Heimlich, still und leise: Wojcicki ist seinen Titel los

Wolfsburg.  Wolfsburgs Profiboxer verliert seinen Gürtel als IBF-Interconti-Champion. Die Verhandlungen über einen WM-Ausscheidungskampf soll Fahrt aufnehmen.

Seinen IBF-Interconti-Gürtel im Mittelgewicht hat Patrick Wojcicki zweimal erfolgreich verteidigt, zuletzt im April 2019 gegen den Argentinier Marcelo Caceres. Nun ist er den Titel wieder los. Am 28. August boxt sein Sauerland-Stallkollege Vincent Feigenbutz gegen Jama Saidi um den Gürtel, während Wojcicki noch auf den versprochenen WM-Eliminator warten muss.

Seinen IBF-Interconti-Gürtel im Mittelgewicht hat Patrick Wojcicki zweimal erfolgreich verteidigt, zuletzt im April 2019 gegen den Argentinier Marcelo Caceres. Nun ist er den Titel wieder los. Am 28. August boxt sein Sauerland-Stallkollege Vincent Feigenbutz gegen Jama Saidi um den Gürtel, während Wojcicki noch auf den versprochenen WM-Eliminator warten muss.

Foto: Sebastian Priebe / regios24

Seit dem 9. November sitzt Patrick Wojcicki auf heißen Kohlen: Ganze acht Monate stand Wolfsburgs Topboxer nicht mehr im Ring. Bereits im Januar hatte unsere Zeitung als erste davon berichtet, dass der 28-Jährige im Wartestand für einen WM-Ausscheidungskampf gegen den Brasilianer Esquiva Falcao steht. Doch passiert ist seitdem, auch wegen der Corona-Pandemie, nichts. Nun musste Wojcicki einen weiteren Tiefschlag einstecken: Er verliert seinen IBF-Interconti-Titel im Mittelgewicht. Um den sollen stattdessen am 28. August sein Sauerland-Stallkollege Vincent Feigenbutz und Jama Saidi kämpfen.

Das verkündete jetzt Saidis Agon-Boxstall, der im August zum zweiten Mal in den Berliner Havelstudios veranstalten wird. Irritierend an dieser Pressemitteilung: Es wird kein Wort darüber verloren, dass Wojcicki seinen Titel niedergelegt hätte. Und dem ist auch nicht so: Freddy Ness, Berater von Sauerland, sagt, dass der Weltverband IBF (International Boxing Federation) Wojcickis Gürtel für diesen Kampf freigegeben hat – heimlich, still und leise. „Es war schön, diesen Titel zu haben. Aber Patrick wird dadurch in der Rangliste keinen Platz abrutschen. Dieser Vorgang ist nichts Ungewöhnliches“, versichert Ness. Stimmt: Auch die deutsche Meisterschaft, die Wojcicki gemeinsam mit dem Interconti-Gürtel im Mai 2018 gegen Ronny Mittag gewann, ging nach seinem Sieg im darauffolgenden Kampf gegen Sven Elbir im Wolfsburger Congress-Park weiter an den nächsten Interessenten.

WM-Eliminator: Sauerland übt Druck aus

Wojcicki, so der Sauerland-Berater weiter, habe nichts mehr von dem IBF-Titel. Bei der IBF sei sein Status als Teilnehmer eines WM-Ausscheidungskampfs, ein so genannter Eliminator, hinterlegt. „Da gibt es klare schriftliche Vereinbarungen zwischen dem Weltverband, Sauerland und Top Rank.“ Letzterer ist der Promoter des Olympia-Zweiten Falcao. Das Problem, so Ness: Zum einen ruhte wegen Corona lange Zeit auch die Arbeit der IBF. Zum anderen ist Brasilien stark von der Corona-Pandemie betroffen. Deshalb sei es gar nicht so leicht, diesen Kampf auf die Beine zu stellen. „Wir üben Druck aus, dass dieser Kampf zeitnah zustande kommt“, betont Ness.

Wie lange der Weltverband der Falcao-Seite Zeit einräumt, liegt bei ihm. Die IBF sollte aber nach den dürren Corona-Monaten ein großes Interesse daran haben, dass das Duell bald zustande kommt oder ein Ersatzmann für den Brasilianer benannt wird. Und warum verteidigt nun Wojcicki (14 Siege, ein Unentschieden) nicht erst einmal seinen IBF-Interconti-Titel? Saidi hatte schließlich nach seinem Punktsieg am 12. Juni gegen Jay Spencer noch im Ring einen Kampf gegen den Wolfsburger gefordert – und nicht gegen Feigenbutz, der gerade erst ins Mittelgewicht gewechselt ist.

Ausscheidungskampf blockt Wojcicki für andere Kämpfe

Laut Ness kommt der Kampf nicht, weil Wojcicki für den Eliminator geblockt ist. Das Risiko, sich zu verletzen oder den Kampf und damit den Status zu verlieren, sei zu groß. Der Weltverband muss zudem seine Genehmigung erteilen, dass Wojcicki vor einem Eliminator noch einmal Ringpraxis sammeln darf, dann aber gegen einen eher ausgewählten Gegner. Diese Gespräche liefen, so der Sauerland-Berater.

Spatola: „Wollen so schnell wie möglich wieder in den Ring“

Und wie sieht die Seite des Wolfsburgers das Thema? Wojcicki-Trainer Antonino Spatola sagt: „Wir hätten es gerne gesehen, wenn wir erst einen Termin für den Eliminator gehabt hätten und dann den Titel niederlegen. Wir wollen jedenfalls so schnell wie möglich wieder in den Ring steigen.“ Verständlich nach acht Monaten Pause und ohne Kampfeinnahmen.

Nicht ausgeschlossen ist, dass nach einem Sieg im WM-Eliminator die nächste Warteschleife ansteht. Aktuell hält der kasachische Superstar Gennady Golovkin den IBF-WM-Titel, den er im September gegen den Polen Kamil Szeremeta verteidigen könnte. Möglich, dass Golovkin den Gürtel danach niederlegt, um ins nächsthöhere Supermittelgewicht zu wechseln und zum dritten Super-Duell mit dem Mexikaner Saul „Canelo“ Alvarez in den Ring zu steigen.

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