Ein wilder Ritt und eine Liebeserklärung

Freiburg.  Trotz zwei verpasster Punkte beim 3:3 im Bundesliga-Spiel beim SC schwärmt VfL-Coach Labbadia von dem Spiel seines VfL in Freiburg.

Fast wäre die Partie auf den Kopf gestellt worden: Doch Freiburgs Treffer zum 4:3 zählte nicht. Am Ende stand so ein unterhaltsames 3:3 des VfL Wolfsburg beim SC; in dem die Gäste dreimal eine Führung verspielten.

Fast wäre die Partie auf den Kopf gestellt worden: Doch Freiburgs Treffer zum 4:3 zählte nicht. Am Ende stand so ein unterhaltsames 3:3 des VfL Wolfsburg beim SC; in dem die Gäste dreimal eine Führung verspielten.

Foto: Darius Simka / regios24

Was war das für ein wilder Ritt, den der VfL Wolfsburg und der SC Freiburg da am Samstagnachmittag hingelegt haben. Angesichts von 11 Grad Außentemperatur zeigten beide Mannschaften große Frühlingsgefühle, boten den 23.600 Zuschauern im Schwarzwald-Stadion ein herzerwärmendes Spiel, in dem Wolfsburgs Coach Bruno Labbadia „Werbung für den Fußball“ sah, mehr noch: „Das ist der Grund, warum ich Fußball so liebe.“ Allein: Ganz so eindeutig war die Gefühlslage nach diesem 3:3 (1:1) nicht. Denn der VfL war durch Jérôme Roussillon (11. Minute), Wout Weghorst (63., Foulelfmeter) und Renato Steffen (74.) dreimal in Führung gegangen war, die Freiburger konnten aber durch Vincenzo Grifo (37.), Nils Petersen (70.) und Gian-Luca Waldschmidt (87.) jeweils ausgleichen.

Der VfL-Trainer sah ein Spiel, in dem seine Elf nicht nur dreimal vorlegen konnte, sondern in dem sie das Geschehen weitgehend im Griff hatte. Trotz zwei zuvor schwierigen Aufgaben in Berlin (1:0) und im Pokal in Leipzig (0:1) warfen die Grün-Weißen gegen einen enorm laufstarken Gegner (Gesamtdistanz 127,4 Kilometer) noch einmal alles rein und dominierten das Spiel.

Wichtig hierfür war die Rückkehr von Kapitän Josuha Guilavogui, der das defensive Mittelfeld ordnete, viel unterwegs war und die Bälle forderte und verteilte. Wichtig war auch, dass Labbadia das System auf ein 4-3-3 umstellte. Josip Brekalo war gleich mittendrin, als er Roussillon bediente, und dieser mit einem präzisen Flachschuss ins kurze Eck die Führung besorgte. Danach diktierte Wolfsburg die Partie, Freiburg fand keinen Weg, gefährlich vors Tor zu kommen. Der VfL ließ allerdings auch den absoluten Willen vermissen, gleich nachzulegen.

Die Freiburger benötigten einen kapitalen Bock von John Anthony Brooks, der Abwehrspieler vertändelte den Ball gegen Florian Niederlechner, der für Grifo quer legte – es war das 1:1 aus dem Nichts. Jetzt legten die Gäste den Schalter wieder um, Brekalo hätte schnell das 2:1 besorgen können, sein Versuch aus sechs Metern wurde aber noch abgefälscht. Dann der erste größere Aufreger: Nach einem VfL-Konter kam Steffen im Duell mit Christian Günter zu Fall – doch Schiedsrichter Felix Brych verzichtete auf einen Pfiff.

Diese Rückschläge sorgten allenfalls dazu, dass sich die Wolfsburger in der Pause kurz schüttelten, um gleich dort weiterzumachen, wo sie aufgehört hatten. Sie störten Freiburg, für das das 1:1 schmeichelhaft war, früh und drängten den Gegner in die Defensive, ohne zwingend zu werden. Steffens Kopfball nach 57 Minuten war die beste Szene, doch Alexander Schwolow parierte sicher. Als Robin Koch am Niederländer Weghorst zog, zeigte Brych dann auf den Punkt. Der Gefoulte trat selbst an und verwandelte.

Der SC machte nun mehr und hatte eine starke Quote vor des Gegners Tor: Eine Grifo-Ecke köpfte Petersen aus Nahdistanz ins kurze Eck, doch mit dem schönsten Spielzug der Partie antworteten die Grün-Weißen: Rückkehrer William hatte den Ball nach vorne getrieben, Weghorst ihn am 16er abgeschirmt und dann wunderschön mit der Hacke durchgesteckt. Steffen war durchgelaufen und blieb vor Schwolow cool – 3:2. Labbadia sagte: „Wir haben im Grunde richtig schöne Tore gemacht, zwei von drei waren richtig gut herausgespielt.“ Freiburgs Stehaufmännchen antworteten erneut, weil der VfL nicht konsequent klärte und Waldschmidt mit einem zweiten Versuch noch das 3:3 erzielte. „Wir haben außer den Toren keine Chance zugelassen, da kann ich der Mannschaft keinen Vorwurf machen“, so Labbadia, der ergänzte: „Deswegen fühlt sich das echt komisch an – wir sitzen mit einem weinenden Auge in der Kabine.“

Philipp Lienhart hätte dieses wilde Spiel fast noch komplett gedreht, die Freiburger Ersatzbank hatte sich schon auf den Weg zum Torschützen gemacht, doch Brych und Videoassistent Günter Perl machten dem Jubel noch einen Strich durch die Rechnung. Mike Frantz hatte zuvor im Abseits gestanden.

Christian Streich, der sich mit Labbadia die Bälle auf der Pressekonferenz nur so zuspielte und voll des Lobes für den Kollegen und seine Wolfsburger war – umgekehrt war’s genauso –, fand das Ergebnis angesichts des Spielverlaufs in Ordnung, so gern er den Sieg auch mitgenommen hätte: „Das hätte eine brutale Energie freigesetzt.“ Hätte dieser Treffer noch gezählt – Labbadias Gefühlswelt wäre noch mehr als ohnehin durcheinander geraten.

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