Für die Wohlfühlzone: VfL will den ersten Sieg in einem Top-Duell

Wolfsburg.  Noch gelang den Wolfsburgern kein Sieg gegen einen Gegner aus den Top Sechs. Was fehlt? Und platzt der Knoten am Samstag gegen RB Leipzig?

Auch in Dortmund hielten Maximilian Arnold (links) und Co. phasenweise gut mit. Doch am Ende stand eine 0:2-Niederlage für den VfL Wolfsburg auf der Anzeigetafel.

Auch in Dortmund hielten Maximilian Arnold (links) und Co. phasenweise gut mit. Doch am Ende stand eine 0:2-Niederlage für den VfL Wolfsburg auf der Anzeigetafel.

Foto: Darius Simka / Regios24

Eigentlich ist der VfL Wolfsburg in seiner tabellarischen Wohlfühlzone. Als Sechster mit 25 Punkten nach 15 Spieltagen liegt der Fußball-Bundesligist voll im Soll. Doch eines fehlt noch, um von den Top-Teams der Liga als vollwertiges Mitglied anerkannt zu werden: ein Sieg gegen einen von ihnen. Doch in vier Versuchen gegen eine Mannschaft aus den aktuellen Top Sechs ist das der Elf von Trainer Oliver Glasner nicht gelungen.

Was fehlt dazu? Am Samstag ab 15.30 Uhr gegen RB Leipzig wollen es die Wolfsburger auf jeden Fall erneut versuchen.

0:0 gegen Bayer Leverkusen, 1:2 beim FC Bayern, 0:2 bei Borussia Dortmund und 2:2 bei Union Berlin : Das sind die bisherigen Ergebnisse gegen die Klubs, die in der Tabelle noch über dem VfL rangieren. Sie zeigen: Die Grün-Weißen sind nicht weit weg, sie können mit den Top-Teams mithalten, sie an den Rand einer Niederlage bringen. Doch der letzte Schubser fehlt (noch).

VfL ist nur phasenweise ein Top-Team

Ein Beispiel: die Niederlage beim BVB. Der VfL war zu Beginn klar besser, ließ jedoch klarste Chancen aus und wurde in der zweiten Hälfte für diese Nachlässigkeit bestraft. Auch beim Remis in Berlin am vergangenen Spieltag hielt Glasners Team die Zügel nach dem 1:0 durch Renato Steffen eigentlich in der Hand. Aber nach wieder mal verpassten Gelegenheiten, zwei Gegentoren und dem Platzverweis für Maximilian Arnold musste es am Ende froh sein, einen Zähler zu haben.

Auf den Punkt gebracht: Der VfL ist nur phasenweise ein Top-Team. Das sieht auch der Kapitän so. Josuha Guilavogui sagt: „Wenn man eine gute Phase hat, trotzdem kein Tor erzielt und dann noch der Gegner trifft, wird es ganz schwer für den Kopf.” Der 30-Jährige ist schon lange genug dabei, um zu wissen, dass die meisten Spiele nicht mit den Füßen, sondern mit dem Kopf entschieden werden. „Fußball”, sagt Guilavogui mit seiner Erfahrung von 204 Pflichtspielen für die Grün-Weißen, „ist so viel Psychologie.”

Mehr zum Kapitän: Josuha Guilavogui: "Das hat mir sehr wehgetan"

Wie man das, was dem VfL fehlt, nun auch bezeichnen möchte, ob Cleverness, Abgezocktheit oder Killerinstinkt, es sind Attribute, die auf dem Trainingsplatz nur schwer zu vermitteln sind. Glasner kann üben lassen, wie sich die Mannschaft und die Spieler taktisch zu verhalten haben, wann sie den Gegner hoch anlaufen sollen, wann sie verschieben sollen, und so weiter. Aber wie sie dem Gegner den K.o. verpassen, indem sie in den entscheidenden Situationen die richtigen Entscheidungen auf dem Platz treffen, ist deutlich schwerer zu vermitteln. Guilavogui weiß: „Wir müssen eiskalt sein. Gegen große Gegner bekommt man nicht viele Chancen, da muss man einfach da sein.”

War der VfL zuletzt aber nicht. Klappt es nun gegen Leipzig, das als Zweiter aktuell der ärgste Verfolger von Tabellenführer Bayern ist? Der erfahrene Franzose kennt die Schwierigkeiten. „Es ist immer sehr kompliziert gegen RB”, sagt er. „Das ist ein Top-Team, da müssen wir es wieder versuchen und jetzt den Schritt machen, eine Spitzenmannschaft zu besiegen.”

Auch Leipzig hat Probleme gegen die oberen Plätze

Kurios beim Blick auf das Duell am Samstag in der VW-Arena: Auch die Leipziger haben in ihren drei Versuchen noch nicht gegen ein anderes Top-Team gewonnen. 1:1 gegen Leverkusen, 3:3 gegen die Bayern und 1:3 gegen den BVB: Das ist ihre Ausbeute. Die meisten Punkte aus den Spitzenduellen holte – wenig überraschend – der Rekordmeister aus München mit drei Siegen und zwei Remis. Auf Platz 2 im internen Top-Sechs-Wettkampf folgt – deutlich überraschender – Union Berlin dank eines Sieges (gegen den BVB) und eines Remis (gegen den VfL).

Mit welchem Personal die Grün-Weißen die Mission gegen RB angehen, ist jedoch noch nicht gänzlich klar. Paulo Otavio kehrte am Mittwoch ins Training zurück, aber Marin Pongracic und Jérôme Roussillon, die beide noch mit möglichen Nachwirkungen ihrer Corona-Infektionen zu kämpfen haben, sowie Josip Brekalo (Prellung) und Jeffrey Bruma (Quarantäne wegen eines Corona-Falls im familiären Umfeld) fehlten weiter.

Und einer könnte am Samstag schon gar nicht mehr zum VfL gehören: Felix Klaus, der zuletzt allerdings keine große Rolle spielt, steht unmittelbar vor einem Wechsel zum Zweitligisten Fortuna Düsseldorf.

Mehr zum Kader: Positiv: Alle Corona-Tests des VfL Wolfsburg sind negativ

Klar ist: Wollen die Wolfsburger weiter im Konzert der Großen mitmischen und womöglich um einen Platz in der Champions League mitspielen, muss auch mal ein Sieg gegen ein Top-Team her. Gegen RB wäre es obendrein der erste überhaupt 2021. „Man muss groß denken”, fordert Guilavogui. „Wir standen vor der Winterpause auf Platz 4 – und das war verdient.” Doch eine solche Platzierung muss man sich jeden Spieltag neu verdienen. Sonst rutscht man schnell aus der Wohlfühlzone der Tabelle.

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder