktgewinne standen zu Buche, vor allem in den Heimspielen gab es viele Enttäuschungen. Fünf Siegen standen im Julianum acht Niederlagen gegenüber – Heimstärke sieht anders aus...

Wie kam es zu dem Leistungseinbruch im Vergleich zur Vorsaison? Spielertrainer Markus Kopp hat Erklärungen parat. Zum einen sei die Fluktuation im Kader größer gewesen als im Jahr davor. Soll heißen: Es gab mehr und häufiger verletzte Spieler, berufliche Verpflichtungen und Erkrankungen. „Teils sind wir nur mit neun, zehn Leuten angetreten“, sagt Kopp. Das lasse sich für ein Spiel kompensieren – als Beispiel dient der 33:23-Sieg beim Lehrter SV –, auf Dauer seien Punktspiele mit Mini-Aufgeboten auf Viertliga-Niveau indes nicht machbar, so Kopp.

Ein weiteres Problem für die Helmstedter: Es fehlte ein Anführer wie Marius Herda. Der Spielgestalter mit SC-Magdeburg-Vergangenheit war im vergangenen Sommer von den HF zu Liga-Konkurrent
MTV Vorsfelde gewechselt. „Marius’ Abgang war für uns heftig. Er hatte unser Spiel und unsere Mannschaft im Griff“, sagt Kopp.

Ein weiterer Minuspunkt in der Analyse: Seiner Mannschaft mangelte es an Konstanz. Konkret meint Kopp jene Konstanz, die ein Team während der 60 Minuten eines Spiels zeigen müsse. Oft hätten die HF 40 grandiosen 20 schwache Minuten folgen lassen – zu wenig, um gegen Topteams der Oberliga zu bestehen. „In der vergangenen Saison war das noch anders“, meint Kopp. Seinerzeit hätten die HF ein langer Atem und große Nervenstärke in engen Phasen ausgezeichnet, was oft das kleine Plus für knappe Siege war. In der jetzt beendeten Spielzeit gelang den HF nicht ein Ein-Tore-Sieg, in der Erfolgssaison 2017/2018 waren es gleich fünf.

„Nur gut“, so Kopp, „dass wir sehr gut ins Jahr gekommen sind“. Nach der WM-Pause im Januar starteten die HF mit vier Siegen und zwei Remis regelrecht durch, legten so den Grundstock für den Ligaerhalt. „Wären wir nicht so stark durch den Februar gekommen, hätten wir zum Saisonende sogar Abstiegssorgen bekommen.“ Nach dem 30:30 Anfang März bei Meister TuS Vinnhorst holten die HF keinen Punkt mehr. Sie gingen mit sieben Niederlagen in Serie aus der Saison. Kopp: „Gott sei Dank hatten wir zuvor schon genug Punkte eingefahren.“

Was kommt? Nun, zunächst einmal eine ausgiebige Sommerpause. „Wir werden die Vorbereitung nicht in Blöcken, sondern in einem Stück durchziehen“, sagt Kopp, der vom Spielertrainer wieder zum Spieler wird. Andreas Wiese übernimmt. Der 38-Jährige hatte die TSG Calbe in dieser Saison in der Sachsen-Anhalt-Liga auf Platz 1 geführt. Vom neuen Trainer erhofft sich Kopp „viele frische Impulse“.

Personell frische Impulse wird es auf jeden Fall geben. Bilal Shagluf und Jakob Nowak (beide Studium) gehen, Jens Osterloh (zurück nach Nordrhein-Westfalen) verlässt die HF ebenfalls. Womöglich ist bei Nowak das letzte Wort aber noch nicht gesprochen, denn, so Kopp, „seinen Pass haben wir noch in Helmstedt“.

„Unsere Mannschaft hat ein enormes Potenzial“, sagt Kopp weiter. „Und wir werden sie weiter verjüngen.“ Torhüter Tom Baum kommt vom HSV Magdeburg aus der Sachsen-Anhalt-Liga zu den HF. Der Keeper aus der Talentschmiede des SC Magdeburg gilt als einer der Besten seines Fachs im Nachbar-Bundesland. Robin Danneberg (19), 1,95 Meter groß, verstärkt den HF-Rückraum. Danneberg durchlief seit der D-Jugend alle Nachwuchsteams des SC Magdeburg. Kreisläufer Max Kolditz (19) spielte zuletzt für den BSV 93 Magdeburg in der A-Jugend-Bundesliga. Auch er hat eine SCM-Vergangenheit.

Wo sich die Helmstedter in der Tabelle einordnen werden, sei schwer zu prognostizieren. Kopp: „Die Oberliga wird stärker und ausgeglichener sein als in diesem Jahr.“ Aus den dritten Ligen steigen der MTV Braunschweig und der MTV Großenheidorn in die Oberliga ab, die etablierten Vereine wie MTV Vorsfelde, HSG Nienburg, Sportfreunde Söhre und VfL Hameln werden laut Kopp erneut Angriffe auf die Spitzenplätze unternehmen. Aus der Verbandsliga rückt zudem Ex-Drittligist TVJ Duderstadt nach.

Zahlen und Fakten zur HF-Saison:

Tore: In 26 Spielen kamen die HF Helmstedt-Büddenstedt auf 780 Tore – das entspricht einem Schnitt von 30 Toren pro Partie. Ligaweit fielen im Schnitt pro Spiel 55,35 Treffer.

Siebenmeter: 74-mal traten die Helmstedter im Saisonverlauf an die Siebenmeterlinie – und verwandelten 56 ihrer Versuche. Das entspricht einer Trefferquote von 75,68 Prozent. Damit liegen die HF knapp unter dem Ligaschnitt (76,16).

Torschützen: Mit 114 Saisontreffern war Tim Bolecke erfolgreichster Werfer der Helmstedter – Platz 19 in der Liga. Ihm folgten Pascal Koitek (111 Tore), Tim Wiebe (107) und Christian Lopez (100).

Die Oberliga wird stärker undausgeglichener sein als in diesem Jahr.
Markus Kopp,

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