Großer Plan für die Zukunft des Amateurfußballs

Helmstedt.  Es ist ein ambitioniertes Vorhaben: Mit dem Masterplan 2024 will der Deutsche Fußball-Bund den Amateurfußball zukunftsfähiger machen.

Sinkende Mannschaftszahlen – gerade in der Jugend – plagen nicht nur den Fußball-Kreis Helmstedt. Dieses und andere Probleme will der DFB mit seinem Masterplan angehen.

Sinkende Mannschaftszahlen – gerade in der Jugend – plagen nicht nur den Fußball-Kreis Helmstedt. Dieses und andere Probleme will der DFB mit seinem Masterplan angehen.

Foto: Helge Landmann / regios24

Wie sieht die Zukunft des Amateurfußballs aus? Angesichts sinkender Mannschafts-, Schiedsrichter- und Mitgliederzahlen in den Vereinen nicht rosig – und das war schon vor Corona so. Das hat auch der Deutsche Fußball-Bund (DFB) erkannt und an einem Konzept gearbeitet, wie der Amateurfußball zukunftsfähiger wird. Herausgekommen ist der „Masterplan 2024“ – ein hochtrabender Name für ein ambitioniertes Vorhaben.

Die Idee hinter dem Masterplan 2024

Bei dem kürzlich vom DFB-Vorstand beschlossenen und für alle 21 Landesverbände bindenden Masterplan 2024 handelt es sich um ein Maßnahmenpaket, das acht klar definierte Teilziele verfolgt. Durch sie soll die Vereinsqualität verbessert und der Vereinsfußball an der Basis gestärkt werden, unter anderem durch eine gezielte Ergänzung der bisherigen Verbandsangebote für Vereine. „Übergeordnetes Ziel ist es, das weltweit einzigartige, bundesweit flächendeckende Netz von Fußballvereinen und Klubs mit Fußballangeboten in Deutschland zu erhalten und zu stärken“, heißt es in einer DFB-Pressemitteilung.

Das Thema Masterplan ist beim DFB indes kein neues. Es gab bereits zwei so bezeichnete Maßnahmen-Pakete, die zwischen 2013 und 2019 in Angriff genommen wurden. Hierbei lag der Fokus aber auf Kommunikation, Spielbetriebs- und Bildungsangebote. Nun liegt das Augenmerk auf den Menschen in den Vereinen, auf Neugewinnung von Spielern und Funktionären – und auf Stärkung der Vereine selbst.

Entsprechend war die Einbeziehung der Basis – um die es also bei diesem Masterplan explizit geht – dem DFB ein großes Anliegen. So folgte die „Steuerungsgruppe Amateurfußball unter der Leitung von Peter Frymuth (DFB-Vizepräsident Spielbetrieb und Fußballentwicklung) bei der Ausgestaltung des Masterplans auch den Empfehlungen des 3. DFB-Amateurfußball-Kongresses.

In regelmäßigen Schwerpunkt-Workshops mit Vereinen wurden nach dem Kongress ferner Maßnahmen entwickelt, besprochen und auf ihre mögliche Wirksamkeit an der Basis überprüft. „Die Beteiligung von Vertreter*innen aus Amateurklubs soll auch in der Phase der Weiterentwicklung und Umsetzung in den kommenden Jahren konsequent fortgesetzt werden“, heißt es vom DFB.

Wegen Corona „wichtiger denn je“

Frymuth betont, dass die Basis des Masterplans 2024 zwei feste Grundsätze sind: „Die Spieler und Spielerinnen stehen im Mittelpunkt. Und: Es gilt, gemeinsam die Vereine konzentriert zu unterstützen und weiterzuentwickeln.“ Deswegen wurden eben auch alle Ebenen ins Boot geholt: vom DFB und seinen Landesverbänden über Vertreter von Bezirken und Fußballkreisen bis hin zu Amateurvereinen. „Bei der Sicherung und Stärkung des Amateurfußballs sind wir alle gefragt und in der Pflicht, ob Verband oder Verein.“

Wie wichtig dieses Vorhaben dem Verband ist, zeigen die Worte des 1. DFB-Vizepräsidenten (Amateure) Rainer Koch. „Die nachhaltige Weiterentwicklung eines flächendeckenden und leistungsfähigen Amateur- und Breitenfußballs ist für unser komplettes Fußball-Ökosystem essenziell. In Zeiten der Corona-Krise und angesichts deren noch nicht in Gänze abschätzbaren Auswirkungen ist der Masterplan wichtiger denn je.“

Amateurvereine bilden, so Koch, eine wesentliche Zukunftsplattform zur Aktivierung gesellschaftlicher Potenziale. „Je attraktiver wir unsere Vereine machen, die so wichtig für unser soziales Miteinander sind, desto mehr Menschen begeistern wir für den Fußball.“ Koch sieht die Europameisterschaft 2024 als Chance für Vereine und den Fußball zur Weiterentwicklung – und als Möglichkeit, mehr Menschen dazu zu bewegen „im Verein aktiv Fußball zu spielen“.

Was sind konkrete Maßnahmen?

Der Masterplan läuft nun erst an – ein sofortiges Feuerwerk an Maßnahmen wird es nicht geben. „In Abstimmung mit den Fachgremien, Landesverbänden und Vertretern von Amateurklubs wird nun verstärkt mit Pilotprojekten gearbeitet, die evaluiert und bei positivem Ergebnis flächendeckend ausgerollt werden“, heißt es vom DFB.

Ein Beispiel ist die Intensivierung der neuen Spielformen im Kinderfußball, der eine umfassende Qualifizierungsoffensive für Kinderfußball-Trainer folgen soll. Eine der ersten Maßnahmen zum Stichwort Funino: Der DFB verlost aktuell 500 Mini-Tore, die sich derzeit als ein Nadelöhr bei der Einführung der neuen Spielform erweisen. Insgesamt 125 Vereine können je vier dieser Tore ergattern, das Gewinnspiel des Verbands läuft noch bis zum 22. Dezember, die Teilnahme ist über die DFB-Website oder fussball.de möglich.

Weitere Pilotprojekte, durch die der Masterplan den Amateurfußball stärken will, sind unter anderem die „Klub-Berater*innen“, die „Vereinsmanager-C-Lizenz“, das „DFB-Staffelleiter*innenzertifikat“ sowie der „DFB-JUNIOR-Referee“ und „DFB-JUNIOR-Manager*in“ – Maßnahmen zur Unterstützung, Qualifizierung und zur Heranführung an Ämter und Aufgaben.

Bis zum Ende der ersten Phase des Masterplans in 2022 will der DFB nun anhand der Maßnahmen und deren Umsetzung Erkenntnisse sammeln und für die zweite Phase, die sich bis zum 31. Dezember 2025 erstreckt, gegebenenfalls Anpassungen vornehmen – alles, um die großen Ziele zu erreichen.

Was lässt sich nun abschließend über den Masterplan 2024 sagen? Er verfolgt große Ziele und ist mit großen Worten angekündigt. Mithilfe der Einbeziehung der Basis wurden auch wichtige und richtige Ziele identifiziert.

Das Wichtigste ist jedoch die Umsetzung: Wirksame Maßnahmen, die auch in allen Fußball-Kreisen ankommen, und Mittel, die sich leicht abrufen lassen. Denn sie müssen gerade jetzt – während und nach Corona – dafür sorgen, dass die Vereine mit Zuversicht in die Zukunft blicken. Dann hat auch der Amateurfußball eine rosige Zukunft.

Die acht Teilziele auf einen Blick:

Gewinnung, Bindung und Entwicklung von Spieler*innen

Positive Entwicklung der Mannschaftszahlen im Spielbetrieb und in den Vereinen

Gewinnung, Bindung sowie Aus- und Weiterbildung von (ehrenamtlichen) Vereinsmitarbeiter*innen

Gewinnung, Bindung sowie Aus- und Weiterbildung von Trainer*innen

Gewinnung, Bindung sowie Aus- und Weiterbildung von Schiedsrichter*innen

Zugang zu moderner Sportinfrastruktur bedarfsgerecht verbessern

Ressourcen optimieren

Gewinnung und Bindung von passiven Mitgliedern und Zuschauer*innen.

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