Handball-Trainer trauen deutschem Team den WM-Titel nicht zu

Wolfenbüttel.  Heute beginnt die Weltmeisterschaft in Ägypten. Das Turnier sei wichtig, um den Handball-Nachwuchs zu begeistern, sagt der Schladener Marcus Wöltje.

Schladens Trainer Marcus Wöltje freut sich, dass endlich wieder „Handball-Feeling“ aufkommt (Archivbild).

Schladens Trainer Marcus Wöltje freut sich, dass endlich wieder „Handball-Feeling“ aufkommt (Archivbild).

Foto: Olaf Hahn/Regio-Press/Archiv

Während die Wolfenbütteler Handballer weiter nur davon träumen können, wieder gemeinsam in der Halle zu trainieren oder zu spielen, geht es ab heute in Ägypten für die Elite dieser Sportart zweieinhalb Wochen lang um den Weltmeistertitel. Die Trainer aus dem Kreis Wolfenbüttel trauen der deutschen nationalmannschaft kaum mehr zu als das Erreichen des Viertelfinals und setzen eher auf altbekannte Favoriten.

„Viele der deutschen Sympathieträger sind ja nicht oder nicht mehr dabei, aber ich bin auf die neuen jungen Spieler gespannt“, sagt Marcus Wöltje, Trainer des Regionsoberligisten MTV Jahn Schladen. Er freue sich darauf, zu beobachten, wie sich zum Beispiel der 23-jährige Johannes Golla auf dem internationalen Parkett schlägt.

Seine Prognose für das Abschneiden der DHB-Auswahl lautet: Erreichen des Viertelfinals. „Die Vorrunde ist zu schaffen. Danach kommt es auf das Losglück an“, sagt der Schladener. Den Titel traut er dagegen Norwegen, Dänemark oder Frankreich zu. „Ich werde mir aber auch Spiele der Exoten – wie Chile oder Argentinien – anschauen, um zu sehen, wie die sich so schlagen“, sagt der Jahn-Trainer. Die USA hatte er auch dazu gezählt – das Team aus Nordamerika hat aber wegen etlicher Corona-Fälle die Teilnahme kurzfristig abgesagt.

Endlich wieder „Handball-Feeling“

Mit der Entscheidung, die WM ohne Zuschauer auszutragen, gab es für Wöltje keine Einwände mehr gegen das Turnier. „Es ist für unsere Sportart wichtig, dass das jetzt stattfindet und auch umfangreich übertragen wird. Insbesondere für die jungen Spieler ist es schön, wieder dieses Handball-Feeling zu bekommen“, sagt Wöltje. Er hoffe, dass die WM eine kleine Euphorie auslösen könnte.

Auch Harald Hoppmann könne sich vorstellen, dass Jugendliche durch das internationale Turnier jetzt „Blut lecken“. Das könnte aber zum Problem werden, glaubt der Trainer des Landesligisten MTV Eintracht Hornburg. „Die sind dann Feuer und Flamme, können aber nicht sofort in die Halle. Bis das soweit ist, ist das Feuer vielleicht schon wieder erloschen“, sagt Hoppmann. Die Vereine müssten sich darum bemühen, dass Interesse wieder zu wecken und aufrecht zu erhalten.

Fortbildung am Bildschirm für Amateur-Handballer

Hoppmann begrüßt die Entscheidung, auf Zuschauer bei dem Turnier zu verzichten und werde sich möglichst viele Spiele am Bildschirm ansehen. „Ich interessiere mich für die unterschiedlichen Konzepte der Mannschaften und hoffe, dass sich auch die Spieler meiner Mannschaft sich auf diese Weise fortbilden. Durch den Lockdown im Amateur-Sport haben die Handballer diesmal ja genug Zeit, sich die Spiele anzuschauen“, sagt der Trainer.

Auch Hoppmanns Favoriten seien die „üblichen Verdächtigen: Dänemark, Norwegen und Frankreich. Aber Deutschland hat nichts zu verlieren. Das Viertelfinale sollte zu schaffen sein“, sagt Hornburgs Trainer. Es sei entscheidend, wie die DHB-Auswahl den Ausfall von Steffen Weinhold und
den fehlenden Innenblock ersetzen könne.

WM ist wichtig, um Handball-Nachwuchs zu gewinnen

Daniel Reckel begrüßt die Austragung der WM ebenfalls. „Es ist ein kontroverses Thema. Eine Absage hätte man auch vertreten können. Andererseits ist es für die Menschen im Lockdown auch nicht verkehrt, dass das stattfindet. So ähnlich war es ja auch im vergangenen Frühjahr, als der Fußball wieder losging. Die Menschen haben danach gelechzt“, sagt der Trainer der Verbandsliga-Handballer der HG Elm. Für seine Sportart seien solche Turniere wie WM, EM oder Olympia auch wegen des medialen Interesses wichtig. Gäbe es diese Formate nicht, wäre es noch schwieriger Nachwuchs für den Handball zu begeistern und zu gewinnen.

Der Elm-Trainer sieht Dänemark und Norwegen in der Favoritenrolle. „Wenn Deutschland ins Viertelfinale kommt, wäre das schon ein Erfolg. Allerdings hatte auch 2016 niemand mit dem deutschen Team gerechnet, als sie Europameister wurden“, sagt Reckel. Die beiden deutlichen Siege in den Vorbereitungsspielen gegen Österreich seien zumindest eine „Ansage“ gewesen.

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