Christel Klinzmann: Den Fußball gel(i)ebt

Helmstedt.  Serie „50 Jahre Frauenfußball“: Niedersachsens erste Nationalspielerin kommt aus dem Kreis Helmstedt.

Arm in Arm mit der Bundestrainerin: Christel Klinzmann (links) zusammen mit Martina Voss-Tecklenburg in Barsinghausen.

Arm in Arm mit der Bundestrainerin: Christel Klinzmann (links) zusammen mit Martina Voss-Tecklenburg in Barsinghausen.

Foto: Privat

Sie war Niedersachsens Nummer 1! Beim Spiel Nummer 1! Die Rede ist von Christel Klinzmann, die ein Stück deutsche Sportgeschichte mitgeschrieben hat. Die heute 65-Jährige, die in Rottorf/Klei zuhause ist, gehörte am 10. November 1982 zum Aufgebot der deutschen Frauenfußball-Nationalmannschaft, die ihr erstes offizielles Länderspiel überhaupt bestritt.

„Ich war nervös“, erinnert sie sich noch heute gut an ihre Gefühlslage an jenem Tag. „Zumal es nicht einfach war, in diese Mannschaft hineinzukommen“, verdeutlicht Christel Klinzmann. Der „Überflieger“ SSG Bergisch-Gladbach stellte damals „fast zwei Drittel“ der Nationalmannschaft, Klinzmann selbst trug „nur“ das Trikot des VfR Eintracht Wolfsburg und war somit eine der wenigen Ausnahmen – und obendrein noch die einzige Spielerin aus Niedersachsen im deutschen Aufgebot.

Doch zunächst einmal musste sich die Defensivspielerin von der Kreuzheide – beim 5:1-Sieg gegen die Schweiz vor 5000 Zuschauern in Koblenz – in Geduld üben und auf der Bank Platz nehmen. In der 52. Minute schlug dann jedoch ihre große Stunde: Christel Klinzmann wurde für Gaby Dlugi-Winterberg, natürlich von der SSG Bergisch-Gladbach, eingewechselt. Ihre Länderspielpremiere dauerte somit 18 Minuten, denn die Spielzeit damals betrug ja nur 2 x 35 Minuten.

„Ich habe damals fast ein Jahr gebraucht, bis ich einen Stammplatz hatte“, erklärt Christel Klinzmann und fügt an: „Danach habe ich immer gespielt.“ Immer heißt bis zum 22. Juli 1988, als sie in der Partie gegen die USA zum letzten Mal das deutsche Nationaltrikot trug. Auf insgesamt 21 Länderspiele kann die Rottorferin zurückblicken, die am 30. Juli 1986 beim 5:0-Sieg gegen Island ihr einziges Länderspieltor erzielte – zum zwischenzeitlichen 2:0 (47.) für Deutschland.

Ihr Tipp: „Bei den Jungs anfangen“

Doch zurück zu den Anfängen: Als junges Mädchen hatte Christel Klinzmann mit dem Fußball beim TSV Ochsendorf begonnen – gemeinsam mit ihren Brüdern. Warum? „Weil es Spaß gemacht hat und es auf dem Dorf sowieso nichts anderes gab“, berichtet sie schmunzelnd. Sie spielte für das Jungenteam in Ochsendorf und machte dort auf sich aufmerksam. Kein Wunder, dass sie diesen Weg noch heute für richtig hält. „Ich bin immer noch der Meinung, dass Mädchen bei den Jungs anfangen sollten mit dem Fußball spielen. Sie lernen dort, sich durchzusetzen, auch gegen körperlich robustere Gegner“, meint Klinzmann.

Sie weiß, wovon sie redet, schließlich galt sie selbst als konsequente und vor allem kompromisslose Abwehrspielerin. Eine, die sich durchzusetzen wusste und ihren Weg ging. „Ein Leben für den Fußball“, sagt sie heute. Und schränkt gleich ein: „Das wäre ohne die Unterstützung meines Mannes nie gegangen. Er stand immer dahinter.“ Und ihr Mann Dieter stand damit keineswegs alleine da, die ganze Familie Klinzmann spielte mit. „Wir waren als Familie immer mit dabei“, berichtet Christels Sohn Marc Klinzmann, der sich noch gut an viele Sportreisen mit der Mama erinnert.

Wie sehr Christel Klinzmann für ihren Sport lebte, zeigte sich frühzeitig. „Nach der Geburt meines Sohnes habe ich 1975 mein erstes Spiel für den VfR Eintracht Wolfsburg gemacht“, erzählt sie. „Wir haben damals auch schon viermal die Woche trainiert.“ Wie hätte das für eine junge Mutter funktionieren sollen, wenn die Familie da nicht voll und ganz mitgezogen hätte?

Eine echte Fußball-Familie

Auf der anderen Seite war damit aber auch klar: Das Leben der Klinzmanns sollte sich komplett ums runde Leder drehen. Papa Dieter, früher selbst aktiver Fußballer, leitete als Schiedsrichter Spiele im Bezirk. Sohn Marc, in der Jugend für den VfL Wolfsburg auf höchster Ebene im Einsatz, assistierte ihm „zehn Jahre als Linienrichter“. Und seine Schwester Daniela spielte – wie sollte es anders sein – ebenfalls Fußball für den TSV Barmke. In der Abwehr, wie die Mama eben auch.

Doch zurück zu Christel Klinzmann selbst, die bis zur Saison 1991/92 das Trikot des VfR Eintracht Wolfsburg trug, mit dem sie in der damals zweigeteilten Bundesliga in der Gruppe Nord auf Punktejagd ging – unter anderem mit den Nationalspielerinnen Petra Damm und Doris Fitschen, der heutigen Managerin der deutschen Frauen-Nationalmannschaft. „Doris ist 1988 als junge Frau von der Küste zu uns gekommen. Und da ihre Eltern nicht wollten, dass sie hier alleine lebt, ist sie erst einmal bei uns eingezogen“, erzählt Klinzmann.

Im Alter von 38 Jahren beendete die Rottorferin dann ihre Karriere auf höherer Ebene. Schluss mit dem Fußball war damit aber noch lange nicht. „Ich hatte damals ja schon parallel den TSV Barmke trainiert“, verrät Christel Klinzmann, wie aus der Bundesliga-Spielerin und Trainerin dann zunächst eine Spielertrainerin wurde. Insgesamt elf Jahre coachte sie beim TSV das Mädchen- und Frauenteam – und trainierte dort unter anderem ihre Schwiegertochter Susanne, die Ehefrau von Marc.

Bis 2003 war Christel Klinzmann in Barmke aktiv, legte dann eine Pause ein und kehrte 2006 als Trainerin im Jugendbereich des TSV Germania Helmstedt zurück auf den Fußballplatz. Hier war sie wieder in ihrem Element, gab ihre Erfahrung an die Talente der Blau-Weißen weiter und wirkte sporadisch sogar noch bei den Ü40-Fußballern des TSV mit. Bis 2013, „dann machten die Knie nicht mehr mit“ – und Niedersachsens Nummer 1 wechselte 31 Jahre nach Spiel Nummer 1 auf die Zuschauerränge.

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