Fünf Jahre, fünf Kämpfe: Wojcicki über sein Profi-Jubiläum

Wolfsburg.  Der Wolfsburger Top-Boxer blickt auf seine bisherige Profikarriere im Team Sauerland zurück – und auf einen Kampf, den er erst noch bestreitet.

Den Kampf gegen Ronny Mittag, den Patrick Wojcicki im Mai 2018 überzeugend für sich entscheiden konnte, bezeichnet der Wolfsburger Top-Boxer als seinen wichtigsten. Dem Fürstenwalder luchste Wojcicki damals mit einer sehr überzeugenden Leistung den IBF-Interconti-Titel ab.

Den Kampf gegen Ronny Mittag, den Patrick Wojcicki im Mai 2018 überzeugend für sich entscheiden konnte, bezeichnet der Wolfsburger Top-Boxer als seinen wichtigsten. Dem Fürstenwalder luchste Wojcicki damals mit einer sehr überzeugenden Leistung den IBF-Interconti-Titel ab.

Foto: Klaus Frevert / Frevert

Es ist eine schwierige Zeit für ihn, dennoch: herzlichen Glückwunsch, Patrick Wojcicki ! Am 21. November 2015 gab der Wolfsburger Profiboxer sein Debüt für den Sauerland-Boxstall , feierte in Hannover einen vorzeitigen Sieg gegen Surik Donsdean . Das ist auf den Tag genau fünf Jahre her. Für unsere Zeitung blickte der heute 29-jährige Mittelgewichtler angesichts des fünften Geburtstags auf die fünf wichtigsten Kämpfe – von denen einer noch gar nicht passiert ist.

Der erste Kampf

Das Debüt fand in der damaligen Tui-Arena auf dem Expo-Gelände von Hannover statt. Donsdean, damals bereits 35 Jahre alt, war angetreten, damit der Olympia-Boxer von 2012 zum Start glänzen konnte. „Ich war schon sehr aufgeregt und aufgedreht. Ich wollte natürlich nicht gleich überpacen“, erinnert sich Wojcicki an die Vorbereitung auf den in Russland geborenen Deutschen. Im Ring ließ er sich davon nichts anmerken: Der Wolfsburger dominierte alle vier Runden, in der letzten konnte er das Tempo noch einmal anziehen und den Kampf nach einem Schlaghagel Richtung Donsdeans Kopf noch vorzeitig für sich entscheiden.

Vielleicht noch mehr als das Debüt an sich blieb die Stimmung in Erinnerung: Wojcicki hatte den dritten Kampf dieser Sauerland-Boxgala, bereits da waren 1000 Zuschauer in der Tui-Arena, die sich aber noch weitaus mehr füllen sollte, 6000 waren da. Denn im Hauptkampf dieses Debütanten-Balls – neben Wojcicki kämpften drei weitere Boxer erstmals als Profi – besiegte Artur Abraham Martin Murray im Kampf um die WBO-WM im Supermittelgewicht. Wojcicki schwärmt: „Die Stimmung damals war einfach mega!“

Der erste Kampf zum Nachlesen:

Wojcicki siegt beim Profidebüt vorzeitig

Der kürzeste Kampf

Wojcicki, so viel steht nach mittlerweile 15 Kämpfen fest, ist und wird kein klassischer K.o.-Schläger. Er ist jemand, der technisch enorm variabel boxen kann und über eine richtig gute Beinarbeit verfügt. Coach Antonino Spatola attestiert seinem Topathleten zwar immer wieder auch einen starken Punch, doch der brachte zuletzt die Spitzenathleten nicht an den Rande eines Knockouts. 14 Siege feierte Wojcicki bei einem Remis, fünf davon gingen nicht über die volle Zeit.

Den kürzesten Arbeitstag hatte der 29-Jährige dabei gegen den eigentlich erfahrensten Gegner: Turgay Uzun hatte im Oktober 2016 bereits 70 Kämpfe bestritten und immerhin 41 davon gewonnen. Doch an diesem 14. Oktober in der Inselparkhalle in Hamburg-Wilhelmsburg hatte Uzun kein Rezept. 2:27 Minuten ließ der Ringrichter Wojcicki gewähren. Nachdem Uzun drei Mal zu Boden gegangen war, musste das ungleiche Gefecht überraschend früh abgebrochen werden. Übrigens: Immer wenn Wojcicki in Hamburg in einen Ring stieg, dann siegte er auch vorzeitig . Das war nicht nur gegen Uzun so, sondern zuvor bereits gegen Robizon Omsarashvili und danach noch gegen Robert Swierzbinski im November 2019, als er das bisher letzte Mal boxen konnte.

Der kürzeste Kampf zum Nachlesen:

Wojcicki macht’s ganz schnell

Sauerland- Wojcicki wie Saunders

Der wichtigste Kampf

Mit reichlich Selbstvertrauen – wie es im Boxen nicht unüblich ist – ging der Wolfsburger am 18. Mai 2018 in Potsdam nach nicht einmal drei Profijahren in seinen ersten Titelkampf. Gegen Ronny Mittag ging es um dessen IBF-Interconti-Titel sowie die deutsche Mittelgewichts-Meisterschaft . „Es war nicht so, dass ich im Vorfeld unbedingt der Favorit gewesen bin. Viele waren skeptisch, ob ich überhaupt gewinne “, erinnert sich Wojcicki.

Im Kampf selbst wirkte es aber eher so, als wäre Wojcicki der Champion, und nicht der Fürstenwalder aus dem Wiking-Box-Team. Zwar war Mittag der Mann, der aus der Ringmitte heraus agierte. Aber Wojcicki war einfach zu schnell für ihn und erwischte ihn mit starken Kontern hart. Mehr und mehr war der eigentliche Champion von Cuts gezeichnet. Während Mittag schon einen K.o. zum Sieg brauchte, war es der Herausforderer, der in den Schlussrunden noch die Akzente setzen konnte. Taktisch war der Wolfsburger von seinem Trainer perfekt eingestellt, hat den Plan dann im Ring hervorragend umgesetzt. Ohnehin Spatola: Der Coach betreut seinen Schützling seit dessen Anfängen, Wojcicki vertraut ihm blind.

Mehr zum Verhältnis Trainer und Boxer: Spatola- Wojcicki-Macher im Hintergrund

Nach zwölf Runden stand gegen Mittag ein Punktsieg, der keine Fragen offen ließ. „Das war auf jeden Fall mein bisher wichtigster Sieg. Er bleibt natürlich auch deshalb in Erinnerung, weil ich erstmals zwei Gürtel gewonnen habe.“

Der wichtigste Kampf zum Nachlesen:

Wojcicki schnappt sich zwei Titel

Wojcickis Empfehlungsschreiben

Der schwierigste Kampf

Richtig schwer wurde es für den 29-Jährigen am 6. April 2019 in seinem zweiten Heimkampf im Congress-Park. Marcelo Fabian Caceres war aus Argentinien gekommen, um Wojcicki mit einem sehr ekligen Stil zu zermürben: Immer wieder klammernd und so gar nicht darauf aus, den Zuschauern einen ästhetisch hochwertigen Kampf zu bieten. „Das war ein richtiger Krieger“, sagt Wojcicki heute über den Gegner bei seiner zweiten Titelverteidigung als IBF-Interconti-Champion. Und rückblickend meint er auch: „Wenn ich konditionell damals nicht so ein hohes Level gehabt hätte, dann hätte er es auch geschafft, mich zu brechen.“ Zum unsauberen Repertoire des Argentiniers gehörten zwei Ringer-Einlagen sowie das Reklamieren von vermeintlichen Kopfstößen Wojcickis. Caceres tat wirklich viel, um das Publikum noch einmal mehr gegen sich aufzubringen.

Aber, und das war die wichtigste Lektion des Abends aus Sicht des Wolfsburgers: Den nicht immer sauberen Attacken hielt er Stand und verbuchte wichtige Erfahrungswerte, die ihm vielleicht noch einmal nützlich sein werden. Insgesamt sieht sich der Wolfsburger aktuell sehr gut aufgestellt: „Ich finde, ich habe mich in diesen fünf Jahren körperlich, boxerisch und auch psychisch enorm weiterentwickelt.“ Er führt aus: „Ich gehe viel sicherer in die Kämpfe und weiß um meine Technik und Beinarbeit. Der Kopf muss mitmachen, damit ich im Kampf glänzen kann.“

Der schwierigste Kampf zum Nachlesen:

Profi-Boxer Wojcicki triumphiert beim „Heimspiel“

Der noch nicht passierte Kampf

Wäre in diesem Corona-Jahr auch nur halbwegs etwas nach Plan gelaufen, dann stünden nicht erst 15 Kämpfe für den 29-Jährigen zu Buche, sondern mindestens 16. Seit einem Jahr ist ein WM-Ausscheidungskampf als nächster logischer Schritt in der Karriere im Gespräch. Zu Jahresbeginn sorgte eine leichte Verletzung für eine kurze Auszeit, dann Corona für eine, die sich bis heute hinzieht. Denn im September gab es eigentlich endlich den Durchbruch. Mit dem Kanadier Patrice Volny war ein Gegner gefunden, gegen den es um das Recht gehen sollte, IBF-Weltmeister Gennady Golovkin herauszufordern.

Beide Athleten steckten mitten in der heißen Sparringsphase, als die für den 14. November in Wolfsburg geplante Veranstaltung doch noch verschoben wurde. Sauerland trug damit den rapide steigenden Corona-Fallzahlen Rechnung – und schickte die beiden Boxer, die seit rund einem Jahr ohne Kampf sind, erneut in den Lockdown. Es ist noch offen, wann das Duell nun neu terminiert wird, die Entwicklung der Pandemie in Deutschland spielt dabei eine mitentscheidende Rolle. Vor Januar ist auf keinen Fall damit zu rechnen, vermutlich eher im Februar oder März.

So groß die Enttäuschung über diesen noch nicht passierten Kampf auch ist, zumal die Einnahmen als Profi wegen der Corona-Pandemie drastisch nach unten gegangen sind, so sagt Wojcicki: „Ich denke, ich habe in diesen fünf Jahren einen riesigen Sprung nach vorne gemacht. Wenn der Kampf gegen Volny jetzt bald kommt und ich den gewinne, dann kann ich schon sehr zufrieden sein.“

Der noch nicht passierte Kampf zum Nachlesen:

Wolfsburgs Top-Boxer Wojcicki fehlt ein Sieg zum WM-Kampf

Wojcicki- Eine bessere Chance bekomme ich nicht

Perfekt- Patrick Wojcicki boxt wieder im CongressPark

WM-Eliminator- Dieser Riese macht Wojcicki fit

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Nach Absage- Wojcicki denkt nicht ans Aufgeben

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