Zwischen Rasen und Reportern – VfLerinnen im Doppeleinsatz

Wolfsburg.  Wolfsburgs Topstars stehen TV-Sendern, Tageszeitungen und Sportverbänden vor WM und Pokalfinale in Interviews und Werbeaufnahmen Rede und Antwort

Alexandra Popp.

Alexandra Popp.

Foto: Darius Simka/regios24 / regios24

Spitzenfußballerinnen zwischen Sport und Marketing, zwischen Meisterschafts-Endspurt, DFB-Pokalfinale und Weltmeisterschaft. Wer glaubt, dass sich die Spielerinnen des Bundesliga-Spitzenreiters VfL Wolfsburg – vor allem jene, die mit ihren Nationalteams auch international gefordert sind – rein auf ihre Kernkompetenz, das Fußballspielen, konzentrieren können, der täuscht sich.

Die Marketing-Maschinerie ist dieser Tage auch im Frauenfußball in vollem Gang. „Bei uns stapeln sich die Anfragen“, sagt Dirk Zilles, Sprecher der VfL-Fußballerinnen. TV-Interviews, Fragebögen von Zeitungen, Pressetermine vor dem DFB-Pokalfinale am 1. Mai, Werbeaufnahmen von Fifa, Uefa und DFB im Vorfeld der Weltmeisterschaft, die im Juni in Frankreich beginnt. „Es kommt eine Menge zusammen“, sagt Zilles.

Häufig angefragte Interview-Partnerin ist Wolfsburgs Allrounderin Alexandra Popp, Kapitänin der deutschen Nationalmannschaft. „Sie ist zum Beispiel bei Aufnahmen für Werbepartner des DFB sehr beliebt“, sagt Zilles. Kürzlich trudelte beim VfL auch eine Fragenliste der Marca ein. Spaniens Sport-Tageszeitung mit der höchsten Auflage hatte 21 Fragen an „Poppi“. Zilles: „Die dachten sich wohl, sie müssten mal eine kleine WM-Geschichte über Spaniens Vorrundengegner Deutschland einstreuen.“

Auch für WM-Vorschau-Clips der Fifa oder für Bewegtbilder in Uefa-Image-Kampagnen sind Wolfsburgs Spielerinnen zu sehen. Dass das dänische Fernsehen beim VfL anfragt, um einen Beitrag mit Topstar Pernille Harder zu drehen oder der TV-Kultursender Arte Sequenzen für eine Doku mit Abwehrchefin Nilla Fischer drehen möchte – für Zilles ist das Alltagsgeschäft, für die Spielerinnen dagegen Zusatzarbeit neben der Vorbereitung auf Bundesliga-Endspurt und Pokalfinale.

Genau jenes Pokalfinale beschäftigt Zilles am Dienstag. „Um 8 Uhr geht’s nach Köln.“ VfL-Abwehrspielerin Sara Doorsoun, gebürtige Kölnerin, begleitet ihn. Der DFB bittet am Finalort zur Pressekonferenz im Vorfeld des Endspiels. Für Doorsoun ist das Finale gegen Freiburg der zweite Anlauf, die DFB-Trophäe zu gewinnen. 2014 war sie mit der SGS Essen am 1. FFC Frankfurt (0:3) gescheitert.

Da geht fast unter, dass sich die Wolfsburgerinnen mit ihrem jüngsten 5:0-Erfolg bei Bayer Leverkusen die Teilnahme an der Champions League in der kommenden Saison gesichert haben. Nebengeräusche, die VfL-Coach Stephan Lerch nicht hören mag. Er fordert Konzentration auf die anstehenden Bundesligaspiele. „Dass wir nach Bayerns Unentschieden gegen Essen nun zwei Punkte vorne liegen, haben wir emotionslos zur Kenntnis genommen. Wir können uns nun zwar noch ein Remis erlauben, werden aber in jedem Spiel auf Sieg spielen, um auf Nummer sicher zu gehen.“

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