Die Spieler des VfL Wolfsburg bestimmen ihre Anführer

Wolfsburg.  Interessant, wen die Profis in den Mannschaftsrat gewählt haben und wen nicht. Die Besten fehlen. Weghorst wurde abgewählt, Arnold fehlt erneut.

Die Topspieler fehlen im Mannschaftsrat: Maximilian Arnold (links) und Wout Weghorst.

Die Topspieler fehlen im Mannschaftsrat: Maximilian Arnold (links) und Wout Weghorst.

Foto: Joachim Sielski via www.imago-images.de / imago images/Joachim Sielski

Die Profis des VfL Wolfsburg haben gewählt. In einer geheimen Abstimmung durchgeführt von Kapitän Josuha Guilavogui wurde der Mannschaftsrat bestimmt. Wen die Spieler in dieses Gremium geholt haben, das ihre Belange, Sorgen und Wünsche bei der sportlichen Führung und beim Trainerteam vertritt, ist fast genau so interessant wie die Namen der Spieler, die kein Direktmandat bekommen haben.

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Der Mannschaftsrat besteht von nun an aus sieben und nicht mehr nur aus fünf Personen. Josuha Guilavogui, Koen Casteels und Admir Mehmedi erhalten Zuwachs von John Anthony Brooks, Pavao Pervan, Marin Pongracic und Xaver Schlager. Trainer Oliver Glasner soll den Wunsch nach zwei jüngeren Spielern im Rat geäußert haben – Pongracic (23) und Schlager (23).

Weghorst rausgewählt

Bemerkenswert: Wout Weghorst, der in der Vorsaison noch Teil des Gremiums gewesen war, sammelte diesmal nicht ausreichend Stimmen für einen Platz im siebenköpfigen Rat. Seine Mitspieler haben den Angreifer aus den Niederlanden rausgewählt. Ein Grund dafür dürfte das oftmals zu verbissene Auftreten des 28-Jährigen sein. Innerhalb des Teams hat ihn das offenbar Unterstützung gekostet. Sein Trainer aber baut weiter auf ihn. Hinter Guilavogui und Casteels ist Weghorst der dritte Kapitän des VfL. Diesen Posten hatte Glasner bestimmt. Der Rat aber wurde von der Mannschaft gewählt. Und da gibt es neben Weghorst eine zweite Überraschung bei den Fehlenden.

Arnold ignoriert

Denn Maximilian Arnold bleibt ebenso außen vor. Der 26 Jahre alte Mittelfeldspieler, der sich in den vergangenen zwei Jahren zum unverzichtbaren Anführer auf dem Rasen entwickelte, hat wohl mit ganz ähnlichen Gegenargumenten zu kämpfen wie Weghorst. Arnolds Körpersprache war lange Zeit zu negativ, wenngleich er sich in diesem Punkt wie auch in vielen anderen positiv entwickelt hat. Weil er in den Spielen zweifellos zu den Fixpunkten seines Teams gehört, ist auch seine Nicht-Wahl bemerkenswert. Allzu hoch hängen sollte man das Ergebnis allerdings nicht.

Schmadtke will direkten Weg

Für Jörg Schmadtke ist das Gremium „nicht so wichtig“. Aber: „Für die Mannschaft selbst schon“, sagt der Geschäftsführer des VfL, der in seiner aktiven Karriere meist verantwortungsvolle Posten bekleidete. „Man wusste, dass ich eine große Klappe habe und dass ich den Mund aufmache. Wobei das früher für mich als Spieler wie auch heute als Offizieller nicht so bedeutsam ist. Wenn ich etwas hatte als Spieler oder wenn ich etwas habe als Verantwortlicher, dann spreche ich das in der Regel direkt an.“ Da braucht es nicht zwingend einen zwischengeschaltetes Rat.

Da jedoch nicht jeder Akteur ein solch großes Selbstvertrauen mitbringt, um sich eigenständig Gehör bei Trainer oder Manager zu verschaffen, „und auch mal Dinge innerhalb einer größeren Gruppe besprochen werden sollten“, hat der Mannschaftsrat „schon eine Bedeutung“ für Schmadtke.

Manager lobt Arnold

Dass Arnold von seinen Mitspielern nicht in dieses Gremium gewählt wurde, war zum Zeitpunkt des Gesprächs mit Schmadtke noch nicht bekannt. Daher formuliert der Manager etwas allgemeiner: „Unabhängig davon ist Maximilian eine extrem wichtige Person in unserem Spiel. Dafür bedarf er nicht irgendeiner Position. Das ist einfach klar.“ Diese hohe Wertschätzung des Geschäftsführers hat sich der 26-Jährige zuletzt erarbeitet.

Schmadtke hatte Ignacio Camacho einst als „Spiritus Rector“ des Teams bezeichnet. Bei Arnold „geht es nun in die Richtung, weil auch unser Spiel oft davon abhängt, wie Maximilian seine Rolle interpretiert und wahrnimmt“, sagt Schmadtke. Er führt aus: „Maximilian ist ein Stratege, der das Spiel versteht und versucht, es zu leiten und zu lenken. Er hat einen ausgesprochen starken linken Fuß mit einem guten Schuss und einem guten Passspiel. Sein erster Kontakt ist darüber hinaus häufig sehr gut, er ist oftmals gut orientiert. Das ist“, sagt Schmadtke, „als Gesamtpaket schon ganz gut.“ Das Loblied von oberster Stelle tut Arnold womöglich gut, um fix über die Mannschaftsrat-Enttäuschung hinwegzukommen.

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