Wolfsburgs Mr. VW-Sportförderung geht in den Ruhestand

Wolfsburg.  33 Jahre kümmerte sich Axel Diedrich um die Verteilung der VW-Sponsorengelder am Standort Wolfsburg. Porträt des Mannes, der alle Vereine kennt.

Von Donnerstag an bleibt Axel Diedrich mehr Zeit für die Familie und das Radfahren: Mr.  VW-Sportförderung hat am Mittwoch seinen letzten Arbeitstag vor dem Ruhestand. Der ehemalige Leichtathlet (kleines BildI) hört nach 33 Jahren auf.

Von Donnerstag an bleibt Axel Diedrich mehr Zeit für die Familie und das Radfahren: Mr. VW-Sportförderung hat am Mittwoch seinen letzten Arbeitstag vor dem Ruhestand. Der ehemalige Leichtathlet (kleines BildI) hört nach 33 Jahren auf.

Foto: Archiv

Es war der schönste Job, wenn er Sportlern oder Vereinen finanzielle Unterstützung zukommen lassen konnte. Es war der schwerste Job, wenn er Anfragen ablehnen musste. Aber Axel Diedrich erledigte ihn ehrlich, verbindlich und nie von oben herab. Der 63-Jährige ist Mr. VW-Sportförderung. Aber nur noch an diesem Mittwoch, seinem letzten Arbeitstag. Dann geht er in den Ruhestand, und andere werden sich um die Verteilung der Sportfördergelder von VW am Standort Wolfsburg kümmern.

33 seiner gut 44 Jahre beim Automobilbauer arbeitete Diedrich in der Sportförderung, war von 2004 bis 2009 sogar deren Leiter, ehe die Abteilung der VW-Kommunikation unterstellt wurde. Fachreferent für Sportförderung lautet deshalb mittlerweile seine Dienstbezeichnung. Doch ob nun Referent oder Leiter – mit seiner uneitlen Art tritt er den meist um Hilfe bittenden Vereinsvertretern und Sportlern immer auf Augenhöhe gegenüber, nutzt seine Position nie aus, um sich hofieren zu lassen.„Ich habe nie etwas versprochen, was ich nicht halten konnte. Denn klar ist: Das Budget ist immer begrenzt“, nennt er seine wichtigste Maxime.

„Zeitintensiver Job“

Aber wenn er von einer Sache überzeugt ist, setzt er sich für sie bei seinem Arbeitgeber ein. All dies schätzen die Klub-Vorsitzenden, Trainer, Ehrenamtlichen, Profi-, Halbprofi-, Amateur- und Hobbysportler an Diedrich. Auch, dass er nicht in einem Elfenbeinturm auf dem Werksgelände sitzt, sondern Wochenende für Wochenende auf den Sportplätzen, in den Turnhallen und Vereinsheimen zu Gast und ansprechbar ist. „Der Job“, erzählt er, „ist sehr zeitintensiv. Wann findet schließlich das Vereinsleben statt? Nach Feierabend und am Wochenende.“

Zur Unterstützung der Sportler und Vereine gehört auch die Bereitstellung von Pkw und Kleinbussen durch VW. Doch einfach nur einen Schlüssel zurückzulegen, ist nicht Diedrichs Art. „Nein, ich gehe lieber selbst zur Übergabe, wechsle noch mit den Sportlern, Trainern, Betreuern und Offiziellen ein paar Worte. Mir ist es wichtig, den direkten Kontakt zu haben. Nur so habe ich die Informationen, die ich brauche.“

1976 nach Wolfsburg gekommen

1976 kam der gebürtige Uelzener nach Wolfsburg. Als Mittel- und Langstreckenläufer war er den VfL-Leichtathleten um ihren Macher Robert „Robby“ Novak aufgefallen. Der überzeugte den damals 19-Jährigen von einem Wechsel. Parallel zum Sport fing Diedrich in der VW-Finanz an. Seine größten sportlichen Erfolge waren neben einer Teilnahme an der Crosslauf-WM 1976 in Chepstow/Wales zwei deutsche Meistertitel: einer 1982 mit der Cross-Staffel und der andere 1983 mit der 4x1500-Meter-Staffel des VfL Wolfsburg.

Von 1986 an klang Diedrichs Leistungssport-Karriere aus gesundheitlichen Gründen langsam aus: Diabetes. Doch Sport ist seine Leidenschaft, das merkte auch sein Arbeitgeber und bot ihm 1987 die Stelle in der Sportförderung an. „Das war ein Glücksfall für mich.“

Auch international unterwegs

Aber auch für die Sportler und Vereine der Stadt und Region. Als der VW-Topmanager Dr. Ekkehard Wesner 1997 die VW-Sportförderung übernahm und bis 2004 führte, seien verstärkt Sportveranstaltungen am Standort Wolfsburg unterstützt worden. Eine Strategie, die VW bis heute beibehalten hat. Diese Aufbruchzeit mit Wesner hat Diedrich in sehr guter Erinnerung.

Aber nicht nur lokal und regional repräsentierte Diedrich über die Jahre VW, sondern auch international. Bei den Olympischen Sommerspielen 1996 in Atlanta und 2008 in Peking war er vor Ort, besuchte die Tour de France und gehörte zur städtischen Delegation, die in Wolfsburgs japanische Partnerstadt Toyohashi reiste.

Ehefrau Angelika oft dabei

Doch sein Haupteinsatzgebiet ist Wolfsburgs Sportwelt. Siegerehrungen bei Reit-, Tennis-, Fußballturnieren, Triathlons, Marathons, Boxkämpfen und vielen weiteren Veranstaltungen sind für ihn längst ein vertrautes Geschäft, aber keine lästige Routine. Oft begleitet ihn Ehefrau Angelika, selbst eine ehemalige Leichtathletin, die er einst bei den deutschen Junioren-Meisterschaften in Ulm in der Aktiven-Disco kennen- und liebengelernt hatte. „Mittlerweile sind wir 41 Jahre verheiratet“, sagt er stolz.

Die Familie rückt für den zweifachen Vater im nun beginnenden Ruhestand in den Vordergrund. „Ich habe zwei Enkelkinder. Die werden den Opa schon in Beschlag nehmen“, erzählt er und lächelt. Aber auch gelegentliche Touren mit dem Rennrad rund um seinen Wohnort Calberlah sollen weiter auf dem Programm stehen. „Und Urlaube, wenn Corona endlich vorüber ist.“

Rat: „Respekt verdienen“

Dass seine berufliche Laufbahn vorüber ist, hat Diedrich noch gar nicht richtig realisiert. Sobald Amateursportbetrieb wieder erlaubt ist, will er auch weiterhin Spiele und Veranstaltungen besuchen, nur dann ohne Funktion. Seinen Nachfolgern in der VW-Sportförderung hinterlässt er große Fußstapfen.

Schlaue Ratschläge, wie sie ihren Job zu machen haben, möchte er ihnen an dieser Stelle nicht erteilen. Oder doch, einen vielleicht: „Es ist ganz wichtig, immer direkt Kontakt zu Sportlern und Vereinsvertretern zu halten. Das habe ich immer getan und mir so ihren Respekt verdient.“ In 33 Jahren.

Viele bedauern den Abschied

Und schon jetzt bedauern in Wolfsburgs Sportszene viele Diedrichs Abgang und sorgen sich darum, wie es in Zukunft laufen wird, wenn am Mittwoch sein letzter Arbeitstag endet. Mach’s gut, Mr. VW-Sportförderung! Diese Ehrenbezeichnung wird wohl nie wieder vergeben werden in Wolfsburg...

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